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Das jüdische Literaturblatt · 1882-09-06 · No. 36. (6.9.1882) · p. Seite 143

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 36. (6.9.1882)
Date
1882-09-06
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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— 143 — י! " lieh jj» dem Blute israelitischer Kinder. Dieser Klei* nen Und auch der anderen gemordeten Juden gedachte man bei der Osterfeier und wählte deshalb zu den ״vier Bechern*1 (Arba koesoth), welche •am Anfangsabend au triuken geboten war, gern rothen Wein. Dass Unwissende daraus in der That Blutgenuss gemacht haben, bezeugt der polnische Rabbiner David halevi ben Samuel igeb. etwa 1600) in seinem hochgeschähen Commentare Ture sahab zum Schulchan Aruch, Orach Chajjim, Kap. 472, §. $, uud fordert, dass man diesen Gebrauch wegen der] Lügen, die an ihn geknüpft worden seien, aufgebe, jAuch das Nicht* kennen des zur Heilung der Beschneildungswunde gebrauchten Drachenblutes hat zur Bildung der verkehrten Ansicht, dass die Juden dejs Christenblutes bedürften, Anlass gegeben. Eine ernste Warnung vor dem leichtfertigen Aussprechen so schwerer Anklagen liegt für die Christenheit auch in ihrer eigenen ältesten Geschichte. Die Christen des zweiten und des drittfen Jahrhunderts haben unter derselben Beschuldigung : schwer gelitten. Justinus Martyr muss iu der sog. Zweiten Apologie Kap. 12 seine Glaubensgenossen alho vertheidigen: ״Welcher Vergnügungssüchtige oder j Unmässige und am Essen von Menschenfleisch Gefallet! Findende hiesse wohl den Tod willkommen und böte1 nicht Alles auf, um unbemerkt und möglichst lange seine gewohnte Lebensweise fortzusetzen? Wenn ihjr durch Martern von unseren Sklaven, Frauen und Kindern einzelne Geständnisse erpresst, so sind das ke^ne Beweise unserer Schuld. Nicht wir thun das, fva9 uns zur Last gelegt wird, sondern ihr thut es und noch Schlimmeres thut ihr. Darum brauchten wi(, wenn wir der- ,gleichen thäten, es gar niöht zu leugnen. Wir könnten unsere Zusammenkünfte Mysteriefi des Kronos nennen; wir könnten, wenn wir uns, wie die Rede geht, mit Blut füllten, das für eine Verehrung nach Art der eures Jdpiier Latiaris eralären und wären in euren Augen gerechtfertigt.“ Athenagoras (177) schreibt in seiner an Markus Aurelius gerichteten Fürbitte für die Christen Kap. 3: ״Drei Hauptvorwürfe macht man uns: Gottlosigkeit, thyesteische Mahl|e uud ödipodische Vermischungen. . . . Und doch rühren nicht einmal Thiere Thiere derselben Art an“ und widerlegt dann diese Vorwüife ausführlich (den zweiten in Kap. 35, 36). In dem von Eusebius (Kirchenjgesch. V. 1) erhaltenen!•riefe der Christen zu Lyon und Vienne werden dieselben Beschuldigungen erwähnt. Besonders ausführlich wird Uber das Thema;verhandelt in dem Octavius des Minucius Felix (9. 30) u. Koriholdt: De calunmiis in veteres Christianos c. 18, p, 157 ff. (Kiel 1666). Das heutige Syrien. (Schluss.) Die Einwohner von Siloa, säinmtiich Muslimen, stehen in dem Rufe, besonders räuberich zu sein. Die meisten von ihnen betreiben Ackerbau uüd Viehzucht; viele ernähren sich auch durch den ׳Vierkauf des Wassers au9 den nahegelegenen Quellen, .1das sie in grossen Schläuchen auf Eseln Dach Jerusalem bringen. Die 3 unweit des heutigen Siloa belegenän Quellen, die frei* lieh ihren alten Wasserreichthum hnd damit ihre alte Bedeutung lange eingebüsst habein, sind die Marienquelle, die Siloaquelie und der iHiobsbrunoen. Die eretere,/״ eine intermittirende Quelle, deren Wasser in der Regenzeit 3 bis 5 mal, iin Sdmmer 2, im Herbst aber nqiein einziges mal am Tage strömt, läuft unter der festlichen Wand des Josapliatthales im Innein des Kelsens entlang. Unter einem in den Felsen gehauenen Gewölbe steigt man 30 Stufen bis zum Wasser hinab, das sich in einem 3 bis 4 m. langen- und l‘/, m. breiten Becken sammelt. Ein Abfluss ans demselben führt durch einen roh aasgehauenen Verbindungsgang von 533 m. Länge za der tiefdr gelegenen ■־Siloaquelie. Bei seiner mühevollen, weil an vielen Stellen nur im Kriechen auf allen Tieren auszuführenden Rekognoscirung dieses Ganges entdeckte, Warren ungefähr in der Mitte über demselben einen nach Oben in den Felsen sich öffnenden Schacht; derselbe führte in einen weiten, saalartigen Raam, in dem eine Menge alter Töpfe, 8cherben und Glaslampen erkennen Hessen, dass es zur Zeit der römischen Belagerung wohl flüchtigen Juden als Versteck gedient hatte. Die Siloaquelie, die früher 2 Teiche füllte, sjpeist heute nur noch den einen derselben, den. sogenannten Oberteich.* ״Das Wasser der Qaelle fliesst durch einen Abzugskanal in der südöstlichen Ecke des Teiches aus und verliert sich in den im Thale belegenen Gärten; es ist von wenig angenehmem, nicht immer gleichem Geschmack, bald mehr, bald minder salzig, and wird überdies durch die stets am Teiche unzutreffenden , Wäscherinnen und Gerber oft stark verunreinigt. Binige 100 Schritt weiter nach Süden, an der Stelle, wo das von Westen kommende Hinnomthal in das Thal des Kidron einmündet, befindet sich der 3., der söge- ' nannte Hiobsbrunnen, der, noch'heute verhältnissmä•-, sig wasserreich, höchst selten nur gänzlich versiegt, ,.,ij Das wegen seines Wohlgeschmackes berühmte Wasser- •A3 füllt oft den fast 40 Fuss tiefen, gemauerten Brunnen bis zürn Rande — und strömt dann als Bach das Kidronthal hinab. Die grossen steinernen Tröge zum Tränken des Viehs, die sich neben ihm befinden, stammen augenscheinlich aus sehr alter Zeit.“ Unweit. davon liegt das elende, von der Regierung als Hospital für Aussätzige errichtete Gebäude. Es ist newh nicht gelungen, ein Heilmittel für diese Krankheit zu finden. Hier sind etwa 100, in Ramie 40 und Nabelus 50 solcher Unglücklichen, unter denen sich kein einziger jüdischer Einwohner des Landes befand. Lortet schreibt dies dem Umstande zu, dass diese Krankheit fast ausschliesslich unter der ackerbauenden Bevölkerüng ihre Opfer sucht, zu der die syrischen Jaden heute nur in verschwindend kleinem Theild noch gehören. Etwas Uber ‘/4 Meile Von dem Dorfe 8iIoa liegt in östlicher Richtung das alte Bethanien (vielleicht, weil es Zufluchtsort der Aussätzigen, ״der Armen“,... '״g war, wie sie noch heute vom Volke genannt werden) das heutige El Azarije. 30 km. von Jerusalem etwa, liegt Hebron. ״Zam,•J westlichen, dem Jaffathore hinausreitend, verfolgte manzunächst die in südöstHcher Richtung führende Strasse-^, nach Bethlehem, die zuerst auf beiden Seiten von nie-י|י^ drigen Kornfeldern eingefasst ist, bald aber auf die Väf Hochebene hinaufsteigt, an deren Ende das grosse griechische Kloster Mar Eljäs steht, von herrlichen,' alten Oelbäumen umgeben. Etwas unterhalb des.Klosters, da, wo sich der Weg nach Hebroa von der Bethlehemstrasse abzweigt, liegt ein von den Christen, Mus-V^jf Ihnen und Juden gleich hoch verehrtes Reiligtham‘/^] das sogenannte Grab derRahel, der Gattin Jakob’•. Es ist in seiner heutigen Gestalt ein Weli oder mas* limiscties Heiligengrab, wie es deren in fast jedem Dorfe eines oder -mehrere giebt; auch der im Innern befindliche Sarkophag ist nicht bemerkenswerth; er besteht aus einfach geweisstem Mauerwerk.“ Die Lage des Platzes stimmt mit der biblischen Angabe, und, so mag der Platz vielleicht wirklich der richtige •ein. ,Ton einer angeblich als Erinnerung an die 12 Stämme , aus 12 ungeheuren Steinen hier errichtet gewesene Pyramide ist heute kein Uebereest mehr vorhanden.*; Das jetzige Gebäude, dessen Mauern über und über Tl ■ . ■ ■ ׳ ,-h

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