Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 49. (6.12.1882)
- Date
- 1882-12-06
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«tara wieder aas dem Lande gekrai, zumal mit ge- Maigertem Vermögen! Doch genug'. Das MitgetheSte wird genügen, den Character des Baches zu kennzeichnen und dieses Tn die Reihe der pseudowissenschaftlichen Erscheinungen zu stellen, welche den Zweck verfolgen, die Juden in tendenziöser Weise herabzusetzen und ohne Rücksicht auf die Resultate'der wahren, unbestoohenen Wissenschaft, 'ja oft genug im graden Gegensatz zu dieser, Vorurtheil und Hass zu nähren. Die Mischna (Synhedr. IV, 5) sagt: „Darum ist zu'Anfang nur ein Mensch erschaffen worden, um dich zu belehren, dass-dem, der eine Person vernichtet, es abgerechnet wird, als hätte er eine ganze. "Welt vernichtet, und wer eine Person*) erhält, als hätte er eine ganze Welt erhalten, und damit die Menschen in Frieden mit einander leben, dass nicht Einer zum Andern sagt: Mein Vater war grösser als der Deine, und um die Grösse Gottes zu künden: Wenn ein Mensch mehrere Münzen prägt mit einem Siegel, so gleichen sie Alle einander, aber der König .aller Könige, der Heilige, gelobt sei er, bildet alle Menschen nach der Form des ersten und doch gleicht Einer nicht dem Andern.“ »Wer einen schwarzen oder rothen Menschen sieht“, lehrt der Talmud, „spricht den Segen: Gepriesen sei der Herr, der die Geschöpfe verändert* (Berach. 58, b l. Das ist die- Anschauung des verketzerten und verlästerten Talmud von den Racen der Menschen. Er erkennt Alle als Menschen an, welche durch ihr Verhalten des Menschennamens s sich würdig machen. Er spricht diesen jenen Ungeheuern ab, die gleich wilden Thieren Mord und Rauh und andere Gräuel ausüben. Dagegen gilt ihm der Heide. der die Sittlichkeitsgebote der heiligen Schrift übt, dem Hohepriester gleich. Denn, sagt er, es heisst in der Schrift, Levit. 18, 5: »Ihr sollt meine Rechte üben und beobachten meine Gesetze, welche der Mensch ausüben soll, damit er durch sie lebe!“ Hier heisst es nicht Priester, Leviten, Israeliten, j sondern der Mensch!“ ’(B. Kamme 35, a). Das ist! die richtige Consequenz der Lehre von der Einheit j des Menschengeschlechts, deren Freund und Anhänger zu sein der Verfasser behauptet. Aber das Vorurtheil ist oft mächtiger als die wissenschaftliche Ueberzeugung. Der Verfasser stellt der Einleitung seines Buches ah Motto voran den Vers aus Jerem. 13.23: „Kann auch ein Mohr seine Haut verwandeln und ein Parder seine Flepken?“ und schliesst dieselbe mit dem Horazischeu: naturam si expellas fxrca, tarnen usque recurret. Diese beiden Aussprüche passen so recht auf den Judenhass und dessen Inhaber, besonders die Fortsetzung des jeremianischen Verses: „So könnt auch ihr Gutes thun, die ihr gewohnt seid, Böses zu thun!“ Der Judenhass wird dem kindlichen Gemüth in Haus und Schule eingeprägt und später durch Kirche und Lectüre in immer grösseren Dosen verabreicht, so dass er in der That nicht mehr ausgetrieben werden *) Die Miachna.gagt: „aas Israel*, weil sie zu Zeugen spricht, die gegen einen Israeliten, ein Verbrechen )>ezengen, auf .welche die Todesstrafe steht. kann. Was aber den Horazifcchen Sprach anlangt, so hat der grosse Venusier von der Macht des menschlichen Geistes und der Geistesbildung wohl eine höhere . Meinung gehabt, als dass er die angeborene Rohheit mancher Menschen für unausrottbar sollte erklärt haben. Doch sei dem, wie ihm wolle. Wir haben eine bessere Meinung von den Menschen, die wir von unseren Propheten gelernt haben und die Jesaja am Schlüsse eines schönen Zukunftsbildes, in welchem er das friedliche Nebeneinanderleben der Völker schildert, zusammenfasst in die Worte: Sie werden nichts Böses thun und nicht verderben auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll wird die Erde der Erkenntniss Gottes sein, wie das Meer von Wasser bedeckt. (Jes. II, 9, 6, 25). Als Nachtrag wollen wir noch einige Fehler berichtigen. Unter den Beispielen der Mischung der Juden mit anderen Völkern wird S. 48 Hagar, das Kebsweib Abrahams genannt, wobei übersehen ist, dass die Frucht dieser Mischung, Ismael, nicht zu den Juden gehört. Mit grösserem Rechte hätten Bilhah und Silpah, die Mägde Labans und KeBsweiber Jacobs, angeführt werden können, iS: mein: Die Familie nach mos -talinudischer Lehre S. 63, A,nm. 5.) S. 64 wird gesagt, dass die Israeliten wegen ihres religiösen lind nationalen Gegensatzes gegen die Aegypter aus deren Lande vertrieben wurden, was nicht blos gegen den biblischen Bericht verstösst, sondern auch sonst in der Litteratur keinen Anhaltspunkt findet. S. 166: „Die Leidtragenden dürfen (während der 7 Trauertage) kein Fleisch essen.“ Das ist nicht der Fall, vielmehr ist der Fleischgenuss schon nach der Beerdigung gestattet. (S. Joce Dea 378, 8.) S. 169 Anm. 1 wird mit Bezug auf Deuteron 14, 21 gesagt: „Die inhumane Anschauung lautet hier: Ihr sollt, kein Aus essen; dem Fremdlinge in deiner Mitte magst du es geben, dass er es esse, oder verkaufe es einem Fremden.“ . Inhuman wäre dies, wenn dabei gesagt wäre, ohne ihm mitzutlieilen, dass es Aas ist. Bedenkt man aber, dass unter Xebela, was hier mit Aas übersetzt ist, jedes nicht nach Vorschrift geschlachtete Thier zu verstehen ist. so er- 1 kennt man sofort, dass von Inhumanität nicht die- Rede sein kann. S. 214 f. werden die Samaritaner ethnisch zu den Juden gerechnet und heisst es dann weiter: „Ihre Trennung von ihren Stammesgenossen fand zur Zeit Esra’s statt, als ein Enkel des von Esra vertriebenen Hohepriesters Eljaschib. Menasse mit Namen, auf dem Berge Garizim einen eigenen Tempel, im Gegensätze zu dem Jerusalemer Heiligthum, erbaute. Der Grund zu dieser Trennung lag in der Purification Esra’s, der die fremdenFrauen, welche die in Palästina während des Exils zurückgebliebenen Juden genommen, auszutreiben befahl. Derjenige Theil, welchem die |eingegangeneu Ehen höher standen, als des Puritaners rauhes Eingreifen und der daher Esra nicht gehorchte, wandte sich nach Samaria u. s. w.“ Woher der Yer-