Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 43. (25.10.1882)
- Date
- 1882-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/5367336-6488244-8755996--2198-4855417- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
BTo. 43. Dis m Zar Baleaektaag stier Jaieatkaa mmd )11«■ Mntadai Ulamtwki ImMmp« aal ■ fehlet« *er PkUoeorki•. G4Mhieht«,Xth>«cravhleIThe- •i«rte,01ie1tkll*, Cxeceae, Hc- ■ll«tlk, Lltn|tt,Flta(eflk. Herausgegeben r Meker *ar Wa—MIglgaa U. von tanto, welehe *ar RiÖzett«■ Habbiner Dr. Moritz Kahm er. _ aiMtain wtMaa.-'mOM'Bi CawlIhlUSHilLlaiwW -1— ■n• —<-;—- aag. BaUlaaaaiaag vaa ■ » I Magdeburg, SS. October 1888. aaah Krwkka.L*.1*Mh(SMha Da» .JftdlMbe I4t0rotwMat4M erscheint wöchentlich in einem halben Bonn; Preis bei •Uen BaohhaaSm•*• 0ä. Leipiig bei Robert Frieee)pro J ahrgangs8 Hk. Abonnenten der ״Iireeliüachen Wochenschrift* (die vierteljihri. bei *llenPoatsaetaHaa and Buchhandlungen 9 Mk. kostet) erhalten das ״Jftdische Literatarblatt* gratis. —!■serate werden mit >5 PC für die dreifaspaltene PeÜUeile berechnet and aassehüesslieh entgegengenommen durch die Central-Annoneen-RxpeditiOn ▼on O. L. DnaJM Je Co., Frankfart a. M., Magdeburg, Perlin, Hamburg, Cöln, Hünchen, Zllrioh, Wien, Paris. 1 m Is m I *1 Wissenschaftliche Aufsätze: Die Hofpredigerpartei and die Jaden unter Landgraf Philipp von Hessen. (Schloss.) Literatarbericht: Kecensionen: The Hebrew Review pabliched by the Rabbinical Litlerary Association of America. — Sondheimer, H. Geschichtlicher Religionsunterricht. Notizen. NaoMrsck aar ■H voller QaeUeeaafahe ■eatattat. Die Hofpredigerpartei und die Jaden aller Lssägraf Philipp tob lessea. (Schluss.) Gegen diese Rathschläge der Hofpredigerpartei machte der Landgraf geltend, daas sich die Juden, wenn nach ihnen verfahren werden sollte, gar nicht behaupten könnten, und dass es dann besser wäre, ihneu mit dürren Worten zu sagen, ״dass sie hinwegzdgen!“ Er weiss aber aach — nicht minder bibelfest, als die Theologen — sein Bedenken gegen ihr Gutachten aus der h. Sehrift zu begründen. Er kann nicht finden, dass man die Juden 86 hart halten solle, wie der Gelehrten Rathschlag verlangt. ״Denn es ist ja ein herrlich Geschlecht, aus welchem auch Christus, unser Seliguiacher, nach dem Fleisch geboren ist. So sind (auch) die Aposteln aus solchem Geschlecht herkommen, welchem Geschlecht auch vertrauet ist, was Gott geredet hat. So spricht St. Paulus zum Römern am 11. Kap. (wie denn sie, die1 Gelehrten, solchen Spruch selbst in ihrem Rathschlag Anziehen): hat denn Gott sein Volk verstossen, welches er zuvor versehn hat. Es ist aach uss ihrem Fall den Heiden widerfahren. Ob aber etliche von den Zweigen gebrochen sein — folgt in extenso citirt Röai. 11,17 ff. Darauf noch andere Schriftsteller, denen der Landgraf den Sinn seiner mildern Deutung unterlegen möchte, unter a. Luc. 21,32: dieses Geschlecht wird nicht vergehen, Deut. 10,18: Gott hat die Premldlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gebe. Darum sollt ihr auch die Fremdlinge lieben, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Egyptenland — geht auf die Juden, aber ruft uns Christen nicht dieser Spruch umso nöthiger.* Jedenfalls sollet! die Juden nicht mit andern Ungläubigen aaf eine Linie gestellt werden: ״sie sind umb der Väter willen zu lieben vor;andern Ungläubigen, ob siewol noch dein Evangelio feind seien.* Dieses Schreiben des Landgrafen an seine Prediger war den Jaden bekannt geworden. Sie beeilten sich, es zugleich 'mit dem Gutachten zum Rahme ihres frommen und toleranten (!) Land^sfUrsten za veröffentliehen. 'Am meisten erbitterte sijB, dass man sie zum Stand der geringsten Lohnarbeiter herabdröcken wolle, ifcdi; «sä und der Vorwurf, dass sie sich kein Gewissen daraus machten, die Christen zu betrügen, weil ihnen ihr Gesetz das erlaube. Eine Broschüre Bucer's vom Jaiure. 1539 sucht das Gutachten der Prediger — beziehungsweise sein etgnnes — zu rechtfertigen, and gleiche? Tendenz! ist dassen Brief an den Landgrafen. (Lens,Public, S. 56), Er wendet sich gegen die fürstliehe Exegese der gn gunsten der Jaden citirten Schriftstellen. Dass es sa den härtesten Maassnahmen, welche Bauer and die Hoftheologen als Pflicht christlicher Obrigkeit aas der h. 8chrift zu erweisen suchten, nicht kam, verdankt■) die hessischen Jaden lediglich dem milderen Sinne and wohl aach in etwas der staatsmännischen Klugheit däs Landgrafen. /' Unter den Nachfolgern -Philipps galt die Juden- Ordnung von 1539 als Gesetz; doch war die Handbabung desselben in den verschiedenen Landestbeileu '^j eine verschiedene, Landgraf Wilhelm von Niederhessen rechtfertigte seinen Beinamen, der Weise,!*unter an derem damit, dass er gegen die Juden möglichst tolerant war. Er forderte gelegentlich seinen Bruder Ludwig von Oberhessen aaf, ein Buch, das geeignet schien^*(; ״den Hass des gemeinen Volkes gegen die Juden sa steigern, sofort zu unterdrücken.“ Derselbe Ludwig war hiegegen anderer Ansicht; and hoch mehr der Laed-jt graf Georg von Katzenelnbogen, 'der vierte!Sohn Phi-_.v lipps. Beide brandschatzten die Jaden auf jedmöglinhejjt Weise. Noch schlimmer erging es denselben itn 17,*'*׳ Jahrhundert, ״der zunehmende Eifer für die Orthodn-־ xie“, bemerkt Heppe richtig (II 188) ״machte stetr.^ durch besondere Strenge und Härte gegen Judan^j bemerklich*. Das die Austreibung der Juden betraf- *־ fende Gesetz Georgs II., das ganz die Mohre der Hoftheologen vom Jahre 1538 für sich geltend machte, kam zwar nicht zur Ausführung; aber es wurde■ daAUf eine neue, noch weit härtere Judenordnung erlassen, ln einer Verordnung vom Jahre 1639 wurde vor jeder Berührung mit dem ״verpfluohteu Judentbum* gewarnt, und den Juden bei 50 Thlr.; Strafe verboten, sieh fernerhin am Sabbat von Christen Dienste leisten zu lassen. In dieselbe Zeit der reinen Lehre, im lutherischen Theile Hessens, fällt die charttcteristisChe Geriet« Mitte, bei def Eidesleistung׳ eines- Juden je eia Fenster auszuheben, damit, wenn der Töafel den Memerdigea etwa sogleich *hole; das Fenster unversehrt■ bleibe. Wesentlich gebessert haben stob die Verhältnisse der hessischen Jüdett erst, als fest gleichzeitig überall die Macht der Orthodoxie ab- und die'eittor humatign Sinnesweise nach dem Zeitalter der Aufklärung <AAd’ der französischen Revolution im Volke annahm. Als י ז‘ .׳׳ •■':•־.,ד