Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 37. (13.9.1882)
- Date
- 1882-09-13
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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dies. Bl. in das mir als Hochseitsgabe ▼erehrte Exemplar geschrieben: ,Wm der Künstler geeehöpft •ns altjMischein Leben, Wes der Dichter mit herrlichem Krens umgeben, Des möge vorbildlich Bach stets umschweben: Verklärend des eigene Familienleben.* * l)r. M. R. Rappoport und Luzzatto. Mit besonderer Vorliebe bat man in neuerer Zeit die Briefe berühmter Männer aas dem Dankei hervorgesucht and an das Licht der Oeffentlichkeit gebracht. Was ist aach natürlicher, als dass man Männer, deren Öffentliches Wirken Bewunderung und •Verehrung einflOsst, aach in ihrem privaten Leben, in der Art, wie sie sich einem vertrauteren Kreise geben, gern belausehen möchte! Derartige Briefe bringen uns die bedeutenden Persönlichkeiten menschlich näher and gewähren uns in der Regel einen tieferen Einblick in ihr ganzes Wesen and ihre Charaklereigenthümlichkeiten, als er aas ihren für die Oeffentlichkeit bestimmten Leistangen gewonnen werden kann. Diese Wahrnehmang wird sich wohl Jedem aafdrängen, -der die vor einiger Zeit erschienenen Briefe Rappoports an Luzzatto einer Durchsicht unterwirft. Wären dieselben in einer modernen Sprache geschrieben und so auch dem des Hebräischen unkundigen Publikum zugänglich, 80 würden auch Laien mit grossem Interesse. sie lesen können und alsdann sehen, dass sie gewiss nicht minder lesensweith sind, als viele andere in neuerer Zeit erschienene Briefsammlangen. Von den 55 in den Besitz des Herrn Halberstamm, des fleissigen Sammlers jüdischer Raritäten, übergegangenen zwischen 1829 bis 1860 geschriebenen Briefen Rappoports an Luzzatto, sind bis jetzt nur die sechs ersten aus den Jahren 1829—1831 durch I)r. A. ״Harkavy in Petersburg ver- Offentlicht worden,1) aber auch schog diese wenigen bieten uns einen unschätzbaren Beitrag zur ״Beurtheilung dieser beiden Koryphäen der modernen'jüdischen Wissenschaft. Dass nicht nuch die zwischen den einzelnen Rappoport’schen Briefen liegenden Briefe Luzzatto's veröffentlicht werden konnten, ist allerdings eine bedauerliche Lücke, welche uns der Möglichkeit beraabt, diese Persönlichkeit in ebenso klaren und deutliehen Umrissen, als jene, vor uns zu sehen.1) Aber, da wenigstens ihr Inhalt aus den. Antworten Rappoports entnommen werden kann und durch diese eine eingehende Beleachtang erfährt, so ist uns doch immerhin em gewisser, wenn anch vielleicht nur schwacher und nicht genug eindringender Blick in die Gedankennnd Gefühlswelt nach dieses Mannes verstattet. Die Correspondenz hat nan freilich nur den Zweck, einen Gedankenaustausch auf geistigem Gebiete, — die berühmten Rappoport’schen Biographien und des Luzzatto Schrift überOnkelos geben ja dazu Reichlich Anregung ') Literarisch« Conespondenz neurer jadk scher Gelehrten nebet Anmerkangen and Einleitung, heraaagegeben ron Dr. A. Herkavy. Ente• Heft. Briefe de• Obenabbiners *a Prag 'S. L. Bappoport an 8. I). Laziatto (1829—1860). Hebet einigen Anmerkangen von 8. }. Haltifntamm in Uiehts. 8t Petersburg n. Leipzig 1881. *) Diese LSeke wird soeben durch die hingehende Pietät des Sohnes des sek 8. D. Lnzzatto, des Professors .Dr. Jsajas Lai- ■ a11o, nnd durch den sorgfältigen Fleiss des Herrn Eisig G r 6 - ber in Przemysle in trefflichster Weise ansgefflllt Letzter giebt die vom Enteren gesammelten hebr. Briefe in guter Ausstattung heran•; zwei Binde sind vor wenigen Wochen bereits erschienen, der sweite enthält n. A. die oben erwähnten Antwortschreiben Lnszatto's ah Rappoport. Herr Prof, Dr. D. Kaufmann leitet die Sammlung mit einem •ehr schön geschriebenen hebr. Vorwort ein. Die ganze Sammlung wird 6 Binde amfassen zum billigen Preise voa i 3 M. 40 PL — Wir kommen auf den reichen Inhalt die- •er Bände noch «aafährlich xarflek. Bei genügender Unterstützang beabsichtigt Herr Graeber s&mmtlichs Briefe K.'s an L. als Haehtrag sh gsbsn. (Red.) — anzubahnen, and Beiden lag es fern, lediglich freund• schaftliche Briefe an einander zu richten. Und doch liegt die Bedeutung dieser Briefe durchaus nicht in ihrer wissenschaftlichen Seite — denn so hoch auch diese anzaschiagen, so ist doch das hier von Herrn Verfasser Entwickelte auch in seinen späteren gelehrten Schriften ausgeführt worden — sondern in der rein menschlichen, auch dem mit der jüdisehen Literatur nicht Vertrauten verständlichen Seite. Was uns vor Allem interessirt und darum hier auch allein hervorgehoben werden soll, ist nicht, wie zwei Gelehrte ersten Ranges über wissenschaftliche Gegeastände ihre Ansichten aussprechen, sondern wie der Mensch Rappoport und der Mensch Luzzatto einander gegenübertreten und in ihren abweichenden Anschauunge-n den innersten Kern ihres bei Jedem anders gearteten Wesens enthüllen. Denn das ist es, was dem Briefwechsel einen besonderen Reiz verleiht, dass R. und L. durchaus nicht verwandte, sonaern grundverschiedene Naturen sind, die oft sehr scharf auf einauder stossen, aber auch wieder als entgegengesetzte Pole sich anziehen. Luzzatto ist der feurige, leidenschaftliehe Südländer; es ist die Gluth des Südens, die, wie Rappoport ihm selber schreibt,1) seine Seele beherrscht, ihn schnell für alles Gute und Schöne entflammt, aber auch ebenso schnell ihn in Zorne9leidenschaft sich erhitzen lässt gegen Alles, was in seinen Augen schlecht und verderblich ist; grade. 80׳ wie er von glühender Liebe für das Judenthum, und zwar das altüberlieferte, erfüllt ist, grade so hasst er glühend Alle, welche seiner Meinung nach an diesem rütteln, ist er ein erbitterter, keine Milde und Nachsicht kennender Feind der modernen Aufklärer, welche mit. pielätsloeer Kritik au die jüdische Vergangenheit herantreten. Dabei aber regt sich auf der anderen Seite in ihm nicht seifen ein kritischer Geist, der ihn in seinen wissenschaftlichen Forschungen seinen strengen conservativen Grundsätzen auch etwas untreu werden lässt und ihn mit sich seiber in Widersprach bringt; ein feinfühliger Exeget emancipiit. er sich von den Banden der bis dahin als unantastbar geltenden Massora, und versucht es mit kühnen Conjekturen, besinnt sich dann wieder auf seine strengreligiöse Richtung, und zieht, um seine frühere Kühnheit vor sich selber zu rechtfertigen, gewisse, oft sehr willkührliche Grenzen, Uber welche hinaus er der freien Kritik keinen Spielraum mehr gewährt wissen will, und ist über diejenigen erzürnt, welche über dieselben hinausgehen. Das Gegentheil davon ist Rappoport, ein Maun, der auch nicht ein Atom von einem Parteimann in sich hat, gleichfalls streng in seinen religiösen Gesinnungen und Haudlungen, bis auf die äussere Gewandung noch treu bleibend dem alten Herkommen, aber dabei eine 80 milde, sanfte, versöhnliche Natur, dass er auch bei denen, welche seiner Meinung nach verderbliche Wege einschlagen, eine gute und edle Absicht voraussetzt, sie, die Andersgesinnten, gegen Gesinnungsgenossen init einem Eifer in Schutz nehmen kann, der ihn selbst in den Verdacht, ihren Ansichten zuzuneigen, zu bringen vermag. Diese verschiedene Stelluggnahme beider Männer zu der religiösen, zunächst in der Wissenschaft hervortretenden Aufklärerei bei durchaus gleicher GrundanschauuDg hat denn auch, bald, nachdem sie ein inniges Freundschaltsbündniss, welches durch den ersten Brief bezeugt wird, mit einander geschlossen, es zu einer inneren Erkaltung kommen fassen, welche nahe daran war, in einen förmlicheg Bruch überzugehen. Veranlassung hatte dazu die in jfeasr. Zeit erschienene Geschichte der Israeliten von Jost gegeben, in der die- J *) P. 7.