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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-12-27 · No. 52. (27.12.1882) · p. Seite 207

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 52. (27.12.1882)
Date
1882-12-27
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
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liebliche Salamith. Dies ist Alles. Das Leid darüber treibt Salamith in den Tod; auch dieses ereignete sich jezuweilen. Sehen wir von allem historisoh-biblisoben Costume, das ohnehin dem Stücke nur locker sitzt, ganz ab, so haben wir eine tragische Selbetmordnotiz vor uns, wie sie nach der Keim’schen ״Salamith“ sogar wiederholt in den Zeitungen stand. Das Bestreben, das Bild der Handlung zu füllen, brachte, den Autor dahin, verschiedene Fäden der biblischen Udberlieferung in wirklich sinnreicher Weise zu verknüpfen. Nur die Au88pinnung des salomonschen Urtheils über die beiden Weiber zu einer ganzen Intrigae scheint mir doch zu sehr ausgeklügelt; eine cbaracteristische, knapp hingestellte Anekdote darf man nicht weiter auszapten; dies giebt immer nur dramatische Charpie.*) Rappoport und Luzzatto. (Schluss.) Vier Monate danach, am 9. Adar 5692, hatte er an Rappoport ein Verseichniss der Werke Jbn Esra’8 geschickt und bei dieser Gelegenheit in einem kurzen Geleitschreiben gegen diesen Grammatikerund Exegeten die Beschuldigung ausgesprochen, dass er nicht mit ganzem, sondern gleichsam mit getheiltem Herzen geschrieben, dass er sehr freie Ansichten in seinem Innern gehegt, welche er in geheimnisvollen Andeutangen versteckt hielte, aber, um nicht erkannt und für ungläubig gehalten zu werden, Andere, die nicht freier gedacht, als er, verlästert und verketzert habe.**) Gleichzeitig und schon etwas früher hatte er auch die deutschen- Rationalisten heftig angegriffen; doah für diese, deren Standpunkt sr auch verurtheilte, hatte Bappoport keine Veranlassung, sich zu ereifern, obwohl er in Bezug auf den letzten Thleil des Jesajas unter Berufung auf Iba Esra ihnen zustimmte, allerdings in einer Fassung, welche auch Luzzatto als als wenigstens nicht gegen die gläubige Anschauung verstossend bezeichnen musste. Wohl aber musste Bappoport der Angriff ant den Character eines der gefeiertsten Männer des Mittelalters, zu dessen Ehrenrettung sich übrigens auch sein älterer Freund, Nachmann Krochmal, noch ein Jahr vor seinem Tode erhohj^•**) auf das Aeusserste empören. Lange liess er Afuzzatto ganz ohne Antwort, endlich, 7 Monate späwr, am 5. Cheschwan 5693 wies er ihn in sehr scharfen Worten zurecht, indem er 11. A. an einen Irrtbum, den er ihm in Bezug aut eine Behauptung über Ibn Esra nachwies, die Bemerkung knüpfte, dass er selbst manche Fehler besitze, die er diesem zur Last lege, und ihm zurief: ״Nicht durch das Auflehnen gegen die Wahrheit und durch die Erniedrigung des Ibn Esra wird ein Mann gross “f) Hier in dem Kampf für die Ehre eines grossen Mannes erscheint sogar Bappoport als der Heftigere, während Luzzatto. dem wohl diese Pietät seines Gegners Achtung einflösste, in dessen empfänglichem Herzen auch schon die Liebe *) Der Verfasser des obigen Artikels (Jos. Bayer! hat nur die bibL Dramen ohristlicner Dichter besprochen, eine Za- •ammenstellang der biblischen Dramen unserer jüdischen Autoren würde eine sehr j se gnete Ergänzung hieran bilden. Vielleicht unterzieht sich einer unserer gesuh. Mitarbeiter demnächst dieser dankbaren Arbeit. (Red.) **1 Dieser Brief ist in der Sammlung nicht mit abgedrackt, da Luzzatto, wie er U, 276 bemerkt, davon keine Abschrift genommen hat; er erwähnt denselben nnr II, 226 und an dieser feile, aas walcher auch sein Inhalt ersichtlich ist. ***) In einem am Ende der zweiten Auflage von More Neboche ha-Seman abgedrackten Briefe. t) n, 233 stau עד האמת.כי לא בהוזעצם מים ובהשפלה עוזריה ינדי ist wob! zu 1e«sn כן עזרא zu jenem an tief Wurzel gefasst hatte, *warl,•eins frühere Behauptung weiter aufrecht erhält, aber data{ doch sich mehr darauf beschränkt, sich sa verthsidBsjp and sein Bedauern darüber anszusprechen, iw Bappoport trotz des längeren Verkehrs seinen wähle!} Charakter immer nooht nicht erkannt habe Brst. isi weiteren Verlaufe des ßriefweohtels betont .er seinf Art, nicht dem Scheine, sondern der Realität sa folgen, und dem klaren Denken mehr Gewicht als dem Wissen ans Büchern beiznlegen, in so scharf pointirter, and dem Rappaport gegenüber etwas anzüglicher Weiseü dass dieser sich dadurch auch persönlich verlebst fühlt and daran der volle Friede, trotzdem Luzzatto in demselben Briefe seine heisse Sehnsucht nach ihip ausspricht und Bappoport ihn gewiss nicht minder herbeigewünscht hat, doch noch ein weiteres Jahr auf sich warten lässt. *) Endlich, endlich iaf der ersehnte Tag gekommen; am 9. Tebeth 5694 jubelt Luzzatto, dass die Misshelligkeiten nun für immer ihr Ekti» erreicht, denn ״heute weiss ich, Herzensfreund, da^ Bitterkeiten für immer unter uns aufhören werden, und zwar, weil da mich erkannt, nach Ende von vier Jahren erkannt hast, wozu freilich nur vier Ta« nöthig gewesen wären, wenn da bei mir dich aajr gehalten hättest.**) Ob nun' Luzzatto mit seiner damaligen Uebezzengung Recht behalten wird? Darüber werden era^ die noch za veröffentlichenden Briefe ans Aufklärung geben, denn bald hierauf brechen die bisher e!'־ schienenen Hefte ab. Aber sovi61 lässt sich selbst aus den wenigen noch vorhandenen Briefen ersehen, dass wenigstens kleinere Dissonanzen auch in der späteren Zeit nicht ganz ausbleiben werden. Dazu musste selbst eine gewisse Schwäche beitragen, in der beide Männer bei der sonstigen Verschiedenheit ihres Wesens sich gleich waren. Beide warep in wissenschafUichen Dingen etwas empfindlich. Bappoport wirft gleich in seinem ersten Briefe an Luzzatto dem Reggio vor, dass er ihm den Lohn des Arbeiters vorenthalten, indem er in einem an ihn gerichteten Schreiben kein Wort über einen von ihm veröflentlichten Aufsatz verloren habe; ganz denselben Ausdruck wendet späterhin Luzzatto auf Bappoport selbst an, als dieser eine ihm von jenem mitgetbeilt wissenschaftliche Ansicht in seinem Antwortschreiben Völlig unerwähnt lässt ***) Als Bappoport sich mit der Absicht trägt^eine Zeitschrift ,,Jeschurun“ heraaszugeben and und einen ihm zu diesem Zwecke von Luzzatto gesendeten Beitrag mit dem Bemerken zarückweiat, derselbe sei zwar gut, aber eigne sjch nicht für seine Zeitschrift, ist dieser darüber sehr verletzt und empfiehlt ihm an die Spitze dieses gleichsam als Motto ein kleines Gedicht za setzen, das übertragen lautet: I ״Zieht flugs von dannen, was gut ist und nützlich, ״Euch ist kein Aatheil am Jeschurun nnd kein Recht, ״Es verabscheut euch seine Seele, —- aber wie in ein ״Prachtgewand hüllt er sieb in Schlechtes n. Schädliches, ״Leeres und Abgedroschenes“.־(■) Wer wollte daran bei Männern Anstoes nehmen, welche aus eigener Kraft heraus sich za Wissenschaftlieber Bedeutung emporgearbeitet nnd denen, wie dieses bei dieser Gelegenheit Bappoport selber aasgesprochen ff), die Anerkennung 'der Kündigen der *) Man vergleiche Lazzatto’s Gegenüberstellung des Wissens aus den Büchern und des klaren Denkens auf p. 215 mit dem hierüber auf p. 212 Ausgesprochenen und oben Citirten. tm d man wird es begreifen, dass in erstere u Rappaport eia• vatletzende Anspielung auf sich erblickt hat. די II, 275. •**) n, 22«. f) II, 299. ff) In seinem ersten Briefe p. 2.! ' ' '.i ■ .1,

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