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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-12-06 · No. 49. (6.12.1882) · p. Seite 195

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 49. (6.12.1882)
Date
1882-12-06
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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195 neuen huben. ersten Zelt Wohnorte den Diese Fremdfas ser diesen Roman hat, weiss ich niclt Er widerspricht aber dem Bericht der Bibel (Könige IL 8, 24 f. Esra 4, 1—2), wonach Sanherib oder einer seiner Nachfolger Gefangene aus den Ländern, die er unterjocht hatte, aus den Städten Bibel, Chutha, Awda, Chamath und Sefärwajim in das Gebie^ von Samarja verpflanzt hat, die von ihrem Namen Samaritaner erhalten linge hatten, weil sie in er Thieren heimgesucht wurden, dienst angenommen, um, wie si<j sagten. Landes zu versöhnen, aber die jGötter beibehalten. Als nun die auä dem Exil nach Palästina zurückgekeh'ten .Juden den Tempel zu bauen anfingen, .da sprachen sie zu den Führern derselben: '„Wir wollen mit each bauen, denn wir beten wie ihr zu eurem Gotte und ihm opfern wir seit den Tagen Asserhaddons, Königs von Assyrien, der uns hierhergebracht hat" (Esra das.; Es sind sonach die Samaritaner pthnisclj nicht zu den von wilden den jüdischen Opferden Gott des ihrer Heimath babylonischen ime „Sqhomrim1·, den bedeutet wohl kaum dieselbeii ihn - vielleicht Juden zu zählen. Auch der N die Bektirer sich selbst gaben ..Hüter des Gesetzes1·, wenn c.ieselbeii il auch so auslegen, sondern Samaritaner· und ist entstanden aus Schomronim, da der I^erg Schomron, den König Omri von Schemer kaufte, der Stadt und später dem Gebiete den Nai»ej|i gegeben hat, (Könige I. lti. 23). Litteraturqerieüit. Recensio nen. des Sajidia, dargestellt mann,| Göttingen 1882 scharf genug liervorgewürdei schwer halten, des KilÄm über „Freizu verschaffen. Eine solche Die Religionsphilosophie und erläutert von Dr. .T, Gutlmann.j Vandenhoek & Rupreeht's Yeilag. (Fortsetzung.*) Ueberhaupt sind in der i’arthie IS. 158—lös die herrschenden Grundanschauungen im über Freiheit und Gerechtigkeit nicht [klar ufid übersichtlich genug dargestellt, auch nicht hoben und abgegrenzt. Es aus der Darstellung des Herrn Dr. Q. sich eine auch nur annähernd erschöpfende Uebersic(ht über die herrschenden Gedanken richtungen heit und Gerechtigkeit“ Uebersicht aber ist einer slo gründlichen und ausführlichen Darstellung des sakdianiscjhen Systems zumal an dieser Stelle um so | dringenderes und unabweislicheres Bedürfnis«, je biegsamer und geschmeidiger sich Saadia gerade inj seiner {F"reilieits- und Gerechtigkeitstheorie Idem mütazilitischen Kaläm anschmiegt und anschliesst. Bei einer Theorie in der Saadia von den griechischen Philosophen durchaus nicht beeinflusst wiijd, vielmehr ganz und ausschliesslich auf einem] eminent mutazilitischen Standpunkt steht, imssteni doch wenigstens die drei tonangebenden Schulen des Islam — die Mutaziliten, Ascharya und Mutakalfmun — in ihrem Verhältniss zu dieser Frage, wenn: auch nur in gedrängter Kürze und knappen Umrissen, so doch mit systematischer Uebersichtlicljkeit dergestalt vorgeführt werden, dass der Leser — j selbst 41s Laie — gleich herausfühlt, wohin er Saadift einziujeihen hat. Denn -*)In voriger Nummer S. liUa. Z. 10j v. u. muss es statt trrundlogigkeit heiseeu „CJriiadliqhksit“. Ui S. 182b. Z. 8 v. n. begrifflich statt begreiflich. gerade die Freiheits- und Gerechtigkeitefrage bildet ja den Angelpunkt, um den sich diese ganze votclassische Philosophie im, Jsläm dreht. ’a Dass Saadia sich übrigens in der Willenfreiheita-;Sk frage nicht, wie der Verf. mit Kaufmann annimmt, iMS an Abu-1 Hudsail al-Allaf, vielmehr an den entschiedensten Vertreter der Freiheit im Jsl&m, Jbrahim b. Sajjär an-Nazzärri angeschlossen hat, glaube |; ich (vergl. meine Willensfireiheit S. 11) durch Beweis- , I gründe erhärtet zu haben, worauf der Verf., wenn | auch polemisch, wohl hätte Rücksicht nehmen können. 7- " Die saadianisclie, unleugbar etwas sophistische vj Theorie der göttb'chen Allwissenheit hätte mit df grösserer Ausführlichkeit als es S. 170 geschieht, behandelt werden müssen, wie denn diese ganze Parthie, - die ja von den lärmschlagenden und meistbeeprochenen i Fragen der jüdischen Religionsphilosophie handelt, sichtbar nicht mit jener -Liebe und Hingebung vom Verf. behandelt wurde, die er anderen, weniger wich- -, tigen Punkten so reichlich -zugewendet hat. Kurz jl·' und gemeinverständlich ausgedrückt lautet die saa-' : dianische Auffassung des göttlichen Wissens so: Die Dinge entstehen nicht, weil Gott sie weiss, sondern. ‘ .i Gott weiss sie, weil sie entstehen. Hier könnte man 7; auf Justin, dialog. cüm Tryphone S. 141 aufmerksam machen, wo es gerade so heisst: ,,ού γάρ έτζεί iyvoxrcai γ γίνεται, άλλ έπε- γίνεσ^α: ερελλεν 'γνωστά·.“ —- ein Satz, der sich in ganz umgekehrter Fassung aqch bei '; Augustinus de Trinitate V. Cap. 13 vorfindet „Uni- :-v versas creaturas et spirituales et corporales, non quia sunt ideo novit deus sed ideo sunt quia novit*. Da ‘ nun fiir diese Auffassung des Saadia vom Verf. keine . bestimmte Quelle angegeben ist, — Juda Hal4 vi aller- 1 7 dings führt sie im Kusari ed. Cassel S. 418 auf die ) Mutaziliten zurück — so wäre' ein Hinweis auf diese, wenn auch nicht sehr wahrscheinliche, so doch immerhin mögliche Quelle wohl angebracht gewesen. Im ganzen 5. Abschnitte, der über Verdienst *■ und Schuld handelt (S. 17ö—193), steht Saadia so ± sehr auf einem ausschliesslich jüdischen, näher noch talmudischen Standpunkte, dass die vom Verf. angeführten, allerdings auch nur ganz vereinzelt auftretenden Analogien und Anklänge an arabische, einmal sogar an einen griechischen Schriftsteller (Plato) nur als ein zufälliges Zusammentreffen und keineswegs als bewusste und beabsichtigte Abhängigkeit, von an-';.""' deren Systemen angesehen werden können. Denn , gerade diesq Auffassung von „Verdienst und Schuld* ist im alten jüdischen Sehriffctlium am weitesten aus-' ' gebaut, und sie trägt ein so ausgesprochenes, spezifisch? jüdisches Gepräge, dass sie mit nicht-jüdischen Philo- 7, sophemen sich nicht gut verquicken lässt, ohne einen wesentlichen Theil ihrer Eigenart und Sonderbeschaff«nJ' heit einzubüssen.· Allein in der Bewältigung uament-' lieh dieses Stoffes, der so eckig und spröde ist, dass * er eine kaum vermeidliche Monotonie im Gefolge zu · haben pflegt, hat der Verf. seine ganze Meisterschaft, bekundet und gezeigt-, wie vorzüglich er es versteht, durch bestechende Stilgewandheit und geschickte Ge-, '■· dankengruppirung selbst dem sprödesten Stoffe an—7 sprechende Formen und interessante Seiten -abzugewinnen — und das istkein geringer Vorzug des' voluminösen Buches. - Nicht ganz correct ist es, wenn der Verf. S. 195 Note apodictisch bemerkt, „der erste, der die Seele als etwas sich selbst Bewegendes definirt, war Anaxagoras“. Höchst wahrscheinlich haben schon die Pythagoräer 'diese Theorie aufgestellt; denn das vom Verfasser angeführte erste Citat „δσα λέγοοαί“, de Anima I, 4 bezieht sich ja auf die Pythagoräer, und erst der spätere Nachtrag berichtet xed. Αναξαγόρας ψυχήν siv« λεγει τήν χίνουσβν“,- so dass man

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