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Das jüdische Literaturblatt · 1882-11-08 · No. 45. (8.11.1882) · p. Seite 179

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 45. (8.11.1882)
Date
1882-11-08
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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•־■-* .*יי —•׳IT» bewiebMt _die Erziehung rar Humanität{ als das za .erreiohendsüZiel der Erziehung für den iünzelnen and für die Gesatnmtheit. Das weibliche Geschlecht sei berufen, ia diesem Sinne seine Erziehnngaaafgabe ia der Familie aafsuaehmen. i Der «weite Voiirag von 8. 31—48 hat die ge• scbichtlicbe Entwicklung der Erziehungsprinzipien von Rousseau bis Fröbel zum Gegenstand, pse lichtvolle Darstellung wird auch hier den Leser erfreuen. Das Resultat*'dieses grossen Gerchichtsgangeis gipfelt bei ihr 8. 38 in dem Satz**: ״Den Weg zu besehreiten, der vom Ausgangspunkte des Naturmenschen bis zum humanen führt, ist Aufgabe der Cultaf für die Geaammtheit wid־ Aufgabe der Erziehung für den F.in• zelnen.“ Uich zog besonders 8. 35 an: ״Dass die Culturvölker den Naturzustand niemals verlassen, sondern ihn nur ▼eredlen, durchgeistigen können(.“ Ebenso S. 49: ״Dass wahrhafte, echte Bild nag nicht in der Verleugnung der Naturbedingungen, sondern in ihrer Vergeistiguog bestehe.“ 8. 37: ״Der Naturmensch und der humane Mensch stehen einander vielfach nahe.“ — Rousseau'* Naturmensch und Lessi11g’8{ Nathan sind nicht nur Genossen fast eia und derselben Zeit, sie stehen einander naher als der Franzose ׳ und Deutsche unserer Zeit.‘* Viel Wahres hat die Parallele zwischen Rousseau und Fröbel 8. 48: ״Gleich Rousseau ging er auf die allerersten Stadien der Kindheit zurüdk. Leiden ist der Anfang de* kindlichen Lebens, der Anfang der Erziehung.“ Am Schlüsse ist ein Anhang beigpfiigr, der die Motive und Lehrpläne der Anstalten der Verfasserin enthält. Möge das Buch sich der weitesten Verbreitung erfreaen; es ist werth, in jedem;Haus« gelesen und beachte! zu werden. ür. H. Von einer Iktme — Nichtisraelitin - der wir das Buch zur aufmerksamen Lectüre empföhlen, erhielten wii* folgende interessante Be&rtlieilung desselben: ״Ihrem Wunsche gemäss habe ich das Buch aufmerksam gelesen und bin Ihnen wirklich dankbar, mir zu seiner Bekanntschalt verholfcn Zu haben. Nachstehende Randbemerkungen bitte ich, nicht als ein fertiges Urtheil anzusehen, sondern als die uugeschminkte Wiedergabe der Eindrücke, welche ich beim Lesen des Buches empfand. ׳ Bis zu Seite 14 möchte ich das Buch einem Kuchen vergleichen, zu dem die Köchin lauter vorzügliche Znthaten genommen, den sie auch mit vielem Fleisse gerührt hat, der aber, wenn er gebacken vor uns steht, anstatt eine leichte, angenehme, nahrhafte Speise zu sein, etwas schwer verdaulich geworden ist. Ich gestehe auf der 37. Seite kaum zu wissen, wohin eigentlich die Verfasserin mit uns will; sie sagt eine Menge guter Wahrheiten, aber dön leitenden Faden, der all diese Wahrheiten verbindet, vermisse ich. Ihre Sätze erscheinen ntir mitunter wie ein 8chöncs Bild, das ein Kind in verschiedene Stücke gerissen und nachher willkürlich wieJer zusaannenFtellt. Nach einiger Ueberlegung findet inan wohl zusammen, was das Bild vorstellt, aber der wahre, unmittelbare Ge nuss ist gestört. In dem Buche ist viel Weisheit, und die Verfassenn hat das grosse Verdienst, uns. Frauen, die so selten das Glück haben Kant, Rousseau, Pestalozzi, Froebel kennen zu lernen, das für uns Verständliche ibrer Lehren vorzuführen. Seite 42 und 43 haben mir ganz besonders gut gefallen. Die Sprache ist von da ab natürlicher uud!besäender. brau Henriette Goldschmidt hat das grosse Verdienst, dem weiblichen Geschlechte den Menschen Fröbel gezeigt und ans an di« grossen Pflichten und Dankbarkeit gegen ihn gemahnt za :haben. ): ׳ >' Es kommt mir mm ersteataale die Last, aas dem Buche ins Italienische zu Übersetzen — aber frei — und nicht alle•. Das 3. Capitel hat mir sehr gut gefallen, die 3praehe ist eiae so andere — dass man kaaat glaubt, es könne dieselbe Verfasserin haben, wie die vorher* gehenden. Doch nar bis Seite 64. 8eite 69—79—82 gefallen mir ausserordentlich. Anch das 4. Capitel erscheint mir vorzüglich, and ich begreife jetzt, dass Frau Goldschmidt sieh einen für Viele so wohlklingenden Namen erworben. ־ Das 5. Capitel ist mir wieder weniger sympatisch, — vielleicht nur, weil ich nicht Mathematik gelernt habe Wenn das Buch für Frauen geschrieben, ist es jedenfalls etwas ל— za schwerfällig. ' י Es könnte eia epochemachendes Werk sein, wenn das viele Gute in demselben ־ in weniger steifer and schwerfälliger Form gegeben wäre. — Aber während unsere modernen Gelehrten rieh heutzutage grosse Mübe geben, das Resultat ihrer Forschungen in einer Sprache wiederzugeben, die es Anderen ermöglicht, das tiewonnene mit möglichst wenig Anstrengung za gemessen, scheint Frau Henriette Goldscbmidt nach das an sich leicht Verständliche in eine möglichst ge* lehrte Form zu giessen, welche ihr vielleicht durch Ihr vieles 8tudiren älterer Philosophen zar natürlichen geworden, die aber ans andern vom ״schwachen“ Geschlecht das Verständuiss erschwert. Jedenfalls habe iah sehr viel aus dem Buche gelernt und wird es keine aufmerksame Leserin aus der Hand legen, ohne grossen Nutzen davon gehabt za haben. G. Cb.* Auto-Emuncipation. MahnrufanseineStammesgenossen von einem russischen Jaden. Berlin, bei W. 188leib (G. Schuhr), 1882. (Schluss.) Mag auch heu'e in Folge der allgemeinen Weltläge der Kampf weit schwieriger sein, mag auch die ׳ Uebertreibung des Nationalitatsprincips und ^die allgemene Göhriwg der socialen Frage eine. Verhetzung omnium contra otnne* herbeigeführt haben, zu einem Pessimismus der uns zu einem ״Bettlerrolk“ (wie der Verfasser von Aatoeinancipztion sagt! herabwürdigt, — ist doch noch keine Veranlassung. Die mssischeu Juden sind ja heute entsetzlich übet daran und es spricht für das gute Herz des Autors, de• Dr. med. Pinsker aus Odessa, dass ihn das Unglück seiner Stammesgenossen so tief gerührt hat, ihn nicht ruhen noch rasten lässt. Ist die medizinische Diagnose auch dieses Mal zu schwarz ausgefallen, sodass von ihm eine lebensgefährliche Operation als die einzige Ret'ung hingestelU wird, 80 gilt doch gerade ia An* gelegenheiten der Humanität erst recht der Satz: ״Errare humanum est“ uud der vom Verfasser voraasge- *ebene Spott sollte ihn. darum von seinen praktisehen Plänen nicht abschrecken. Eine Asylstation für heimathsflilchtige Juden hat in der That während der geschichtlichen Judenverfolgungen schon immer bestanden. Die portugiesischen Jaden leben tbeilweise uoch heute tu! Asyl. Dass heute bei der hnmer grösser werdenden Uebervölkerung Europa’s und bei der ohnehin grossen normalen Auswanderung transatlantische Nationen eine nationalökonomische Nothwendigkeit sind, ist klar. Wo steckt denn der setnitische Spekulatioasgeist, wenn das grosso jüdische Kapital eine Handelskolonie partout perhorraschtt Die grössten philanthropischen Ereignisse gingen ans •olchen kühnen Projekten hervor und wir wünschen dem t Verfasser von ״Autoemaneipaion“ fder sich ^s. Z. in

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