Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 37. (13.9.1882)
- Date
- 1882-09-13
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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8er ziemlich scharf gegen den Rabbinijsmus zu Felde zog und dadurch fromme GemOther tief Verletzte. Luzzatto ist nun gleich gegen den deutschen Historiker Feuer und Flammen, während Rappoport, obwohl auch er den von jenem eingeschlagenen Weg durchaus missbilligt, doch nicht gleich übet: ihn den Stab brechen will, weil er auch in ihm Liepe zum Judenthume wahrgenommen habe, und es durch seine milde Beurtheilung nimmer mehr dahinbringt,! dass Luzzatto ihn selber mit misstrauischem Blicke betrachtet und> sich zuletzt gar verbittet, von ihm poch fernerhin Freund genannt zu werden.*) Aber wir sehen hier auch, wie grosse Geister auf den Höhen der Wissenschaft sich doch immer wieder zusammenfinden. Die eingetretene Erkaltung der Freundschaft hält sie doch nicht zurück, einander wissenschaftlich« Ansichten mitzutheilen, Abschriften aus Bibliotheken sich zu erbitten und zu besorgen, und es ist in derThatzu bewundern, wie Rappoport, nachdem er bemerkt, dass Luzzatto in der ihm besorgten Abschrift von R. Hai’s Sinngedicht מום1 השכל nn deu Rand däs Verses: ,So sich Deinem Feinde Dein Freund zugesellt, so drohe ihm und lasse ihn nicht kommen in ])einen Rath/ *) Die verletzende Bemerkung ,z. B. Rappoport mit Jost“ (כנץ שי״ר עם יאסט) zugeschrieben patte, wie er trotzdem, gleich nachdem er jenem darüber Vorwürfe gemacht, ihm in demselben Athemzuge einige verbesserte Lesearten mittheilt, die er in dieser Schrift vorgenommen. Das gemeinsame, von inniger Liebe zur jüdisehen Vergangenheit getragene wissenschaftliche Streben konnte die Entfremdung zu keiner Dauernden werden lassen. Obwohl Rappoport duifch die erwähnte Randbemerkung auf das Tiefste verlebst war und darin eine deutliche Kündigung der Freundschaft von Seiten Luzzatto's erblicken musste, — und tnau bedenke wohl, das Alles, weil er einen im fernen Deutschland wohnenden Mann gegen zu leidenschaftliche Ausfälle in Schutz genommen! — so liess es ihm dennoch nicht lange Ruhe, er will noch einmal versuchen, den hitzigen Italiener zu toleranteren Anschauungen zu bekeliren, und es treibt ihn mit unwiderstehlicher Gewalt, uoch einmal — vielleicht, wie er sagt, das letzte Mal, denn die Cholera wüthe in seiner Vaterstadt Lemberg und habe schon Tausende fortgerafft ׳— Zeughiss abzulegen von seiner unerschütterlichen Ueberzeugung, dass Niemand wegen seiner abweichenden Meinungen gehasst und geschmäht werden dürfe, und dieses mit schlagenden Beweisen aus der Lehre und Geschichte seines Volkes zu belegen.') Damit ist die Annäherung wieder angebahnt, ein späterer, der letzte der veröffentlichten Briefe, ist dazu bestimmt, den letzten Rest der Misshelligkeiten wegzuräumen, die Freundschaft erscheint erneuert, und wir dürfen uns nun wohl der Hoffnung hingeben, dass sie in den noch folgenden, später zu veröffentlichenden Briefen kein« Lockerung mehr erfahren werde. (Schluss folgt.) , Collectanea. i Von Dr. Krön er, Rabb. in Brandtnburg. I. Zn■ libelceMenUr Ruchl’s. Dieser Commentar bedient sich beim Hinweis auf dasTargum oft der Ausdrücke ,כתרגומת המתרגם וב. deren jeder consequent die Stellungnahme Raschi’s zum Targum charakterisirt. Dies hat Supercbmmentatoren Anlass gegeben, sogen. כללי רש״י zusammenzustellen. Befremdlicherweise sind jedoch dort die Fälle entweder gar nicht berücksichtigt oder irrig aufgefasst, wo Raschi das Targum ohne Vorbemerkung lässt. *J p. 43 *) P. 42. ואם יתרע באויב/ ידידך, גער בו אל תביאהו ב0ודך. •) p. 43 f. } יי ' Dabin gehört z. B. der Commentar zu 1. M. 18, 4: 21, 2; 3. M. 22, 25. Besprechen wir denselben und stellen den daraus sich ergebenden כלל fest. 1) Die Worte 1. M. 18, 4 . תחת העץ commentirt Raschi mittels des Targum ohne jede weitere Bernerkung: תחות אילנא unter dem Baume. Ebe.nso werden jedoch auch jene Worte des hebr. Textes allgemein und unbestritten aufgefasst. Unbestritten, aber nicht unbestreitbar, meint Raschi; denn das hebr. לץ kann bedeuten: 1. Baum, 2. Holz, 3. Galgen, für welche drei Begriffe der Chaldäer drei besondere Ausdrücke hat: 1. צליב .3 ,אע .2 ,אילן; nach Raschi will aber die Thora hier die fürsorgliche Gastfreundschaft des Patriarcheo gegen die Wanderer auch in der Hinsicht hervorheben, dass er, auf einen behaglichen Raheplatz für sie Bedacht nehmend, sie eingeladen habe, anter dem schattigen Baume vdr seinem Hause von den Muhsalen der Reise sich zu erholen — nicht etwa ihnen einen beliebigen, minder angemesrenen Ruheplatz angewiesen habe. Demgemäss commentirt Raschi: תחות אילנא• (Cfr. שפתי חכמים z. St., wo das Riehtige geahnt, aber nicht befriedigend erörtert wird.) 2) In der Stelle I. M. 21, 2: אל׳ wm לסועד אשר דבר kann אתו als Präposition mit Suffix angesehen und durch «mit ihm* übersetzt werden, wie Jos. 14, 12: אולי ד׳ א11י vielleicht ist der Ewige mit mir; 4. M. 26, 3: ־= וידבר אתם er redete m i t ihnen, vergl. 1. M. 17, 22: לדבר אתו. Die erst« Pentateuchstelle (1. M. 21, 2) würde demnach zu übertragen sein: zu der Zeit, da Gott m i t ihm geredet hatte. Es kann jedoch 1את auch als Accus ati vpar t i ke 1 mit Saffix angesehen, אשר als Relations-Nota mit 1את zusammengefaast und אשר־אתו auf סועד den Zeitpunkt, welchen Gott verkündet hatte, bezogen werden. Hinsichtlich der Wortfügung wäre dann zu vergleichen: וידבר משזת את סועדי ד'. Da nun der Chaldäer Accusativpartikel und Gemein9chaftpräp08ition schärfer ats/^r Hebräer; und zwar durch ית und עם, besthnijil^u'nd Raschi Vfo* objectiviscli auffasst und in dem Passus die genaue Vorherverkündigung de;8 Zeitpunktes — nicht das Verhältniss der liemeioschaft mit. Abraham — sieht, so commentirt er durch das targamische .ידםלל יתיר nicht עםיה> und fügt erläuternd hinzu: את המועד דבר וקבע וב׳• (Cfr. שפתי חבט׳ z. 81ד wo ans die Bemerkung, דבר werde sonst nie mit סועד verbunden, Angesichts 3. M. 23, 24 überrascht.) 3) Das Wort סשחתם kommt zweimal vor: 2. M. 40, 15, wo es von משח, und 3. M. 22, 25, wo es von שחת abzuleiten ist. Dieses סשחתם erklärt Rachi durch das targumische חבולהץ, jenes heisst targumisch ־.רבוחהון Diese, und zahlreiche ähnliche Beispiele erweisen, dass Raschi oft ein mehrdeutiges hebr. Bibelwort das der Chaldäer durch verschiedene Vocabeln deter-> minirt, mittels des bezüglichen eindeutigen Türgumausdrucks erklärt, und in diesem Falle das Targum ohne Vorbemerkung lässt. * Literaturbericht lueuiun. Eine neue Biagraphie ftaschi's, besprochen von Dr. Karo. (Schluss von Nr. 32.) Durchaus selbstständig aber ist Raschi in der Beurtheilung einer Materie, die noch in neuester Zeit den Streitpunkt gelehrter Männer ausmachte über הלכה למשה ספני• Ini Allgemeinen gelten ihm als הל״ם Gesetznormen, die weder durch den Wortlaut der heiligen Schrift, noch durch Deutungsregaln oder Verstandes* h. , ■ r - . -־%