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Das jüdische Literaturblatt · 1882-07-26 · No. 30. (26.7.1882) · p. Seite 118

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 30. (26.7.1882)
Date
1882-07-26
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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thflhliche ColoriA entziehen will niaht da• midfi föT- (׳Im Verläufe' eines־ je3en midraschischen Vortrage« werdet» AnsptetuB^irha:{^ Sitten, Bräuche, Einrichtun• gen' nad Ifhensyn wohnhaften, auf die Beschaffenheit von W^h־^d;r ^teVten, Kleidungen und ge- •eil ich aft liehe ■Fbniiea^ gemacht, durch deren genaue Kemdman'י <f&i9־hrt>h'l,‘,eine besondere Farbe oder eine1 geistisiehn -Pointe-gewinnt.-- F0r die exegetisch homileiische Seite de« Midrasch haben die vorhandenen CoauBiutare Manches, aber nicht« ■Gfehüghndee geleistet. Denn, abgesehen davon, Waiflrini ran den hier aufge• «teilten Gesicht«puakten au• zu beherrschen vermdchtea «nd daher nicht; immer iu» Stande waren, in den Kan «!0• Vortragenden einaudringen,*) fehlte ihnen die Einstebt, dann wir in den voriiegendea Midraschim zumeist bio» Fragmente oder kurze schriftliche Aufreich• nangen besitzen ,die von dem Redner gewiss im mflndliehen Vorfrage aäher begründet and weiter au ■ge fuhrt worden. An dem (Kommentator ist es nun, durch Vortraatheit mit seinem Gegenstände, das Fehlende zu erganzen; das Lackenhafte auszufallen und so den Torso eine« Vortrages in ein abgerundetes Ganzes zu verwindeln. "Ein solcher wissenschaftlicher Commeutar kann nur durch das Zusammenwirken mehrerer Forscher zu Stande kommen." Ihre Beiträge massten von versebie• denen Redakteuren, von denen jeder Einzelne ein besonder es V'a״h, z. B. das Philologische oder' das Ilistorische, übernimmt, geordnet nad dann zu einem Ganzen vereinigt werden. Der Gagenstaad ist so wichtig, sowohl für die Erforschang nnd Erkenntnis« des jüdischen Volksgeistes, als abch für das praktische Leben oder f(\r die Beurtheilang des Jndenihams, dass die tüchtigsten jüdischen Gelehrten sich bewogen fühlen dürften, einen Theil ihrer Zeit‘und ihrer Kräfte der Vollendung eines 801eben Midrasch-Cornmentars zu widmen. Wer 'aber, so werden gewiss die meisten Leser fragen, soll die nicht unbedeutenden Kosten für das Zustandekommen and die Veröffentlichung eines 801eben umfangreichen Werkes tragen? Kein Anderer als die Juden selbst Vielleicht kommen sie, besonders die Begüterten in Israel, endlich zdr Einsicht, dass dem Jodenthum und seinen Bekennern für die Dauer nicht damit geholfen wird, dass man russische Flüchtlinge unterstützt und nach Amerika expedirt, sondern dass man unser altes Schrifttham, das von den Gegnern der Jaden immer von Neuem zu Angriffen wider dieselben, theils aus Unkenntnis« and theils aus Böswilligkeit, missbraucht wird, in׳ seinem wahren Lichte *) So L B. konnten aie bei ihrer msngellufien allgemeinen Bildang nicht ahnen, dss• gleich eaf der erttea Seite de* Itldrwch Bahbs ein SUtdk PhUoniseher Philosophie x» lesen ist. vor uigt und'- es ^ug^icien ׳streng. Teilt, wid-tdaattlbe es Sefefrrimito u«d Auf! lOT^Ptll ז rosse IltlitSfr'atüf Augen der Vinter fint Behtodluij i ÄÜa tpi« 1e5h|sj0tesÄ1j <i־ itls eine Ffmflgrffee ectl Weisheit, praktischer Lebensklugheit, reinster und lau*!erster Sittlichkeit. Der eraz1ge'hagadkche~'Ausiprübh z. B., dass es keine reine und unverfälschte Ra$enT unter den Völkern wie im Uralterthum der Menschheit mehr gibt, so dass man nicht mehr zu entscheiden im Stande ist, ob ein hartherziger Mensch, der einen Juden vor -Durst und Hunger verschmachten liesse, gerade von den berüchtigten Amon und Moab abstamme, dürfte manchen gelehrten Antisemiten an der Neige des neunzehnten Jahrhunderts tief beschämen. Dr. Ad. Jellinek. Voltaire and die Jaden. Dass Voltaire kein Freund der Juden war, das können wir bedauern, dürfen uns aber nicht darüber wundern. Das .Judenthum war aus zwiefachen Gründen den Angriffen Voltaires ausgesetzt. Es ist eine Religion; und diese Religion hat das Christenthum entstehen lassen. Mehr brauchte es nicht, um den Philosophen gegen die Lehren der Juden einzunebmen und ihn zum Bekämpfer ihrer Religion mit allen Waffen seiner Dialektik und seiner Ironie zu veranlassen. Erschitttren und Zerstören jeden religiösen Glaubens, das war ja das Ziel aller Bestrebungen Voltaire’s, das durchzieht sein ganzes Leben, das macht ihn, in den Augen gewisser Leute, zum grossen Manne. Es ist bekannt, wie er mit Kolben auf die Religion, in der er erzogen worden, dreinschlug. Wie sollte der Gegner des Christenthams das Judeuthnm schonen? Konnte die hebräische Ueberlieferung ihm besser begründet erscheinen, als die christliche Legende, die Wunder Mose’8 ■weniger vernunftwidrig, als die Jesu’s, das Hohelied weniger dunkel, als die Apokalypse, die Beschneiduhg weniger seltsam, als die Taufe, Bileams Eselin weniger*lächerlich, als das Schwein des hl. Antonius? Hätten aber die Juden, 80 sehr ihre Religion Voltaire's Angriffe herausforderte, nicht durch ihre Schwäche, durch ihre Lage — Mitleid uud Berücksichtigung verdient? Der Vertheidiger der Toleranz hätte doch billig gegenüber einer so schwachen und so grausam verfolgten Minorität mildere Seiten aufspannen müssen. Derselbe Mann, welcher die Leibeigenen im Jura von ihrer Knechtung befreit hat, war es doch wohl sich selbst schuldig, diese aller Rechte beraubte Handvoll Juden, welche die Zielscheibe allen Hasses war, zu schonen. Ihm hätte Montesquieu als Vorbild dienen sollen, der einer jungen Jüdin die Abwehr in den Mund legt, welche im 25. Buche des ״Geist der Ge* setze* stellt. Doch anstatt ihm nachzuahmen, ist Voltaire unerbittlich gegen die Juden. Er begnügt sich nicht mit der Kritik ihrer Lehren — er zeigt siph erbittert gegen Alles, was sie berührt. Er sucht die Gelegenheit, ihnen zu schaden, verfolgt sie ohne Rast und ohne Ruhe. In all’ seinen Werken, in den Tragödien, wie in den Streitschriften, in Canndide, wie im philosophischen Dictionaire, überall häuft er ohne Unterlass Anklagen und Schmähungen gegen sie. Noch am Abende seines Lebens, in der Zeit, wo er alle Dinge mit der Heiterkeit des lachenden Philosophen beurffaeilte, beseelt ihn der Judenhass. * Ein solcher

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