Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 30. (26.7.1882)
- Date
- 1882-07-26
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Widerspruch in einem solcher Geiste bedarf der Er• klärung. Das Folgende' soll die Begründung liefern. ״Im höchsten Grade eitel, jedoch noch habsüchtigster, als'dftdl,' schrat er ■1weniger filr dis Ehre, als für Geldj^lai-beUet er‘sozusagen nur' um* zaJ leben; obschon zürn Genlessea geschaffen, wird 'er iiicht milde, zusäthmenzus'chafren.* So beurtheilt Friedrich der Grosse'den •'Pihvkicharakter Voltaire’8 1756(, indem er dabei das unvergleichliche Genie des Schriftstellers anerkennt. Das Bild ist nicht geschmeichelt, aber auch nicht verzerrt.1' Habsüchtig war Voltaire 1 aut'8 Aeusserste. 8eine Hauptleidenschaft war Geld Geld, die- 8er so lange entthronte Gott, den Law wieder emporgehoben, dem dos 18. Jahrhundert Hymnen sang, Voltaire betete ihn an. Er suchte wie Beaumajrchais durch die 'Macht des Goldes sich zu festigen, dem Adel gegenüber. Daher hatte nicht die Muse allein die Herrschaft über ihn. Geschäfte und Poesie stellten ihm auf gleicher Linie. Jedes Mittel zur Bereicherung ist ihm recht, Handel, Bankgeschäft, Kleinhandel lind oft auch, wie wir sehen werden, noch Anderes. In seiner Geschäftstätigkeit begegnete Voltaire Juden. Er h^sst sie als Concurrenteu. Sobald diese ConcUrrenten ihm schaden, wird seine hasserfüllte Habgier Rache zu nehmen suchen. Unter dir Maske des lachenden Philosophen birgt sich der ergrimmte Bankier; aufch Moses und die heiligen Bücher: entladet sich sein Zorn. Gewiss ist es eine sonderbare Art, die ganze jüd. Race in ihrer Religion, in ihrer Vergangenheit schrankenlos zu verurtheilen, weil man sich zu beklagen' hat über einzelne Juden. Grfltz hat in seinem Aufsatze ״Voltaire und die Juden**■) diese voruriheilsvolle Gehässigkeit mit kritischer Strenge aufgedeckt. Schon während seines Aufenthaltes in London (1726—39) hat Voltaire zu einem Juden Beziehungeu gehabt. Ein. jüd. Bankier, Namens Mddina, sollte ihm einen Wechsel von 20000 Livres zahlen, bankerottirte und der Philosoph bekam nur 4000 livres. Seinen Aeusserungea nach hätte er gute Miene zum bösen Spiel gemacht und sich schnell über den Verlust getröstet. Viel später schrieb er nämlich' darüber: ״Als Herr Mddina in London mir mit vor 44 Jahren 20000 Francs bankerott machte, sagte er mir,, er sei uaschuldig daran, er wäre nie ein Sohn des Belial gewesen, sondern hätte immer darnach gestrebt, ein Sohn Gottes, d. h. ein ehrlicher Mensch, ein guter Israelit zu sein. Er machte mich weich, ich umarmte ihn, wir priesen gemeinsam Gott und ich verlor 80 Procente.“ Trotzdem schmerzten ihn die 80 Procent gewaltig: Voltaire hat nie das Geld 80 verachtet, er war damals nicht reich genug, als dass er einen 80 beträchtlichen Verlust leicht verschmerzt hätte. Wahrscheinlich kam in der Folge, sobald er von den Juden! zu reden hatte, ihm der Bankerot Mddina’s in’s Gedächtniss — was eben nicht geeignet war, ihn sanft zu stimmen. Sicher jedoch ist, dass ihn zum unversöhnlichen Feinde des Judenthums der Process gemacht hat, welchen er im Berliir mit einem Juden (1750—51) hatte. Dieser Process stellt seinen unersättlichen Gelddurst in’s vollste Licht und hat viel dazu beigetrag^n, dass ihm die Gunst Friedrich des Gr068en entzogen wurde. (Fortsetzung folgt.) *) Franket's Hoaatoschrift 1868 S. 163 fg. Der Vorwurf gegen G., dass er die Judäa als ״Heilige* male, ist; nicht stichhaltig, da er tod dem ״schmutzigen*1 Aufträge erzählt, den V. dem Hirsch ertheilt und den Veitul jenem beneidet. Des י beschmatzt alle Drei. (Unserem Artikel ist der gleichbetitelte französische Auftat■ ▼on H. Becker im ״Arch. isr.• zu Qrunde gelegt.) , 1 _—— » Raefc.tr»*׳ : -tj .״ז m 4tm kStbi ftriwilw■ ■» jMhck» Rnaa:! s Die beiden Nuownera-27, u. 28 de# ^iieratur^lat-, tes sind mir erst heujLe zugekommen. Mit, Vqrwqadci' rung habe ich gelesen, dass Herr Prof- Delitzsch auch mich der Lästerung etc. . . . des Begründers des Christenthums zieht; er folgert dies auf Grund meines Aufsatzes ״Jesus und Bileam“, der gleichsam als Er- - gänzung zu der gleichen Arbeit Geigers (Zeitschr. VI) im vorigen Jahre im Literaturblatte erschienen. i#t?. Es erinnert mich das an Graetz, der in seiner Ge• schichte (XI Band) ein g(lustiges Urtheil Uber den' Charakter der Franzosen abgegeben, und nur dasselbe1 niedergeschrieben, was vor ihm tausend andere Dich» ter und Geschichtschreiber geschrieben — nnd von der damals (1870) erregten nationalen Leidenschaft es höreu musste, dass er kein echter Deutscher sei Graetz erwiederte, dass es doch der Wissenschaft gestattet sein müsse, ihr Uriheil frei abzugeben. (Ich citire ans dem Gedächtnisse) Obweil mein Aufsatz auf tiefe Wissenschafttichkeit gar keinen Anspruch macht, muss doch, die Frage gestattet sein: Darf die Wissenschaft gar kein Urtheil über den Begründer des Qhrieteatbum# haben? Wenn in jenem Aufsätze einem alten Midrasch eine geschichtliche Grundlage za geben versucht wird״ ist das ein Angriff gegen Jesus? Zeugt das von meinem Hass etc. ..... wenn Alles, was dort angeführt ist. im Sinne jener alten, wahrlich nicht glücklichen Zeit und im Sinne jenes Tradenten wiedergegeben wird? Oder, hat die Fluth des Judenhasses auch, den wack#rn D. ergriffen, hat sie uns den Freund geraubt, der pltynlieh von dem Rabbiner verlangt, dass er ebenso über Jesus denke, wie der Priester der protestantischen , oder katholischen Kirche. Ich glaube, soviel steht׳ fest, dass weder ich, noch eine ungeheure Zahl der Juden ein solch',hartes, pietätsloses Urtheil über den Begründer des Ghristenthums abzugeben vermöchte, wie es von vielen )Christen abgegeben wurde. Wir .. vermöchten es nicht, trotzdem die Bekenner der Reilgion der Liebe fhatsächlich ansere Verfolger und Pei: niger geworden und es zum Theile noch sind. EqA am 13. d, sage am 13. Juli 1882, hat man die Scheiben unseres schönen, neuen Tempels zu zertrümmern für gut befunden. Ich möchte mit dem alten, (maas man vielleicht, schon sagen ״ehemaligen*?) Freunde D. .. > nicht so hart ins Gericht gehen. ״Treu gemeint sind ja die Schläge des Liebenden.“ Doch• hätte, wie 8ie, Herr Redakteur es schon anmerkten, der Herr Prof. . jetzt nicht schlagen sollen. Ein Vater, der sein Kind, züehtigt, meint es gewiss gut; doch wird er es nickt züchtigen, wenn׳ er sein Kind am ganzen Körper verwundet sieht, wenn er die Wunden bluten sieht, die ihm ruchlose Hände geschlagen. Israel blutet jetzt am ganzen Körper, es blutet aus Wunden, die ihm ruchlose Hände und charakterlose Federn beibriqgea. _ Der Antisemitismus mag, wie Herr Rechtsanwalt Mets >■ optimistisch glaubt, augenblicklich ruhen. Hr. M. hätte nur hinzufügen müssen: in Deutschland. Hier in Ungarn scheint er erst im Aufblühen zu sein. Dieser Aatise* miüsmus hat bekanntlich in Deutschland seinen Anfang genommen, hat den Weg hinübergefuaden nach Rusaland, wo er schauderhafte Orgien feierte und auf die- 8em Umwege die Grenze Oesterreich - Ungarns übegschritten. Wir haben ihn jetzt. Die Behörde masste hier, Ueberschreitungen vorzubeugen, Militär requiriren. Ist es vielleicht ein erquicklicher Zustand, wenn wir heute die Sicherheit unseres Lebens und EigentimBis nicht dem wohlwollendeu und friedlichen Zusammenleben der Bürger, sondern den gezückten Schwertern, der Soldaten verdanken, die Tag and Nacht die Slrasi