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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-12-27 · No. 52. (27.12.1882) · p. Seite 206

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 52. (27.12.1882)
Date
1882-12-27
Page
Seite 206 (sequence 2)
Language
German
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9 Allee £eben,Handh1ng, Saauatiob, fbetec breitende Bewegang —zagkachMchmitDiagonalirung jede» bewegten Vorganges! Wenn die •kjodteche Literatur aaa wohl iMtf&wÜRslicfaan Gründen kein Drama erzeugen konnte {c&nn das ״hohe Lied“ wird man doch nicht im Ernste als dramatische Dichtung gelten lassen wollen): so war dieser Ten, diese Haitang der einfachen Geschichteerzähiang immerhin ein Ersatz für' jenen Abgang — denn sie ist in ihrer Lebendigkeit an sich׳ sahon dramatisch. Daher erklärtsich der immer neu erwachende Beiz, auf die Bibel hinanf weiter zu dramatisiren. Die biblischen Dramen sind eine Gattang, die *nie r; aasgeht. Für Anfänger ist der dramatische Zag biblischen Erzählung Antrieb׳ and Erleichterung zagieieh; die Vorarbeit der Exposition finden sie von dem alttest amen tariscben Chronisten bereits fertig besorgt Aber auch gereifte Poeten blättern gern nach Stoffen in dem Buch der Bacher. - Al■ Baoioe sich entschloss, der grossen Böhne an entsagen, schrieb er doch noch auf Bitten der Frau v. ^(ainte^on für das Haustheater der Fräulein von St. Cyr seine beiden biblischen Dramen: die schwächere ״Esther“ and die weit bedeutendere ״Athalia“. Er ging damit über das herkömmliche Programm der griechischen, römischen und türkischen Sujets des französischen Tragödien-Beportoirea hinaus, und holte sich mit dem Fachmannsblick des Dramatikers — eben in der״Äthaüa“ — den erschütterndsten tragischen Staff dar Bibel hervor, der sich am allerehesten in den-Styl and die eiafäch grossen Maasse der antikisirenden Tragödie fügt. Für ein Pensionatsstück wohl ein-zu gewaltiges Thema! Klopstoak hat den bibli-׳ sehen Stoff in ״David" and ״Salomo“ mehr erbaulich als dramatisch in einer Beihe bewegungs- und fortsohriiteloser Dialoge behandelt; es sind Oratorien ohne Musik, aber keine Schauspiele, obgleich der Dichter Seine Acte: erste, zweite, dritte ״Handlung“ überschreibt. -Von den Anforderungen des lebendigen Drama’s und Theaters hatte eben der edle, hochgestimmte Sänger dm Me*8ia8 and Hermann’» nicht den leisesten Begriff. Uns fällt an willkürlich neben dem Sänger des Messias auch der grosse Tondichter des Messias bei, dessen eigentliche Domäne aber das alte Testament war and der ans da fgust eine zweite musikalische Bibel schenkte, ihre gewaltigen Laote and Motive Dar ins Tonleben hinüberführend und in dieser Sprache weiterentwickelnd. Mit der ״ Esther“ and ״Deborab “(1738) beginnt Händel die Beihe seiner Oratorien. Dann folgt ״Israel in Egypten* and ״Aihalie“; nach dem ״Messias“ — von 1841 bis 1847 — ״Simeon“, ״Jadas Makkabäaa“, ״Joeua“; als ein völlig erblindeter schrieb er noch 1751 seinen ״Jepbta“. Das sind die eigentlichen, die echten and gerechten biblischen Dramen. Es ist sehr begreiflich, dass Händel insbesondere in dem paritawehen BibeUaade England eine solche Verehrung genoss und noch immer geniesst. Neben diesem eigentlichsten Bibeldramatiker mit der Orgel im Hintergrund, kommt die litterarische Bibslnaohdichtang nicht recht auf £8 versteht sich von selbst, dass im Schauspiel, auf dem Theater die biblischen Vorgänge ihres religiösen Schimmers entkleidet und in den, natürlichen Zusammenhang von Ereignissen dieser Welt eingeführt werden; die Musik mag Theologie treiben, das recitirte Drama hat das Becht und die Pflicht, weltlich zu sein und in der Motiviiung Alles and Jedes auf die natürliche Causahlftt Zurücksaführen. Drei bedeutende deutsche Dichter zus neuerer Zeit langten sich Stoffe aus den ap o kryphisohen Büchern heraus: Hebbel aus dem Bache ״Judith“, Grillparzer aas dem hzgiographisohen Bache ״Esther“, Otto Lu&wig aus jenem der ,.Makkabäer“. Die Tragödie Otto Ludwig’s ist wohl die bedeutendste, dem Begriff und den Ansprüchen der Gattung am meisten oonfbrme Leistung auf diesem Gebiet; und soll man ein biblisches Drama, das zagleioh die grossen Umrisslinien eines historischen Drama’s füllt, vor dem litterargeschichtlichen Forum preiskrönen, so gebührt diesem Werke der Preis. Was Bebbel ־mit seinem Sturmand Drangstück, in welchem eigentlich der tragische Clown Holofernes der Held ist, sonst beabsichtigte und wollte, gehört auf ein anderes Feld. Das wunderbare Ester •Fragment Grillparzer’s gehört aach nicht recht in diese Beihe; ein voller orientalischromantischer Wiedereehein assyrischen Palastschimmers leuchtet da herein und zaletzt handelt es sich angleich mehr um ein mit der ganzen poetischen Konst Grillparzer’s erfasstes, psychologisches Liebesproblem, als nm die dramatisch« Aufarbeitung des biblischen Stoffes selbst. Die drei Hauptkönige der Jaden: Saul, David und Salomo, waren auch immer die ersten im drama־־ tischen Kartenspiel. B ü c k e r t, ein ebenso dramatischarmer wie lyrisch-reicher Dichter, von überfliessender Suada der Beimberedsamkeit, aber hilflos in jeder Aufgabe dramatischer Gestaltung, wandelte gleichfalls dieses Weges zurück. Im Jahre 1844 erschien von ihm: ״Sani und David. Ein Drama der heiligen Geschichte“ und gleich in demselben Jahre ״Herodes der Grosse “in zwei Stücken: ״Herodes und Marianine“ und ״Herodes and seine Söhne“. (Die Herodesstücke von Calderon’s ״Eifersucht, das grösste Scheusal“ bis auf Hebbel’s hochinteressantes Drama: ״Herodes und Mariamne“ will ich jedoch nicht weiter in den Kreis dieser Betrachtang ziehen, die sich doch begrenzen muss.) Alfred Meissner begann als Dramatiker mit der Tragödie: ״Das Weib des Urias“. Er war seinem Helden, dem König David, durchaus nicht freundlich gesinnt; vielleicht wollte er geradezn historische Kritik in dramatische Form umsetzen. Man darf zu seinem eigenen Helden nicht in einem polemischen Verhältniss stehen, wenn man ihn dramatisch .durchsetzen will. Shakespeare erwärmte sich wenigstens im künstlerischen Sinn für die mächtigen positiven Eigenschaften selbst eines Richard III. oder Macbeth und ging mit ihnen mit, bis er sie gegen die Kathastrophe hinab fallen lassen konnte. Die hisorische Kritik, die in Meissner’» bedeutsames Drama selbst eindrang, brachte es um seine Wirkung, t־׳otz dossen unleugbar grossen poetisch-dramatischen Vorzögen im Aufbau nnd in der Charakteristik. Doch nan haben wir es noch einmal mit David’s und Bathseba’s Sohne zu thun, dem Könige des Tempelbaaes, dem weisen Salomo, den nebenher Goldmark mit Erfolg in die Oper eingefuhrt hat Wir meinen das Trauerspiel ״Sulamith“ von Franz Keim. Der Verfasser ist eigentlich ein Lyriker, der aber einen gaten Blick in die Bühnen-Composition, in die scenische Anordnung und Grappirnng hineingeworfen hat; was inmitten liegt: die dramatische Gestaltung, die Ausbildung handlungsfähiger Persönlichkeiten, dies fehlt ihm noch. Der Hergang ist ganz einfach der: dass Salomo die Snlamibh durch zwei Acte leidenschaftlich liebt und im dritten Acte nm der Königin von Saba willen verlässt. Es ist die Treulosigkeit eines grossen Herrn, in seinem eigenen Leben eine Episode ohne besondere Nachwirkung, die hier geschildert wird. Die glänzende Kokette, die ihre Persönlichkeit mit theatralischer Geschicklichkeit za insceniren weiss, die aach die Beclame Vorarbeiten liess, ehe sie in Zion erschien, verdrängt die idyllieoh-eentimentale Liebhaberin, ״die Taabe von den Weingehegen“, die

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