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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-12-27 · No. 52. (27.12.1882) · p. Seite 208

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 52. (27.12.1882)
Date
1882-12-27
Page
Seite 208 (sequence 4)
Language
German
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1 Wing« Lohn ftr ihre geistigen Bestrebungen «ein Irepsnte! — Gleich gross xmd bewtlndemswerth aber irWhsn Beide durch ihre gehende Liebe zur jüdischen Wfesetischaft da, welcher sie unter den nogäo8tig>ten Yert>iitoi88en ihre ganze Kraft and begeisterte HingebuBg weihen. Bei Rappoport ist dieses bereits oben bervorgehoben worden. Lnzzatto aber litt׳ noch viel mehr unter der Ungunst des Schicksals, von der •r sich bis an sein Lebensende nicht zu befreien vermochte. Bald nach seiner Anstellung am coUegiam tabbinicinm zu Padua stellten sich der jungen Anstalt grosse pekuniire Schwierigkeiten entgegen und schon lanlala konnte ihre Auflösung nur dadurch hintertrieben werden, dass die beiden an ihr an gestellten . Professoren an einer Verminderung ihres Gehaltes am 200—300 Gulden ihre Einwilligung gaben. *) Die materiellen Sorgen, die ihm damals erwuchsen, worden noch vermehrt dorch die langwierige Krankheit seiner Brau, Ober welche er in seinen Briefen viel ■klagt, afcer alles Ungemach schien er in der Freudigkeit seines Tofschtas vQllig zu vergessen Wie sehr ]Lnzzatto in der Wissenschaft anfging, das beweist schon die eigenartige Erscheinung, dass er seine Kinder nach den Arbeiten nannte, mit denen er eich, gerade zur Zeit ihrer Geburt beschäftigt hatte. Der älteste Sohn, der in jugendlichem Alter, nachdem er schon einen Kamen sich erworben, starb, hiess Filoeseno, hebräisch Oheb.ger, nach seiner gleichnamigen Arbeit Ober Onkelos; ebenso gab er von seinem Commentar über Jesajes diesen Namen seinem zweiten Sohne, der aber nicht mit dem Herausgeber der Briefe identisch ist, da er kurze Zeit nach seiner Gebart wieder den Eltern durch den Tod entrissen wurde. — Unter diesen Umständen ist es denn auch selbstverständlich, dass diese Briefe einen ausserordentlichen Beichtham •n wissenschaftlichem Material bieten, welches denselben nicht bloss einen biographischen, sondern auch «inen wirklich wissenschaftlichen Werth verleiht. Zieht man die mittheilsame Art Luzzatto’s in Betracht, der, sobald er einen gnten Gedanken gefasst hatte, diesen nicht bis zur Veröffentlichung einer grösseren Arbeit bei sich verwahrt hielt, sondern ihn alsbald seinen Freunden mitzutheilen pflegte, so wird man wohl die Gesammtheit seiner Briefe für nichts Geringeres als eine Art von kurzem Abriss seiner graammten wissenschaftlichen Leistangen ansehen dürfen. Und dabei begegnet uns in ihnen anch gar Manches und zwar nicht Unbedeutendes, was anderswo von ihm noch nicht veröffentlicht worden ist, wie auch Professor David Kaufmann in seiner warm empfundenen Einleitung hervorhebt; mit einem Worte, es ist hier sin unermesslicher Schatz vergraben, za dessen Hebang es allerdings eines sehr sorgsam aasgearbeiteten Index bedarf, den anch der Heraasgeber am Schlüsse des Ganzen za liefern verheisst, von dem wir aber es als unbedingt nothwendig erachten, dass er sich nicht, wie es beim ersten Hefte geschehen, auf eine blosse Inhaltsangabe der einzelnen Briefe beschränke, sondern genau angebe, w o über die einzelnen I unkte in diesen »esprochen worden ist- Wir wünschen nar, dass die J Unterstützung der Freunde der jüdischen Litteratar «s dem Heraasgeber ermöglichen möge, nicht nur die Corr.־spondenz Luzzatto’s bald in ihrer ganzen Voll- •tändigkeit zn veröffentlichen, sondern derselben auch die tämmtlichen an ihn gerichteten Briefe Rappoports folgen zn lassen, welche die wissenschaftliche Ergänzung za ihr bilden und anch ihr erst den vollen Werth geben werden. Danztg. Dr. 8. Gronemann. ר n, 801. Litteraturbericht. Hecensionen. Die Zahlangaben Genesis V. and XI. Nach dem hebräischen Texte and nach den Siebenzig in ihrer Verwendung für die universale Chronologie von Professor Dr. Mathias Schab ach. Diese Abhandlung bildet einen Theil (8. 78—98) der ,Festschrift zn dem 300 jährigen Jubiläum des Königl. Gymnasiums zu Coblenz, herausgegeben von dem Director des Gymnasiums Dr. J P. Binsfeld- Coblenz, Krabbensche Buchdruckerei (1882“). Der strenggläubige Herr Verfasser ist natürlich weit entfernt von der cavallierartigen Behandlung, welche sogenannte Exegeten den bibl. Zahlen angedeihen lassen, und hat ebensowenig Vorliebe für aie willkürlichen Textänderungen. Die Differenz beträgt bekanntlich bis znr Fluth ein Pias bei den Siebenzig von 586 Jahren nach der Flath bis Abraham 653 Jahre 1239 Jahre. Diese Angaben der LXX hält Herr Prof. Schabaoh für die beglaubigteren, doch nicht, wie Andere, weil die Babbiner (B Akiba ist der Bezichtigte) die Zahlen des hebräischen Textes gefrischt hätten —• das bezeichnet er, gestützt aut Augustinus civ Dei XV, 13 als müssige Erfindung — sondern indem er annirnmt, dass die Uebenetzer, um die aegyptischen Zahlen za erreichen, ״das Netz der beiden in Frage stehenden Genealogien dorch Ein- Schiebung je einer Generation von etwa 100 Jahren erweitert.“ Sie hätten die erwähnten Genealogien als unvollständige erfasst, indem Zwischenglieder, ansgefeilen wären, wofür ihnen ein Beweis in der Auffübrung des Kainan nach Arpachschad (Lukas UI 16) gegeben war. — Reiche Belesenheit in den einschlagenden Schriften aller Zeiten und vieler Zungen ergiebt eine grössere Anzahl von Stützen für diese Hypothese, welche das Vorgehen der LXX wohl in seinen inneren Beweggründen erkannt hat. Lew in. Brody and die rassisch-jüdische Emigration. Nach eigener Beobachtung erzählt von L«v. Go Iden stein. Frankfurt a/M. Commissions-Verlag von J. Kanffmann. 30. S. 8. 1882. Nür fesselnde Schilderung, neue Thatsachen und Gesichtspunkte hätten es vermocht, dem Leser dieses Schriitchens über das grässliche Dentsch hinwegza* helfen. Aber seltsam sticht die Armuth des Inhaltes von dem Beichtham an Worten ab. Es haben die Hilfeleistangen des Brodyer Comite’s, das Elend der Flüchtlinge, den Verl, mächtig erregt, .und das gereicht seinem guten Herzen zur Ehre, aber der Eindruck hat ihm nicht zum Schriftsteller geweiht. Was erzählenswerth ist, ist längst erzählt und besser erzählt. Was aber neu ist, das ist entweder gar zu unbedeutend, oder wäre passender der Vergessenheit anheimgefalleii, wie der Sreit zwischen den 'Co'mitA’s in Lemberg und Brody und die nicht substantiirten Verdächtigungen gegen Mitglieder des letzteren Comitö’s. — Kurz das Büchlein gehört zu der überflüssigen Schnftstellerei. (cfr. Koheleth, 8. f.) Lewin. ' Briefkasten der Redaotion. Herrn Dp. O. in W. Für hatachisch« Abhandlungen kein Rau® "7 •aDa^.jL.-B.u erscheint wie bisher, nar einmal wöchen lick, and zwar zum Sonnabend. Verantwortlicher Bedacteur Dr. Bahaier, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Bobert Friese, Leip«*•

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