Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 43. (25.10.1882)
- Date
- 1882-10-25
- Page
- Seite 170 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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der letzte hessische Laodg^afnnd erste Kurfürst (Wilheim I.) ■ein Land anf nnbestimmte Zeit verlassen musste, abergab er sein gesammtes mobiles Vermögen einem Jaden ■or Aufbewahrung and zweckdienlichen Verwaltung. __ Literaturbericht. The BcWev Review pnbliched by the Rabbinical Litterary Association of America. Volume IL Numher L Bloch 4t Co. Cincinnati. . ' Dieses Heft der ,Hebräischen Rundschau" der literarischen Vereinigung ▼on Rabbinen enthalt 1) eine am 10. Juli a. p. zur Eröffiaung der 2. Jahresversammlung gehaltenen Rede des Dr. Max Lilienthal, 2) die Ueber• setzang eines von der Revue 'des Etüde« Jaires gebrachten Vortrags, den Jos. Halevy von der Akademie des Inscriptions et Beiles Lettres zu Paris am 25. Juni 1880 gehalten hat, 3) einen auf der Rabbinerversammlang za Chicago gehaltenen Vortrag des Dr. B. Felseathal über die Wissenschaft des Judenthams, ihr Wesen nnd ihre Abtheilungen, 4) zwei Hittheilangen von Jellmek und Derenbourg and 5) einen vom 8ekretariat abgefassten Bericht aber die Verhandlungen der 1 regelmteigen Rabbiner Versammlung Ameriita’s. Die erste Rede, von dem inzwischen verstorbenen Dr. Lienthal, begrtet die Mitglieder der Versammlnng auf dem Boden, der an Reformen gewöhnt ist, wo der Begriff שע ישראל» wegen Verletzung von Ceremonien vollständig unbeachtet ist. Trotzdem sei bei den Gemeiadea die Neigung za weiteren Reformen ziemlich erschöpft aad ein lethargischer Stillstand eingetreten. Einem solchen dürften sieh aber die Führer Israels nicht hingebea nnd darum sei der Weg zu neuer Thätigkeit durch wissenschaftliche Belebung za . bahnen. Die Werke der alten Literatar genagten nicht, die talmadische Periode eine dialektische Fechterschule, die spanische in ihrer Abhängigkeit vom alten Glaaben, die dankten Zeiten von Aseberi bis J. Karo, dies Alles habe nur noeb antiquarisches Interesse, es müsse eine neue Literatur geschaffen werden — Urim wetumim, und diese Aufgabe habe diese Rabbiner-Vereinigang — mitihrer Vierteljahrsschrift. Ihre Aufgabe besteht darin, die besten deutschen, französischen Werke aber jüdische 8pracbe und Literator ins Englische zu übertragen. Za dem Zwecke sehlägt Redner erstens Preisarbeitea aad nicht einjährige, sondern zweijährige Versammlungen vor. — Diese Rede., hat nur einen subjectiv&n Charakter nnd ist dumm für uns kein Gegenstand wissenschaftlicher Kritik. ln dem 2. Artikel Über die Zeit des Cyraa und der Wiederkehr aus dem Exil versucht der französisehe Redner naehzaweisen, ^ass Qjrua nicht aus be- •oaderer Liebe zum Jadenthame, sondern aas principieller Ebrerhietaug gegen die Gottheiten fremder Völher, auch gegen den Gott Israel^ sich ehrerbietig gelägt habe, dass er aus w€fien politischen Gründen stllea unterworfenen and deportirtea Völkerschaften die Heimkehr erlaubt und dass aut die der Eroberung Babei» durch Cjros vorangehende Zeit 1 und die der Eroberung selbst sich in chronologischer Reihenfolge Jeremias 51, (9. Jahr des Nabonides), Jesajah 13 (10. Jahr des Nab.), Jeremias 50 (17. Jahr, Monat Tamas), Jesajah 4,14, Psalm 187, Jesajah 44,48 (dies Zeit, Monat Mareheschwan), Psalm 42, 43, 44 (letzte Jahre) «ich beziehen. Ebenso reäeetirten Psälm 42,-44, und 182 dieselbe Zeit. Diese Behauptungen gründen sieh auf die Entzifferung zweier oeaaafgetuodeaer Keilin- Schriften. Aus diesen Inschriften geht deutlich hervor, dass Nabonides, der letzte König Babyloniens 1 den Pietiamos, den Nebakadnezar schon gezeigt hatte, in noch drückenderer Weise pflegte, 80 dass die Juden jenes Martyrium darchzuteiden heften, welches die Geschichte von den 3 Männern wiederspiegelt. Der damaligen Stimmung der Jaden geben die Psalmen 42, 43, 44, die 8teilen in Jesajah 40, 41, 51, 52, 53, 57, 58, 65 Ausdruck. Eis ist richtig, dass die in den Inschriften beschriebenen Ereignisse in den angeführten Propbetenworten angedeutet sind und sich deren Inhalt recht gut auf diese Weise erklärt, doch ist damit die literarhistorische Schwierigkeit ohne Annahme der Prophetie nieht gehoben. Gis liegt aber darin schon eine bedeutende Aufklärung, dass die Prophetenworte durch historische Facta belegt werden, dass die Annahme einer vollständig toleranten Behandlung in der Exilszeit für die Jahre Nabonides nicht zutrifft und die so sagenhaft erscheinenden and als Dichtungen der Makkabäerzeit betrachteten Erzählungen von den Glaubensleiden im Exil nunmehr ihre historische Grundläge finden. Warten wir ruhig die weiteren Korschungen ab und, sowie jetzt wahr wird, was man vor noch nicht so langer Zeit kühn als Legende oder als unamstössliche Wahrheit (wie Parsismus im biblischen Jadenthum; als der Glaube an ein Wiederauferstehen der Todten) befrachtete, so wird auch die fortschreitende Wissen Schaft immer nur neue Bestätigung der Wahrheit unserer (Jeberlieferung bringen. Die Rede des Herrn Dr. Felsenthal zeigt, dass die Wissenschaft des Juden׳, bums nicht nur Religions- Wissenschaft ist, sondern Alles umfasst, was die Geschichte und die gegenwärtigen Beziehungen des jüdisehen Volkes betrifft. Er gibt dann die Unterabtheilangen dieses Begriffes an, den er in specalative, hi- •torische und practische Wissenschaft des Judenthums trennt. Hinsichtlich des letzteren Theiles sagt Redner offen: ,.Im Orient, den östlichen Theilea Europa’s, werden der Schochet, der 30phar, und gewisse andere Personen anter die Religioasdiener gezählt, und die Hilchoth Scbechita u. 8. w. dem praktischen Theile der Wissenschaft des Judenthums zugereebnet werden. — Aber für uns in Amerika, oder wenigstens für den grössten Tbeil der amerikanischen Juden, gehören diese Zweige des Wissens zur jüdischen-A rchäologie, und desshalb zum historischen Theile." Nun, dies Bekenntniss ist offen, es kennzeichnet den Redner und die Versammlung, die solches mit Beifall begrüsst und — als Wissenschaft *— druckt und verbleitet. 8ie mögen sicher sein die Herrn, ihr Judenthum wird einstmuls vergessen sein und kein Archäologe wird es der Mühe für werth halten, solche Subjectivitäten zu beleuchten — aber die Hilchoth Schechita werden fortdauern and, wie wir hoffen, auch iu Amerika von dem grössten Theile gern und treu beachtet werden. Denn diese Hilchoth legen Zeugniss von dem Glauben an Gott, der Heiligaog des Menschen in seiner Herrschaft über die Thtere und in der Wahl seiner Nabrungsmitiel ab, sie sind ein Zeugniss der Tora und der Tradition und diese als Archäologie zu bezeichnen, bewiese nur, dass für solche Rabbiner selbst die Gottesverehrung auch nur archäologisches Interesse bat Oie Tora wird zwar alt-u. a. G. G. noch älter werden, veraltet worden nur solche Auswüchse wilder rabbiniseber Retormsucht, Das ganze Heft dieser Wissenschaft ichen Revue empfiehlt die Herausgeber weaig und lässt nicht besonders grosse Erwartungen an die Zukunft dieser Revue knüpfen. Wenn sie fortfährt Reden zu bringen, die nur in der Sprache der Geringschätzung unserer Vergangenheit Grosses leisten, dann werden sie