Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 34. (23.8.1882)
- Date
- 1882-08-23
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
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derta. Angesichts der eifersüchtigen Spaltungen, die unter den Bekennern der neuen mohathmedanisohen Lehre schon früh ausbrachen, mochte das Vorhandensein eines 2. grossen Heiligthums des IslÜkn, das nöthigen falls mit der Kaaba ▼on Mecka konkurriren konnte, der Politik der weltklugen ommajadis^hen Ghalifen wohl wünschenswerth erscheinen. Dass ihre Wahl für den Ort dieses Heiligthuhis auf die 8täjtte des alten Salomonischen Tempels fi^l, ist leicht erklärlich: schon Mohammed halte denselben als geweihte Stelle verehrt und sogar, ehe er mit den Judein vollständig gebrochen hatte, seinen Anhängern belohlen, sich beim Gebete nach der heiligen Stadt Davids zu richten.“ ״An dieser gesegneten Stätte, über denn heiligen Felsen, errichtete nun der Chalif Abdel-Melik den Felsendom Kubbet-esSachrä, heule noch nächst der mekkonischen Kaaba das höchste Heiligthum des Isläm. Den Traditionen getreu, die sich an diese Stätte der herrlichsten Bauten knüpften^ wurde auch dieser neue Tempel in grossartigster Weise angelegt und jede spätere Restauration ve! mehrte noch seine ursprüngliche Pracht. Eine 3 Meter hohe, fast quadratische Plateform von etwa 170 m. Länge und Breitp, wurde unter theilweiser Benutzung des Felsbodens pufgeführt und mit grossen Steinplatten belegt; in ihrer Mitte erhebt sich der 8eckige polychrome Tempelt»au mit seiner mächtigen Kuppel. Von 3 Seiten führen Treppen zu der Plateform empor, die oben iu Arkaden endigen; vielleicht eine Reminiscenz an den Sftulenvorhof des alten Tempels. Von der Pla'eform, die schon wie das Innere des Heiligthums nur ini( unbeschuhten Müssen betreten werden darf, geniesst man einen schönett Umblick über das ganze Haräm 'und die Menge der\ grossen und kleinen Heiligthümer, die ira Laufe der Zeit in dem geweihten Bezirk entstanden sind. Zwischen stattlichen Bäumen, der Mehrzahl nach Cypressen, zeigen sich auf allen Seiten kleine Kuppelbauten und schlanke Minarets, HeiligeUgräber, Gebetsnischen und kleine Säulenhallen über die Fläche zerstreut. An ihrer Südseite erhebt sich der mässige Bau der alten Moschee El-Aksa, die, ursprünglich eine christliche Basilika und von Justinian zu Ehren der heiligen Jungtrau erbaut, sowohl in ihrer Form, als auch in ihrer Bestimmung die grössten Metamorphosen durcbgemacht hat. Von Omar, dem muslimischen Kultus geweiht und für jene entfernteste Moschee (Mesd- 6chid-el-Ak6a) ausgegeben, die der Prophet auf seiner wunderbaren nächtlichen Reise besucht hatte, wurde sie von den Templern unter dem Namen des Palatium domini als Wohngebäude benutzt. In den grossartigen Hallen der Unterbauten dieser Seite des Haräm, die bei dem muslimischen Volke für ein Werk der Salomo unterthänigen Dämonen galten, befanden sich die Pferdeställe des Ritterordens. — In den Frühlingsmonaten von Mitte März bis Mai,! der für die syrisehe Landschaft günstigsten Zeit, zeigt sich 'auch das Haram von seiner besten Seite. Der braunrothe Boden bedeckt sich dann mit grünem!lasen und einem bunten Flor von Anemonen, Tulpen, Schwertlilien und verschiedenfarbigen Disteln; und während der heilige Bezirk trotz der Menge seiner phantastischen Bauten «n einem heissen, dunstigen Sommertage nur gar zu leicht den Eindruck einer ebenso trostlosen, todten Oede macht, als wenn er unter der schnell vergehenden Schneedecke eines gelegentlich eintretenden scharfen Wintertages begraben liegt, so hftt er im Frühling ein fröhliches Leben aufzuweisen. Schaaren von Vögeln nisten dann in den Bäumen und dem alten Mauerwerke. Allenthalben hört man da* Girren der Turteltauben und den Gesang der blauen Amsel, grosse Schwärme der verschiedenen hier verkommenden Ra- 1 ben finden sieb zu allen Tageszeiten hier ein .und erfüllen die Luft über dem heiligen Platze mit ihrem lauten Geschrei. Die klare Beleuchtung und die auffallend durchsichtige Luft des Jerusalemer Frühlingstages sind überdies für die weitere Umschau ▼on der Tempelplateform ebenso wünschenswerth, wie für die Besichtigung des Inneren der Moschee, durch deren aus bunter Glasmosaik zusammengesetzte Fenster nur spärliches Licht einfällt.“ (Schluss folgt) Literaturbericht teeeasisnea. Illustrirter jüdischer Familien ־ Kalender für das Jahr 5643. 5. Jährg. Herausgegeben von Julius Meyer, Halberstadt. Der Kalender weist ausser dem K&lendarium einen literarischen Theil auf, der mit einer Humoreske ▼on L. Wolff: ״Heynemanu’s Schicksale* beginnt. (Lehrer Wolff führt uns die Carikatur eines jüdischen Lehrers ▼or Augen und geräth dabei ▼on einem Widerspruch ih den andern: ״Heynemann ist ein tüchtiger Pädagoge, ein begabter Varbeter, mit einem Worte ein pflichttreuer Beamter; aber nebenbei auch ein wahres Genie in de®׳ Zerstreutheit“ — natürlich nur ausserhalb der Schuld ״Nach dreijährigem Studium auf dem Seminar und glänzend bestaadeaem Ex»- men“ hat der Herr Heynemann auf einer Probere'tse, die den Gegenstand der Humoreske bildet, keinen Begriff von Billetschalter und Büreau — natürlich in der Zerstreutheit — keine Ahnung von einer Eisenbahn, keine Idee ▼on einem Theater; sein Geist zeigt nicht einen lichten Moment, wohl aber völlige Reife für ein Irrenhaus.) Die nun folgende Abhandlung: ״Das Pädagogische im Talmud“ — besser im Menorath hamaor — beansprucht nicht, wie der Verf. selbst sagt, das Urtheil der Vollständigkeit, denn, wie er mit ▼ollem Recht bemerkt, ״um ein vollständiges Bild über das Pädagogische imTalraud zu entwerfen, dazu gehört vor allem eitle umfassende Kenntaiss desselben, die ich nicht besitze.“ Nachdem mehrere Gedichte (von dem Katzenste'm'scheu Gedichte hätte die Quelle angegeben werden müssen) usd Anekdoten vorangegangen, schliesst der diesmal etwps dürftig ausgefallene lit Tbeil mit der Biographie Lasker's ab, dessen Bildniss den neuen Kalender ziert. Der ״lllustrirte Familien kalendet^4 zeichnet sich vor vielen anderen durch eine solide Ausstattung aus. La Biographie d'Adolphe Cremieax, senateur de France et prösident de’ l’Alliance isradlite universeile. חע־כךם;ה pär J. Elk. Memel. (Im Selbstverläge des Verfassers. 1882. 85 S. kl. 8.) Warum der Titel ״französisch“ und nicht deutsch? Doch, vorsichtig und nicht vorwitzig? In liebenswürdiger Bescheidenheit hat der Verfasser dieser in leichtem hebräisch geschriebenen Lebensbeschreibung Crdmieax an den Anfang seines Werkes folgende Warnungstafel für den Kritiker gesetzt: —!ספרי ־ " אם לשון ך?יל א1תןי 1לןךת, ־ תנחוסים תהיה דבו־תה, כי בפך מ1ב צר^ה הודרת דון עת־ ואת מיהי קןז־ןתה* י; M Nutf^so urvarsündfluthi^ *ist das Original dieser 1 Worte: ״Es sind! die schlimmsten Früchte nicht, an