Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 50. (13.12.1882)
- Date
- 1882-12-13
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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damals, ähnlich wie späterhin Rappoport gegenüber, ,Ober Verkennung seines Charakters und 1hebt mit grossem Nachdrucke hervor, dass ihn in seinen Forschungeh im Gegensätze zu den Meisten, welche durch gläuzende Namen bedeutender Autoritä ten sich blenden lassen, einzig und allein die Liebe zur Wahrheit leite. ״Dich mag vielleicht — schreibt der 19jährige in einer gewissen Erregtheit an Reggio — die Scheu vor Wessely in deinen Ansichten beeinflussen,״ich aber weiss von mir, dass mein Nacken sich strjäubt, das Joch eines Menschen auf sich zu nehmen,! denn ich habe nur Ehrfurcht vor der Wahrheit und ich *fürchte mich nicht vor der Wahrheit.*) Um so williger aber beugt er seinen Nacken unter das Joch Glottes und der gottoffenbarten Lehre; heftig und unduldsam gegen Alles, was die Autorität des ererbten Glaubens seiner Meinung nach antastet, macht er in demselben Jahre demselben Manne gegenüber ähnliche scharfe Ausfälle gegen die christlichen Exegeten der rationalistischen Schule, als wir sie 11 Jahre, später gegen Jost und 13 Jahre später gegen dieselben Rationalisten bei ihm leidenschaftlich hervorbrechen sehen.**; (Forts, folgt). Zur Anthropologie der Juden. Im Anschlüsse an die von Herrn Dr.: fluch holz gegen Andree’s Buch ״Volkskunde der Juden“ veröffentlichte Widerlegung erlaube ich mir,;Ihnen zur Anthropologie der Juden einige Notizen mitzutheilen. welche die bekannten ״naturwissenschaftlichen“ Rischuss-Aufsätze der offenbaren Oberfljichlichkeit überfuhren.• Professor Stieda in Dorpat veröffentlioht in einer strengwissenschaftlichen Zeitschrift, in dem ״Archiv für Anthropologie“ (14. Band)!eine Reihe von Schädelmessungen, vorgenommen jan 67 jüdischen Männern im Gouvernement M in s k. Selbstverständlich ^־würden die langen diesbezüglichen Tabellen die Leser des ״Litteraturblattes“ langweilen, hi-e rhe r gehört jedenfalls, wenn Stieda schreibt: ״Unter den vielen Vorwürfen, welche man den Juden machte ist häufig auch der zu hören, dass die Juden in körperlicher Beziehung eine schwächliche Nation seien. Ist dieser Vorwurf begründet? Wie wenig sichere und genaue Untersuchungen über die physische Beschaffenheit der Juden vorliegen, geht mit Deutlichkeit aus 2 neuen Publikationen hervor: Der Judenstamm in naturhistorischer Beziehung, .,Ausland“ 1880>(S. 453—56, 48.3—88, 509—12, 53B—39) und Richard Andree: Zur Volkskunde der Juden. Eingehende Untersuchungen an Juden machten Professor Dr. J. Majer und Dr. Isidot Köpernicki in Krakau. Sie bestimmten an 316 galizischen Juden Kopfgrösse, Brustumfang, Farbe der Haut, der Haare und der Augen und die Haupttnaasse des Kopfes. Die sehr werthvollen Resultate deij genannten Autoren scheinen ganz unbekannt geblieben zu sein, weder Weisbach (Zeitschrift für Ethnologie) noch Andree berücksichtigen sie. Auf Pröf.' Stieda’s Veranlassung entschloss sich Dr. Dybowiski, früher Privatdozent in Dorpat, zu einer anthropologischen Untersuchung der Juden. Es ist nicht ohne Interesse zu hören, welche Schwierigkeiten sich ihm hierbei entgegenstellten. ״Vor allem Hessen äieb die Juden nur dann untersuchen und messen, wenn man ihnen dafür zahlte. Nur der Kopf dürft«! gemessen und untersucht werden; der übrige Körper nicjht. ' •Tl^T **) X, 31 f. I ״Ungern und zögernd, nur durch die Zahlung verlockt, kamen die Juden zur Untersuchung, einzelne Hessen sich messen, aber nannten ihren Namen nicht. Da wollte es ein unglücklicher Zufall, dass einer der gemessenen Juden plötzlich starb. Die Ortspolizei mischte sieh hinein und — die Untersuchungen mussten aufhören“. "Wir heben von den Zahlen hervor, dass sich der Kopfindex (d. h. der Index des mit der behaarten Haut überzogenen Kopfes) in Ueberein- Stimmung mit früheren Untersuchungen auf 82,21 — 83,5 steUt. Die Mittelzahlen für den Schädelindex d. h. den Index des nackten Schädels sind 77,8—80,0. Weisbach nannte den Kopf der Juden ohne Weiteres mesocep hal (mittelköpfig). DiesesUrt heil wiederholt Andree, fügt aber hinzu, dass der Kopf häufiger dolichocephal (lang-), als brachycephal (kurzköpfig) sei, worauf sich das gründet, weiss ich nicht. — Aus den Messungen Dybowski’s ergiebt -sich mit ziemlicher Bestimmtheit, dass die Juden des Gouvernement Minsk gemischt sind, d. 11. es kommen bei ihnen beide Typen, der brachycephale (53 Procent, vergleiche aber oben Andreej und der dolychoeephale neben einander vor. Auch unter den Juden Galiziens ist offenkundig der brachycephale Typus bei weitem der überwiegendere (vergleiche wieder Andree’s Volkskünde der Juden). Kopemicki und Majer ziehen aus ihrer TabeUe nun nicht allein den Schluss, dass es sich um zwei Typen handelt, sondern geben auch an, dass die Juden mit brachycephalem Typus dunkel, brünett, — die Juden mit dolichocephalem Typus blond seien. — Eine Thafsache aber hält Stieda für vöUig gesichert, dass unter den Juden eine geringere Körpergrösse Regel sei. (Die Untersuchungen beschränken sich auf russisch-polnische Juden, bei denen die schlechte Ernährung und allzufrüheVerheirathung genügender Erklärungsgrund scheint). Die Körpergrösse der P o 1 c׳rr''ütSm Mittel fast dieselbe wie der Juden, aber der Brustumfang ist bei den Polen bedeutend grösser als dip Hälfte der Körpergrosse, — bei den Juden kleiner als die Hälfte der Körpergrösse. / Dass diese Tliatsachen auch praktisch von Bedeutung sind, vor Allem in Rücksicht auf die Militärpflicht, Hegt auf der Hand. —1 Vielleicht findet sich unter den Tausenden von jüdischen Aerzten einmal einer, der einen gediegenen Beitrag zur Anthropologie der Juden liefert. Die Statistik ^allein thut’s freilich nicht. i^T. Friedeberg. Collectanea.*) Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg. III. Nachlese auf einem kleinen Midraschfelde. Nachdem auf dem kleinen Felde des Midrasch Jalkut Schlagw. דשמן eine so reiche Ernte gehalten worden, sei mir eine bescheidene Nachlese gestattet. Vorab erlaube ich mir hinsichtlich der vor- Hegenden Ansichtsäusserungen einige Bemerkungen: 1. Unerklärt ist noch immer, weshalb der Midrasch דנבל צ״י gerade auf Jechesk. 8, 16 bezieht. Wenn Raschi jenes obscöne Treiben im Tempel als den allergrö&sten דבול bezeichnet, so geschieht dies, wie wir bald sehen werden, mit Hinblick auf unsern Midrasch und erklärt keineswegs den Grund fraglicher Beziehung. Dieser Grund tritt aber sofort augenfällig hervor, wenn wir 5 M. 32, lu *) In dem Artikel יתק״ק״ Ko. 42 muss das Schlusswort der viertletzten Zeile: es, aas der drittletzten: ich lieissen, nicht umgekehrt. . Kr.