Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 52. (27.12.1882)
- Date
- 1882-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M., Magdebnrg, Berlin, Cöln, Hamburg, München, Zürich, Wien, Paris befördert Inhalt: Wissenschaftl. Aufsätze: Biblische Dramen. — Rappoport nnd Luzzatto. Von Dr S. Oronemann. (Schluss.) Litteraturbericht. Die Zahlangaben Genesis V. nnd XI. Von Dr. Mathias Schnbach. — Brody und die rassische Emigration. Von Leo Goldenstein. Naekdraek nur mit -crollor QuellcaM|1be gsstaltst. Biblische Dramen. Die Bibel ist bekanntlich kein einzelnes Bach, sondern eine ganze, aal die wesentliche Existenz zurück- S!führte National-Litteratar des hebräischen Volkes. ie Sammlung beginnt mit einer sehr einfachen Kosmogonie, dann folgen alte Caltarand VölkersAgen, aber Bereits völlig im Ton des historischen Berichtes vorgetragen; dann die Darstehang der eigenen Vorzeit des Volkes in der Patriarchensage; hierauf die Schilderung der Constituirang der politisch-nationalen Existenz der Jaden nnd im bedeutsamsten Anschluss daran das mosaische Gesetzbach, ihr jaristisch-religiöser Codex; alsdann ihre ganze kanaanitische Geschichte bis znm Niedergang ihrer politischen Selbstständigkeit. Inzwisehen rauschen die Harfenklänge der Psalmen David's, Assaph’s und der Korachiten durch; verschiedene lyrische Melodien nnd Stimmangen suchen sich vernehmbar zu machen, aber zuletzt übertönem die religiösen Accorde Alles Dann folgen die Zomreden nnd ersehntternden Klagetöne der Propheten, das Ausserordentlichste von elementarer Redemacht ohne jede Redekunst, das die Welt je gehört hat: ein Wetterleuchten and Donnern tief inspirirter Rhetorik, die weiter in schlachzende Laute und pathetische Klagetöne übergeht, die Kathaslrophen der jüdischen Volksnnd Staatsexistenz voraussagend oder ihnen folgend. Die Bibel versammelt alle Elemente in sich, ans denen sich sonst eine ganze, grosse Litteratur bildet nnd auseinanderzweigt; in ihrem vorwiegenden Theil ist sie historiographisch, dann eben so lyrisch and rhetorisch — gelegentlich idyllisch wie im Buch ״Ruth“, gebaltreich-gnomisuh in dem Buch der ״Sprüche“, fast von einem metaphysischen Ringen des Gedankens im Buche ,,H io b“, blasirt und pessimistisch reflectirend im ״Prediger“ oder ״Ecclesiastes“, schliesslich moralisirend in den späteren Apokryphen, wie in den Sprüchen Sirach’s und in der erbatüichen Novelle von Tobias. Welch’ ein Reichthum! Aber die theokratische Verfassung duldete kein ireiwachsendes Litteratur leben, sie benutzte es nur zur Zusammenstellung eines Canons — censarirt, redigirt, retoachirt von sorgfältig sichtender Priesterhand; Diese Redactions&rbeit von Tempel- Litteraten aas dem Levitenstamme oder dem Aroniaengeschlecht, welche ans einem so grossen Material die Bibel zusammen brachten, ist in der Totalität ein grandiöses Meisterstück.־ Es ist gewiss sehr viel indiviaaeller Gedankenausdruck darüber verloren gegangen and znm Schweigen gebracht, manche« fernere Detail in die grosse monumentale Pyramide des Bibelwerks schonungslos eingebaut nnd vermörtelt worden: aber ein Monument ohne Gleichen ergab sich darans, über dessen unschätzbaren Besitz das Volk wohl die wiederholte Zerstörung seines andern National-Monuments, des Tempels auf der Höhe von Moria, verscLmenen konnte. Kein Volk besitzt ein solches Büch oder vielmehr den Inhalt seines ganzen Geisteslebens in einem Bach;, aber dieses liegt so eigentlich aaf /der Schädelstätte einer ganzen möglichen, nahezu unterdrückten Litteratur. Wenn in der griechischen Li tteratur-Entrwiokelang dis besonderen Dichtungsarten, die Formen des historisehen, rednerischen, philosophischen Styls sich schart sondern, die Individualität der einzelnen Autoren wie \ eine Statnengallerie aaseinandertreten and auf ihren \eigenen Postamenten stehen — so worden die biblischen Schriftsteller, welche dieser Canon in seinem heiligen Bereich versammelte, nach Möglichkeit einander verähnlicht, entpersönlicht, ins Chorpersonal des heiligen Dienstes eingereiht. In dieser Art wurde die Bibel allerdings ein Bach der Bücher, weil neben ihr kein anderes, rein persönliches Bach aatkommen nnd sioh erhalten konnte. . Die priesterliche Stimmgabel schlag besonders scharf und decidirt die Tonart an, wo es sich am die Zasammenstellungder Geschichtsnrknnden handelte. Inden Büchern der Richter, Samaels, der Könige, dann der sogenannten Chronica hören wir verschiedene historische Berichterstatter, deren unterschiedliche Stimmen nachträglich in die obligatorische Concord&nz gebracht wurden. Aber alle diese verschiedenen Chronisten nnd Geschichtserzähler gingen zaletzt in einen einzigen, aas dem Redactionstiegel emporgestiegenen Chronisten ani Aber dieser eine Chronist, dieser» Sammelbegriff diese combinirte Persönlichkeit, weiss bei aller Naivetäf des Toues meiste! haft za erzählen. Der classischepische Ton, die Erzählungsknnst Herodot’s, seine ruhige Ausbreitung des geschichtlichen Stoffes ist ihm - allerdings fremd; die Unruhe des semitischen Naturelle, die stete Präsenz bei dem .,Actuellen“ giebt siet), darob.- wegs in der Art seines Erzählens kund. Wie ist dft A