Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1882-09-06 · No. 36. (6.9.1882) · p. Seite 144

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 36. (6.9.1882)
Date
1882-09-06
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5367336-6488244-8755990--2167-4855392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

mit Pügeriramen bedeckt sind — dehn das Grab Raheia, ist namentlich für die.Jaden eia viel besuchter Wallfahrtsort — ■oll aas dem 15. Jahrhundert ■tarn• nuea und seitdem .einigemal amgebaat and verändert worden wm “ ״Heber trockenes, steiniges Terrain, auf dem ־*unser verkümmertem Strauchwerk nichts von Vegetation na seiten ist, fahrt die Hebronstrasse nonächst su den Barak, den sogenannten Salamonischen Teichen, den 3 ungeheuren gemauerten Reservoirs des alten Aquadikts, der Jerusalem mit Wasser versorgte.“ Lortet hält sie für viel späteren U»Sprunges. ״Der last 5stQndige Weg von hier nach Hebron zeigte die jadüsche Landschaft in ihrer ganzen Einförmigkeit. ״Zn beiden Seitea der Strasse, die, ein Ueberrest aus der Römerzeit, hier mit grossen, ganz glatt geschliffeaen Steinplatten gepflastert ist, ziehen sich die trockeneu, anbebauten röthlichen Hagel hia. Vereinzelt zeigen sich bin and wieder auf ihnen kleine Gehölze^ verkrüppelter Eichen mit staehlichtem Grün. In den 8chlQchten nnd Thälern nur sieht man von Zeit zu Zeit kleine Kornfelder, Oliven- und Feigenbäume.“ Die Gegend ist fast menschenleer.“ ״Je mehr man sieh Hebron nähert, desto mehr verändert sich die Landschaft; immer häufiger zeigen sich bewaldete Hagel, manche mit deutlich erkennbaren Eingängen zu Felsengräbern. Auf dem Gipfel des einen derselben erheben *ich grosse Ruinen starken Mauerwerke«, die man für die Trümmer des alten Beth-Zur ansieht. Hebron bildet eine Ausnahme unter den palästinensischen Städten, da es nicht auf einem Hügelrücken, sondern in der Verengung eines Thalgrundes liegt. ״Zahlreiche Quellen machen die Umgebung der alten 8tadt rach an Gärten, in denen Mandeln, Pistazien, Granaten und Aprikosen in Falle gedeihen; die Weinberge von Hebron sind noch beute*ebenso berühmt wie vor Alters. Der Ursprung der Stadt., wird mit Recht in eine sehr entlegene Zeit zurückverlegt.“ Die ruhige Bevölkerung der heutigen Stadt ist fast ganz (8000—10000) muslimisch, und nur eine Anzahl von etwa 500 jad. Einwohnern vorhanden. Die ersteren übertreffen an Fanatismus noch' die Mehrzahl ihrer anderen syrischen Glaubensgenossen; dar Aufenthalt in Hebron war vor noch nicht gar langer Zeit eine gefährliche Sacke für die Reisenden, und wenn dieses sieh auch jetzt geändert hat, so bleibt doch der interess&ateste Theil der ga izen Stadt, das grosse Har&m, nach wie vor allen Ungläubigen {mit den wenigen Ausnahmen, wo ein Ferman des Sultan fürstlichen Personen den Zutritt gestattete, wie noch jüngst den Söhnen des Prinzen v. Wales. Red.) verschlossen. Dasselbe umschliesst nach aller Tradition die Höhle Macfcpela und ,die Gräber der Patriarchen. Die Umfaasuagsmuuer des ausgedehnten Heiligthumes ist aus ungeheuer grossen Quadern erb&uL und erinnert an die flarämmauer von Jerusalem; mächtige Wandpfeiler stützen sie von aussen. Ueber dieser augenscheinlieh sehr alten 15 bis 18 Fuss hohen Umfassung haben die Muslimen noch eine moderne Zinnenmauer errichtet. An den beiden nördlichen Ecken fuhren 2 Treppen in den innern Hofraum, den kein Fremder betreten dcrl Von der Höhe über dem Haräm sieht man. aber, dass in der Mitte dieses Raumes ein grosses Gebäude sieh erhebt, augenscheinlich eine alte Basilika, die in eine Moschee umgewaodelt worden ist.“ Hoffentlieh wird Kriger - Effendi Müsse finden, Näheres Ober die Höhle Machpela zu veröffentlichen. Sein kur- 2er Bericht im ״Cbawazeleth“ hat nicht, mehr gegeben, alsdie früherer Besucher, dass ausser dea über dem Boden befindlichen Kenot&phen noch eine Felsenkrypta varhandai •ei, in der sie Msnnors&ige äu sehen gliuibten. יי * Literaturbericht. Der geklärte Judeoapiegel. Zur getreuen Dar- Stellung des jüdischen Wesens und Lebens. Von Dr. Leopold Stein. Leipzig, E; L. Morgenstern. 1882. Was wir an diesem kleinen Schriftchen zu bemängeln haben, ist der Titel der, wie ״Sachsen- oder Schwaben- Spiegel,“ einen Codex von Rechtsgrundsätzen vermuthen lässt. Das ist dieser ״Judenspiegel“ allerdings nicht Er ist. vielmehr eine mit edler Begeisterung geschriebene Verteidigungsschrift. Stein will Vorzugsweise dem Vorwurf begegnen, dass das;Judenthum in der Beurtheilung des Christenthums einen feindseligen Standpunkt einnähme. Wie in einem früheren, in Sacher-Masoch’s ״Auf der Höhe“ Heft III. erschienenen Artikel verweist der Verfasser auf Maimonides* Ausspruch, das Jesus und Muhamed die welthistorische Aufgabe aus dem Rathsschlusse Gottes empfingen, die heilige Lehre des Judenthums in die entferntesten Inseln zu tragen. Ein Rabbiner ist es, der hier das Christenthum als ״eine wahre Mittlerreligion“ bezeichnet, ״welche an der Hand des prossen Apostels Paulus den Heiden in Wahrheit einen Heiland gebracht hat.“ Wir meinen, dass die judenhetzerischen Organe diesen Ausspruch des Frankfurter Rabbiners ihren Lesern nicht vorenthalten sollten. Bei der ״Neuen evangeloschen Kirchenzeitung“, dem Organe Stöckerischer Richtung, verschlägt diese doch wohl sehr weit gehende Anerkennung der christlichen Religionslehre nichts. Ihr mag es gelten, wenn Stein ausruft: ״Einen Selbstmord wird man uns doch nicht zumuthen wollen!“ Eine trefl'tiche Widerlegung ist dem Vorwurf des Schachers und Wuchers gewidmet. Jedes Geschichtswerk verzeichnet das Verbot des Handwerks, des Grunderwerbs, überhaupt des Arbeitens und des Lernens, das Gebot entwürdigender Kleidung und der Selbsterniedrigung. Stein hätte sich jedoch den Hinweis hierauf ersparen können. Als man uns gnädigst gestattete, unsere Kinder ebenfalls aus dem Borne der Wissenschaft schöpfen zu lassen, als auch wir nun unsere Kinder auf Gymnasien und Universitäten schickten, da war es wieder der Bildungstrieb, oder wie antisemitische Hetzer es nennen, ״das Eindringen in autoritative Stellungen“, was uns zum Vorwurf dienen musste. ״Lasst uns recht viele Juden zu Handwerkern heranbilden!“ Dieser Ruf ergeht seit längerer Zeit aa unsere Glaubensgenossen. Auch dies ist verlorene Mühe, man wird damit vielleicht die Thätigkeit unserer Glaubensgenossen, keineswegs aber die Gerechtigkeit auf Seiten unserer Gegner fördern. Recht ansprechend ist Stein’8 Schilderung der beglückenden, friedenbringenden Sabbathfeier als der Pflegerin der Familienliebe und Familiensitte, ferner der jüdischen Kranken- und Armenpflege, sowie des jud. Wohlthätigkeitssinnes überhaupt. So ist Stein'8 ״Judenspiegel“ ein Appell aa die Ge* rechtigkeit und Menschlichkeit, und wenn er auch uns Juden gar nichts Neues sagt,?0 dürfte das Büchlein doch, wenn — etwa durch den Gemeindebuud — genügend unter Christen verbreitet, zur Widerlegung manches Vorurtheils bei denselben beitragen. Peiser-Zinten. Notiz. E. RCnan will nach seiner Rückkehr vom Oriente eine französische Uebersetzung der Psalmen herausgeben. — Vom Prof. Dr. Gr ätz ist der erste Band des ״kritischen Commentars zu den Psalmen nebst Text und Uebersetzung“ in trefflicher Ausstattung des rühmlichst bekannten Schottlaender’scheü Verlages in Breslau erschienen. Wir werden eine ein־ gehende Besprechung dieser grossartigen exegetischen Leistung in dies. Bl. bringen. VeruatwcrtUdrir Mietsu׳Dr. Rukaer ia Magdeburg. Druck von H. Hörbuch in Btrbjr, Vertu? von Robert Kries• in Le>p*tf•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.