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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1882-11-29 · No. 48. (29.11.1882) · p. Seite 190

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 48. (29.11.1882)
Date
1882-11-29
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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zu schreiben. Aber icb möchte ihn nur nach gewissen, £ fast anssohliesslioh von Christen bewohnten Vierteln der Gressstädte Europa’8 schicken, damit er dieselben mit seiner feinen Nase prüfe nnd sich überzeuge, dass die Unsauberkeit der Juden keineswegs ihre Hartnäckigkeit entschuldigt, mit der sie sich von der „Mischung* femhalten. Ich habe übrigens in der Josephstadt Prags, auf, welche der Verfasser u. A. sich beruft, keine übleren Gerüche als in dieser Stadt überhaupt gefunden. Wenn die Juden ferner die duftenden Laachfrüchte lieben, so ist ihnen andrerseits der-sit venia verbo-Geetank, den man haut-goüt nennt, ob natürlich oder künstlich hergestellt, ein Gräuel und Ekel. — Doch es ist mir hier nicht sowohl darum zu thun, für die durchschnittliche Sauberkeit nnd den guten Geschmack der Juden eine Lanze zu brechen, als vielmehr dem Buche des Herrn Andree die wissenschaftliche Maske abzunehmen und dessen wahre, tendenzverzerrte Züge aufzuweisen. Doch sehen wir uns einmal die „ Mischung“, welche der Verfasser als das einzige Mittel zur Lösung der „Jadenfrage“ empfiehlt, etwas näher an. Er sagt zwar: „Wie die Spanier haben auch die Portugiesen jüdisohe Beimischung erlitten*! (S. 57), und nennt somit die Verheirathung zwischen Juden und Nichtjuden ein Erleiden“, was sie also gewiss nicht freiwillig, sondern höchstens gezwungen über sich ergehen lassen würden und doch heiBet es drei Seiten weiter (S. 60 £): „Im Verhalten der Juden gegenüber der Mischung liegt meiner Ansicht das Wesentliche alles dessen, was man früher als Judenhass,, heute als Judenfrage zusammenfasst.* — Zunächst constatiren wir das dem Verfasser vielleicht unbewusst'entschlüpfte Geständniss, dass Judenfrage und Judenhass identische Begriffe -sind 7 dass was heute als Judenfrage auftritt, dejc concentrirte Judenhass vergangener Jahrhunderte ist und dass in diese Categorie also auch das Buch des Herrn R. Andree „Zur Volkskunde der Juden“ gehört. Sodann wenden wir una wieder seiner Panaoee, der Mischung, zn. Ich weise nicht, ob der Verfasser auf-dem Standpunkt der „reinen Civilehe“ oder auf dem des Herrn Elisee Bedas steht, der kürzlich zwei Töchter verheirathet hatohne den Geistlichen oder den Maire damit zn behelligen* sondern auf Wunsch der betreffenden Paare selbst eine erbauliche Ansprache an dieselben hielt und in stricteeter Auffassung des römischen Beehtssatzes: „consensus famt nuptias* die Ehe für geschlossen erklärte. In diesem Falle könnte freilich" die Vermischung ohne Glaubenswechsel durch Verheirathung vor dem Standeeamte oder auch ohne; .dasselbe stattfinden, und es könnte ja auch sein, dass die Producta dieser Mischung bei den Elementen der Mischung in gleicher Zahl zufielen, obgleich wir überzeugt sind, dass aus der Mischung ein Drittes hervorgehen würde, das weder das Eine noch das Andere ist. — Da indessen weder Juden noch Christen in. ihrer Majorität diesen Standpunkt theilen, Mischehen zwischen Juden pnd Christen — vön verschwindenden Ausnahmen bei ersteren abgesehen — weder von der Kirche noch von der Synagoge eingesegnet werden, und selbst eine Baronesse Bothschild mit ihren Millionen, wenn sie eine Mischung im Sinne des Verfassers vornehmen will, vorher ihren Glauben aufgeben muss, so läuft die votf demselben empfohlene Lösung der Jadenfrage in der That auf dasselbe wie der Judenhass und auf das, was Stöcker und Consorten predigen, hinaus: „Ja, wann die Jaden sich taafen lassen, dann gehören sie zu uns, dann sind sie unsere Brüder!“ Man sieht hier wieder, dass der mit dem grössten Aufwand von Mühe und erheuchelter Wissenschaftlichkeit angestellte Versuch, die Judenfrage zu einer Racefrage zu stempeln, an der inneren Unwalirheit scheitern muss und wie der religiöse Character der Frage wider den Willen der Urheber immer wieder hervorbrioht. — Wir sagen: „der religiöse Character*, insofern die Beligion in der **Form des Bekenntnisses zum Deckmantel des Vorurtheils und der Intoleranz missbraucht wird, und selbst da, wo andere Motive vorgeschoben werden, der unbewusste Hintergrund des Gedankens ist. — Dasselbe gilt von einer Bemerkung des Verfassers zu dem Satze aus Ludwig Geiger’s Geschiohte der Juden in Berlin: „Die deutsche Sprache näherte den Juden dem Volksgenossen“: „Nicht gebrochen aber konnte werden, was an erblichem Geist durch fortgesetzte Inzucht und ungetrübt durch Mischung immanent im Jaden steckt; das erhielt sich und bildet eine Scheidewand so gut wie der physische Habitus noch heute. Darum können die Juden, sofern sie Deutsche sein wollen, mit dem der Mineralogie entlehnten Ausdruck „pseudomorph“ bezeichnet werden.“ Diese für ein wissenschaftlich sein wollendes Bach mindestens seltsame Vermischung von Nationalität, Race, Religion ist in der Schrift des Herrn A. nicht selten und darum wollen wir das „Deutsch sein wollen“ der Jaden nicht weiter beachten. Zum^Glück ist dieses Wollen von Herrn R. A. nicht abhängig und die Jaden haben bewiesen, dass sie Deutsche sind. Aber weiss denn der so sehr gelehrte Verfasser, der in allen Gebieten der Naturwissenschaft heimisch ist und die Jaden bald allophyl, bald pseudomorph zu nennen vermag, nicht, dass es neben den Umhüüungs- und Umwandluugsauch Verdrängungspseudomorphosen giebt, bei welohen das ursprüngliche Mineral völlig weggeführt und durch ein anderes ersetzt wird. Auch die von ihm empfohlene Mischung würde ja, selbst wenn sie immer zu Gunsten des nichtjüdischen Elemente ausfiele, was durchaus nicht nothwendig der Fall sein muss, doch nur eine Verdrängung8pseudomorphose ergeben und also noch immer pseudomorph sein. — Bei allen solchen Verwandlungs- und Verdrängnngsbildungen ist aber bekanntermassen das Wasser der Träger der zu- und Weggefährten Stoffe, und dass Wasser, nämlich der heil. Taufe, [meint wohl auch der Verfasser, wenn er so viel von Mischung spricht. (Schluss folgt) MaMÜMM

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