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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-12-13 · No. 50. (13.12.1882) · p. Seite 200

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 50. (13.12.1882)
Date
1882-12-13
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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Talmudischer Protest gegen die der Orientalen. 1tp!>Cxuv12<x; Daniel II, 37 findet sich die Stehe אנת מלכא £לך־ מלכי* די אלה שסיא סלכותא חסנא ותקפא רקרא יהב לך nDn, ס König, König der Könige, welchem der Gott des Himmel s gegeben hat Regierung, Herrschaft und Macht und Würde“, Diese. Stelle bietet dem Talmud Yeranlassüng, bei Aufzählung der Gottesattribüte in der heiligen Schriftj die bald profan, bald nicht profan aafeufassen seien, das hier vorkommende מלך מל2יא als auf ״Gott“gemünzt aufznfaasen. SchewuophFol. 35b. heisst es: מזה שהוא rin כל מלכייא האמורים בדניאל חול קדש אנת פזלכא {מלך! מלכי־א די אלה ונד Nach Auflassung des Talmnd wäre also die Stelle!ne folgt wiederzugeben: ״Da, o König, welchem der König der Könige, .der Gott des Himmels, gegeben hat Regierung u. 8. w.“ Gegen diese in dejr Situation •begreifliche und von Hause .aas nicht unmögliche Deutung sträubt sich die Constrnction des Satzes. Xs hätte alsdann heissen sollen : אנת מלכא דו מלך מלכייא אלה דשמיא ונר Der Accentsetzer lässt auch dem «infachen Schriftzeichen sein Recht wiederf^hren, fasst מלך מלבייא als Opposition zu מלכא und sdhliesst mit מלכייא uurch ein אתנחתא den -ersten \ organisch zusammengehörigen Theil des Satzes ab.. Als einen Act der rpopuivT^a•.; bezeichnen die griechischen Geschichtsschreiber, wie Xenophen u. A., die grossen Perserkönige seien von ihren sklavisch (hündisch) unterwürfigen Unterthanen fa&lv'M; oder jlaoi/iwv angeredet worden. Ebenso ungeheuerlich wie dem freiheitlichen Sinne der Hellenen, ebenso grotesk und unvereinbar mit der dem einzigen Gottes gebührenden, ehrerbietigen Scheu erscheint es dem theokratischen Bewusstsein der Hebräer, einem irdisehen Potentaten ein Epitheton zu suppöniren, das im Grunde «nur als Attribut des allmächtigen Gottes seine volle und wahre Berechtigung hat.. מלך מלכייא -Der König der Könige“ kann kein irdischer Machtnaher, kann in Wahrheit nur Gott sein. Diese Argumentation mag den Talmud veranlasst haben >מלך מלכ״״א an unserer Stelle abweichend vom einfachen 'Schriftsinne auf Gott zu beziehen und als .רוךיןן ״heilig“ anfzafassen In diesem Zusammenhänge erscheint es sehr interessant, zu sehen, wie das talmudische Sprachebewusstsein es verstanden, wo es *ichjaicht um Schriftstellen handelte, mit seinem Gewissen und religiösen Gefühle auf der einen und mit den conventionellen Umgangsformeü und landläufigen Anredeweisen auf der andern Seite sich auseinanderrasetzen. In’ Aboth m, 1 sagt z. B. A kabja, der Sohn des Mahalallei: Wisse, vor wem du einst volle Rechen- Schaft ablegen musst! לפני מל]־ מלב* המלכים*). Warum Sagt er nicht einfach לפני מלך המלכים? Wozu diese schleppende, anscheinend pleonastische Häufung מלך מלכי המלכים? Allein die A'usdrucksweise מלך המלכים erschien ihm nicht mehr ausreichend, מלן־ המלכים wurde ja auch dergrosse Perserkönig genannt. Auf Gott הקדש ברוך הוא angewandt musste dieses Attribut eine Bereicherung erfahren. Der angedeutete Zweck wurde erreicht durch das eingeschobene מלכי Gott ist, wenn ein Mensch ם!®8 מלך המלכים kann,*מלך מלב ״ המלכיםDer König über die Könige von Königen.“ Sohrau ojS. Immanuel Deutsch Recensionen. Die Religiotisphilosopliie des Saadia, dargestellt und erläutert von Dr. J• Guttmann. (Fortsetzung.) Die zweite Ansicht, die Saadia von der Seele anfuhrt, dass sie nämlich etwas Luftartiges sei, hat allerdings wie der Verf. richtig bemerkt, Diogenes von Apollonia ausgesprochen, vergl. ausser den Citaten des Verf. noch Mullach, fragm. phil. Graec. fr. C, allein schon lange vor Diogenes von Apollonia hat der alte Philosoph Anaximenes diese Seelentheorie aufgestellt, desgl. Plut. placit. Phil. I. 3, ferner Stobäus Erl. 296. Bei dem anehkennenswerthen. zumeist glücklieh durchgeführten Streben des gesell Verf. stets die Urquelle zu berücksichtigen, möglichst auf den ersten Urheber einer Ansicht zurückzugehen, bleibt es also immerhin auffällig, wie er da übersehen konnte, Anaximenes als Primärquelle zu nennen Unter der dritten Ansicht, dass die Seele etwas feuerartiges sei, ist, neben den bereits vom Verf. S. 196, Note 5 citirten Atomistikem Lenkipp und Democrit, namentlich und vorzüglich noch Heraclit von Ejihesus zu verstehen, der auf die Feuerbeschaffenheit der Seele eigentlich ein weit grösser( s Gewicht gelegt hat, als die Atomistiker, vgl. übrigens Aristoteles, de anima I. 3. Unbedingt irrig aber ist die Annahme des Verfassers, wenn er Saadia unter der vierten Theorie, dass nämlich die Siele theils aus einer vernünftigen, ungewordenen und fortdauernden, anderntheils aber aus einer unvernünftigen, die Lebenskraft repräsentirenden und also vergänglichen Substanz bestehe, die Stoiker verstehen lässt.’ Freilich hat Herr Df. G. (197 Note I) selbst herausgefühlt, dass die Stoiker eigentlich die ganze Seele für etwas Gewordenes, Geschaffenes und Körperliches halten, während nach Saadia der vernünftige Theil der Seele wenigstens ewig und unerschaffen sein soll! . Nichtsdestoweniger bescheidet er sich merkwürdigerweise dabei, ohne sich, was er ja sonst mit grosser Gründlichkeit und Sachkenntniss zu thun pflegt, nach einer anderen analogen Schule umztisehen. Eine solche Schule hätte er aber sehr wohl entwederin den Pythagoräern finden können, welche wahrscheinlich auch eine Zweitheilung der Seele annahmen, (vgl. H. Ritter. Geschichte der pythagoräischen Philosophie. S. 209), indem sie vtOc und auch den Thieren, dagegen nur dem Menschen zuerkannten, oder in dem Arzt Aikmäon aus Uroton Dieser nannte die!Seele — nach dem Zeugnisse des Arist. de Aninrn J, 2. ferner des Plut. placit. phil. V, 30 und Cicero, de natura Deorum I, II — ewig, anfangslos und unsterblich, gleich den Sternen, wozu aber Theophr. de sensu 35 bemerkt, dass er nur der menschlichen d. h. vernünftigen Seele Ungewordenheit, Ewigkeit und Unsterblichkeit zuschreibt, während der körperliche Theil der Seele, also das Lebensprinzip, erschaffen und demnach auch vergänglich ist ... i av!+t10~0c jxtvo; Eoyfyoi. ti 5"*X).a aiaO-äveta: ifty 0 ■j cmy,a: 5s . . . Alkiuaon aus Croton drückt also ganz klar und u n*z wei de u t i g das aus, was Saadia“ uns berichtet. Es liegt hier somit keine nöthigende Veranlassung vor, unter dieser Theorie die Stoiker, auf die sie nur zur Hälfte Anwendung findet, zu verstehen, wir können vielmehr um 80 nachdrückiicher für die Behauptung eintreten, dass Saadia sich hier auf Aikmäon aus Croton bezieht, als dessen Theo'rie sich einerseits mit dem Berichte Saadia’s v o 11 k o m me n *> Ebenso Umtnt die liturgische Formel im ״Alenu-ttebet“. ־ (Red.) deckt, während Saadia andrerseits aus dem de Anima des Aristoteles die Kenntniss der Lehren Alkmäon’s sehr wohl herholen konnte. (Schluss folgt.)

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