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Das jüdische Literaturblatt · 1882-09-06 · No. 36. (6.9.1882) · p. Seite 142

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 36. (6.9.1882)
Date
1882-09-06
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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jüdisch«! Familienlebens, nicht wie man e» bisher gewohnt war, in seiner Verzerrung and Entartung;, sondern so recht and echt ans der Wirklichkeit herau«}־ so lebensfriscb ttad lebenswahr, wie nur je ein TTlnnlinrnnfTi eines Volkes Leben erlaoacht und veranschaolieh», and wir wüssten ihm in Bezog auf Natartreae nichts an die Seite za stellen als Auerbach’s Dorf gestalten nntl Fritz Reuter’s Typen aus dem Mecklenburger Volksleben. War es ein Wunder, dass die geachtelten illustrirten Journtfle Deutschlands, als ״Gartenlaube“, ״Ueber Land und Meer“ etc. sofort nach Erscheinen sich ihrer bemächtigten, dass diese Bilder durch Holzschnitt und Photographie alsbald vervielfältigt und immer weiteren Kreisen zugängig gemacht wurden? Ohne sich einer Uebertreibung schuldig zu machen, darf man kühn behaupten, dass sie schon jetzt Gemeingut eines grossen Theils des gebildeten deutschen Volke« geworden sind und Zweifelsohne wird dies in Zukunft noch immer mehr der Fall «ein. Ich erinnere hier nur an ״die Jahrzeit im Felde“ und die ״Rückkehr des Freiwilligen“, die man sogar suif Bechsdrciertnsehentttchern zum Abdruck gebracht sieht. Kann mau nun aber mit gleichem Rechte behaupten, dass diese Schatze in eben dem Maasse auch in den Kreisen Eingang gefunden hätten, aus denen sie mit so grosser Liebe geschöpft, für die sie in e r 81 e r Linie bestimmt waren and denen vor Allem sie zu Stolz and seelischem Behagen gereichen, oder doch gereichen sollten? Mit nicbten! Denn sonst dürfte es kein jüdisches Haas, keine gebildete jüdische Familie gaben, in denen nicht neben, nein vor Vielem, was man an Kunstand Literaturschfttzen in •deren Salons aafgeepeichert findet, diese lieblichen, herzgewinnenden und herzerbebenden Schöpfungen Oppenheims eine willkommene Stätte gefunden hätten, zumal jetzt, wo sie durch die wirklich billige Preisstellung der Verlagshandhing auch selbst den minder Wohlhabenden angängig gemacht sind. ׳־ (Schluss folgt ) Prof. Strack über die Blntbeschuldigung. (Schluss.) ,Die gerichtliche Feststellung des Thatbestandes der Ermordung hat jeden Gedanken an. die Wirklichkeit des albernen Märchens vollständig widerlegt, und die Rädelsführer der gegen die Juden gerichteten Angriffe befinden sich in den Händen der Gerechtigkeit.“ (Man vergl. hierüber: Binterim [kathol. Pfarrer], Ueber den Gebrauch des Cbristenblntes bei den Juden. . Düsseldorf 1884, 29 pp. 8*; Wiedenfeld [evang. Pastor]. Was von der Behauptung: ,dass die Juden Christenblat gemessen“ za halten sei? Ein Wort der Belehrnng und Warnung. Elberfeld 1834, 15 pp. 8*). Daher haben denn auch die Jaden von jeher auf das Entschiedenste gegen die Beschuldigung protestirt, dass sic Christen ermordeten, tim deren Blut beim Osterfest za gemessen, z B. Isaak Abraranel (geh. 1437, gest. 1506) zu Ezechiel 36,13; Samuel Usque ia seinem 1553 gedruckten portugiesischen Werke: ״Tröstungen für die Unterdrückungen Israels (Consola^iones u. *, w.; 8. Wolf, Bibi. Ilebr. III, p, 1071 bis' 1075): Jebnda Karmi (De cbaritate, Amsterdam 1643, s, Wolf II, p. 1131—1135); Maoasee ben Israel in den Viadicae Judaeorum (zuerst London 1656,4*; dann in dem Sammelwerk Pheaix, London 1708; deutsch in Christian Wilh. Dohm’s ,übe« die bürgerliche Terbesserong der Juden“, Bd. I., Berlin und Stettin 1781); Isaak Oantarini, Vinder sanguinis, Amsterdam 1680 («. Staügchaeider Cat Bodl. No. 5327); L. Zanz, Damaskus, ein Wort zur Abwehr (1840, zuletzt: Gesammelte Schriften, II, p. 160—170). Aus der Zahl der Proselytea nennen wir Aloysius v. Bonnenfels (Jüdischer Blat-Eckel, oder das von Gebrauch des anschuldigen Christen-Blutes angeklagte, untersuchte und unschuldig befundene j Judenthum, aus Trieb der Wahrheit an Tag gegeben. Wien 1753, 161 S. kl. 8*, lateinisch und deutsch, lat. Titel: Judaica sanguinis nausen . . .), den Warschauer Censor J. Tugendhold (Der alte Wahn vom Blutgebr&ach . .. Aus dem Polnischen von J. TugeDdhold treu übersetzt, Berlin 1858), den Missioaär J. H. R. Biesenthal (Ueber den Ursprung der wider die Juden erhobenen Beschuldigung, bei der Feier ihrer Ostern sich des Blutes zu bedienen, nebst kurzer Darstellung des jüdischen Rituals in Beziehung auf den Genuss des Blutes. Historisch-kritischer Versuch von Dr. Karl Ignaz CorvA [Pseudonym], Berlin 1840) und den Petersburger Professor D. A. Chwolson (in einer russischen Schrift: ,Ueber einige wittelalterliehe Beschuldigungen gegen die Juden“ 8t.־Pb. 1881.) Auch nicht wenige geborene Christen haben die in Rede stehende Behauptung für unwahr erklärt. Um diesen Aufsatz nicht zu sehr auszudehnen, nenne ich nur zwei: Luther und Job. Christoph Wagenseil. Unser Reformator schreibt (in: ״Dass Jesus Christus ein geborner Jude“; Werke, ed. Walch XX. p. 2265): ״Aber nun wir sie nur mit Gewalt treiben und gehen mit Lügentheidungen um, geben ihnen Schuld, sie müssen Christenblut haben, dass sie nicht stinkeH, und weiss nicht, was des Narrenwerks mehr ist, dass man sie gleich für Hund& hält; was sollten wir guts an ihnen schaffen?“ Und Wagenseil, der gründliche Ken׳ ner jüdischer Schriften und Sitten, welcher mehrere von Juden gegen das Christenthum verfasste Werke unter dem Titel ״Tela ignea satanae“ (Altdorf 1681) veröffentlicht hat, also nicht der Parteilichkeit zu Guusten der Jaden geziehen werden kann, hat der Widerlegung der jetzt wieder sich erhebenden Anklage ein besonderes Werk gewidmet, dessen Titel lautet: ״Der denen Juden fälschlich beigemessene Gebrauch des Christenblutes, das ist unwidersprechliche Widerlegung der entsetzlichen Unwahrheit, dass die Jaden zu ihrer Bedürfnis Christenblut haben müssen, welche so viel Tausend dieser unschuldigen Leute um Hab, Gut, Leib und Leben gebracht (in: ״Hoffnung der Erlösung Israelis“, Nürnberg und Altorf 1707, 4*, Anhang p. 45.J Aber woher denn, so höre ich den geneigten Le- 8er fragen, die Beschuldigung? Muss nicht wo Rauch ist, auch ein Feuer sein? Der wahre Grund für diese wie für gar manche andere gegen die Juden gerichtete Beschuldigung liegt in der tiefen Kluft, welche die aus verschiedenen hier nicht zu erörternden Ursachen hervotgegangene Abneigung zwischen Christen und Juden hatte entstehen lassen. Mit diesem allgemeinen Satze müssten wir uns begnügen, wenn wir hier z. B. da» im Mittelalter viel geglaubte Märchen von der BrunneD- und Qaellenvergiftung zu widerlegen hätten. Das Aufkommen des auf Christentödtung zu rituellen Zwecken bezüglichen Aberglaubens läset sich aber in noch anderer Weise, wenn nicht entschuldigen, so doch begreiflich machen. Die grosse Masse der Christen des Mittelalters wusste vom jüdischen Glauben und von jüdischen Gebräuchen so gut wie nichts. Geheimnis« und Zauberei waren damals schier unzertrennliche Be* griffe, Blut nun ״ist ein ganz besonderer Saft“, ober dessen Verwendung zu Heilungen u. s. w. während des Alterthums and des Mittelalters, ja auch der GegeQ* wart (Orient!) sich eiD ganzes Buch schreiben Jiesse. Nach alter jüdischer Legende (Midrasch Rabba *u Exod. 2,23. Thargum Pseudo-Jonathan das.) badete sich der schwer erkrankte Pharao von Egypten, UIB gesund zu werden, auf den Rath seiner Weisen t4£*

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