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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-12-13 · No. 50. (13.12.1882) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 50. (13.12.1882)
Date
1882-12-13
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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auf das mit Jirm. 15, 6 (aus der Erwidhr w vom Midrasch erwähnte Gebet Jirmeja’8)| vergleichen; wir finden VtE7 רטש א parallel ־־־־ ־ - 99 נ unserer P8. «9, 27; 95, 1 er* 1<צזר Dies (konnte einem ü. Dostai bar Jannai nicht \i׳ohl eutgiahen, wie uns ein Blick auf seinen Wablspriich in Abjoth 3, K lehrt. Auch dürfte es der Pietät der Alten! hei ■all ihrer Licenz in der Bibelaulfassung (widerstrebt haben, einen sonst ausschliesslichen Beinsjmen Gottes, den sie als solchen sehr wohl kannten, als Tempel!oder gar als ״Dränger, Enge“ צר zu deiuten. Andererseits dürfte es dem R. Dostai keineswegs als unzulässig erschienen sein, ר;2ל צ'י dahin zu verstehen, dass Israel den Fels seines Heils (Gott) entwürdigte( denn konnte er anthropopathische Stellen[ wie Je£. ], 4 — bekanntlich ist pC synonym mit נבל, Wie Jirm. 14, 21 — anders auffassen als wir, nälmlich in Bezug auf Gott? 3. Die von R. Dostai gelindert« Voealisation von ועבל sehe ich nicht als durch den ijruck verwischt an. Auch sonst kommt es vpr, dass ejne verschiedene Lesart nicht im mindesten von der) ursprünglichen abzuweichen scheint, z. B. lierach. li[: אל תקר* בפרש אלא בפרש, das. 1«: א״ת במה אלא במה, ebendaselbst: א״ת שבע אלא שבע, .ibid 5: איית תלמד;* אלא תלמדנח, Menach. 53: דא׳,^ ממג* אלא ממנו■ Nunmehr wären trennt zu erörtern: 1. Wo ist in beregtem ' Fentateuth-Verse haupt.- sächlich angedeutet, dass Gott,,MassgegjenMass“ ahndet? 2. Das *אל תקר erheischt jedesmal eine geänderte Lesart, die hinsichtlich einer) religiös-sittlichen Sentenz als mnemotechnisches Mittel dienen,1 soll; hier aber lässt R. Dostai anscheinend sowohl in den Consonanten wie in den Vocalen רנבל intact, seihe Stellung zum vorhergehenden מאמר überhaupt unkenntlich. Ad 1. bringt uns Raschi z. St. auf die richtige Fährte, indem er interpretirfj: ינבל צור *שועתו מנהו ובזהו במו שנאמר אחריהם אל ה*כל ד־ אץ :*בול גדול מזה. Da Raschi den vom Jalkut angeführten Jecheskel- ^ers und besonders dein ניבול betont, so liegt klar, dass er auf den דרש (im Jalkutj abzielt und denselben adoptirt. Also: Jesbhurun vefliess Gott, seinen Schöpfer, und entwürdigte durch seine Gering- Schätzung des Heiligthum|s den Fels seiner. Hülfe (Gott), darum verliess der Ewige sein Volk, verliess er seinen Tempel. In וינבל liegt demnach hauptsächlich die betr. Andeutujng. ׳ Ad 2. R. Dostai wjll nun offenbar die Erklärung seines Vordermannes ergangen und stützen. *) In allen ' ocalixation aus ebenfalls durch den Druck vetwi9cht. diesen Fällen ist entweder die geänderte aus dem Zasammienliange ersichtlich, oder sie ist 4>ll f)at! D1.t«nh t*A«11׳kanht י Wenn der Ausdruck דנבל auf das obseöne Treiben Tempel anspielen und besonders in diesem Pentateuch- Worte die Strafe ״Mas* gegen Mase“ angedeutet sein soll, so müsste diese Strafe auch als in ונבל enthalten, erweislich sein. Und in der That! דנבל צ״י besagt, dass Jeschurun den Fels seiner Hülfe, eben in Bezug auf seine Hülfe, gleichsam zur Erschöpfung brachte — was nur die traurige Folge des sich von Gott und seinem Heiligthum abwendenden Uebermuthes sein konnte. נבל verw. mit נפל bezeichnet das Sinken der, physischen oder der moralischen~tK_raft; und das Piöl נבל hat hier causative Bedeutung mit dem Nebenbegriff des besonder!! Eifers: aum Sinken, zur Er-, Schöpfung bringen. Man vergleiche hiermit Ibn Esra’s Bemerkung zu unserm Pentateuch-Verse: TOSTl;שחלל השם שלא הושיעו הוא סבב על ב• כתוב צור ישועתו *jS ferner Raschi’s Bemerkung zu dem drittfolgenden Verse:' ח־בותינו דרשו כשבא להיטיב לכם אתם מכעיסים לפניו ומתישים כחו מלהיטיב לכם;, endlich den obberegten. Schluss des Jirmeja-Verses: .נלאיתי הנחם Die ganze Erörterung des ersten Midraschisten fasst also R. Dostai höohst prägnant in das ־Wort zusammen: אל תקרי וינבל אלא רנבל Lies (fasse) וינבל nicht so", dass Jeschnrun den Fels seiner ־Hälfe — ungestraft — entkräftete, sondern iu dem Sinne, dass der Fels seiner Hülfe eben in Bezug auf seine Hülfe entkräftet wurde. Das active דנבל ait את נטשת אתו, und יינבל צ יי parallel mit אחור תלכי.] Der Schluss der Jirmeja-Stelle wird uns diese bald zu unserer Ueberraschuug noch mehr als Urqublle unsejres Midrasch erkennen lassen. Von dem unbestimmten *אח1ר תלב bis zu dem concretem אחריהם אל היכל ד׳( das der Absieht des Midrasch, die Ahnduüg ״Mass 1gegen Mass“ thatsächlich zu erweisen, mehr entsprach! ist für denselben nur ein sehr kleiner nnd leichter Shhritt, ebenso von dem allgemein gehaltenen 'TI את־יד־ ipr. bis zu der bezüglichen Exemplification in unseitm Midrasch. Characterisirt ja die Amphibolie, die ebenso geläufig vereinzelt wie verallgemeinert, ebenso geläufig versinubcht wie vergeistigt, den Midrasch überhaupt. Es sei übrigens hierneben noch daran erinnert! wie oft die Alten den Parallelismus exegetisch benützt. 2. Unter צזר *שזעה den ״Tempel“ zu verstehen, erscheint unzulässig, denn diesjes Wortgefüge kommt sonst — auch in den nichtpsalmistischen Gebeten Liturgie — nur als Beiname Glottes vor, wie folgende zwei Fragepunkte ge- Jeschuruus musste gerechterweise das passive Var- ' halten (וינבל) Gottes bezüglich Israels nnd seines _ Tempels zur Folge haben. -!* '־ LFebrigens dürfte wohl die Pualform ךנ?ל am meisten zutreffen, da sie das Passiv des Piel ist und ■ sich auch im Talmud das Participium Pual מנול von נבל נול findet; gleichwohl wäre die Niphalform וינבל als Passiv des Kal auch nicht anfechtbar, wie u. a. von dem intransitiven ״ כבדgeehrt sein“ gleich- ״ falls Pual und N i p h a 1 als Passiv vorkomm^ ebensowenig liesse sich die Kalform וינבל, analog ונצר neben ' צר* u. v. a, bemängeln. Zum Beweise der Richtigkeit seiner Ansicht'und der des ersten Erklärers über רנבל fuhrt R. Dostai das ,Gebetwort des Jirmejä (14,21) an: אד־תנ3ל כסא כבח־ך Lass nicht sinken deinen erhabenen Thron. Der Aus-' druck בבא kannhier sowohl den Tempel als auch bildlich das Walten Gottes bezeichnen. In letzterer][ Beziehung sei nur auf Ps. 9,8. 11,4. 47,9. 97,2;j Jirm.«3,17; Jech 1,26. 10,1;.Job. 26,9 hingewiesen. I Demgemäss liegt in dem Gebetwort des Jirmej« ebenfalls ein Doppelsinn: Lass nicht sinken (aufhören) dein erhabenes gnädiges Walten über Israel —IT parallel und synonym dem zweiten Heinistich:.1} זכר אל־הפל בריתך אתנו; oder: Lass nicht sinken d3inen‘i'C^ erhabenen T e mpV], Das Ende der Fürsorge Gottea,j.; für Israel würde auch das Ende des Tempelbestandes "'*י sein. So zeigt uns denn nach R. Dostai das Gebet-"!, wort des .Tirmeja, wie wir דנבל im Pentateuch aufznfassen haben, insonders aber, dass נ3ל, . wie es imT Jirmeja auch bezüglich der Tempelzerstörung gebraucht wird, im Pentateuch gleichfalls dieselbe zu verstehen giebt. Hiernach dürfen wir wohl behaupten, dass es dem R. Dostai vorzüglich gelungen, den ersten 0נ0נםר zu ergänzen und zu stützen. (Indem wir noch die Meinung des Herrn Dr. Sidon mittheilen, dass gelesen werden müsse:! א״ת דנבל אלא ד ינבל; d. h. ,Wehe! schänden wird den Hort-' seines Heils Israel“ — schliessen wir hiermit die ־; Acten über den vielgedeuteten Midrasch. Red.)

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