Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 29. (19.7.1882)
- Date
- 1882-07-19
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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veranlasst hat Er war von den. Antisjemitenblättern ob seiner dankenswerten, durch den Gemeindebund verbreiteten Widerlegungsschrift des Rohling’echen ״Talmudjude“ angefeindet, geschmäht, mit ß(oth beworfen worden — wir selber haben ihn in unserer ,,Wochen- Schrift“ öfters verlheidigt —; der alte Schwache Herr vermochte dem Anstürmen derer, die die Aechtheit seines Christenthums in Frage stellten, nicht länger widerstehen, er, der E'ferer für'8 Christenthum, konnte sich nicht von jener fanatischen christlichen Rotte aus demselben hinausschimpfen lassen, mit. so schwerem Verdacht auf dem in Ehren grau gewordenen Haupte wollte er 6ein langes wissenschaftliches Leben nicht absch!ie8sen, er ging hin und schrieb seit) literarisches Canossa: ״C h r׳i 81 e n 111 u m 11 n d j ü d i s c h e P1■ e s 8 e.“ Wahrlich, der Bedauernswerthe ist daflij׳ genug bestraft durch das Lob und den Beifall Stöjcker’8 in der ״Neuen Evangelischen Kirchen Zeitung*‘! — Ave pia anima! Die Redaction. Die Rabbinersynode za Erfürt 1391. Von Rabbiner Dr. J. Caro.. (Schluss.) Der Friedhof der jüdischen Gemeinde lag ausserhalb der Stadtmauer, rechts vom jetzigen Proviantamt, dem ehemaligen Blindenhofe oder Zeuglijause und gegenüber dem inneren Moritzviertel, in weichem die Juden am zahlreichsten wohnten. (Ein Ghetto war in Erfurt nie vorhanden). Die von dem Schreiber dieses beim Abbruch des Andreasthores im Jahre 1881 aufgefundenen und entzifferten 26 Leichensteine aus dem 13. und 14 Jahrhundert sind kaum 300 Schritte von ihrem ehemaligen Standorte verschleppt worden. So nahe nun der Friedhof dem Jndenquartier anhig, so schwer jedoch war er wegen der trennenden Stadtmauer zu erreichen. Leichenbegängnisse konnten nur durch das Moritzthor auf langen Umwegen über mehrere Brücken zum Friedhofe gelangen. Da mag die Frage wegen der Ahroniden oft wenig dringend gewesen sein. Anno 1385 am Martinsabend, kauften die Juden vom Rath ein Stück vom Blindenhofe, der an' die Stadtmauer und an den Judenfriedhof grenzte für 5 Schilling jährliehe Abgabe.*) Dafür war ihnen erlaubt ״zu bauen zu kehren und zu werden, wie es jlinen beliebt und nützlich schiene; nur sollten sie die Stadtmauern uubeschädigt lassen. Wollten sie jedoch .zu ihrem Nutzen oder zu ihrer Bequemlichkeit eine oder zwei Pforten — also durch die StaJtmauer nach dem Friedhofe bauen, 60 habe der Rath Niehls dagegen einzuwenden. Von dieser Erlaubniss ist׳ nachweislich Gebrauch gemacht worden und diese tteugebaulen Pl'orten unmittelbar vom Judenquaitier! auf den Kirchhof machten die Frage wegen der Ahroniden Zu einer dringenden. Sie wurde auf derSynpde 1391 geregelt. Um die von Isserlein genannten Theilnehmer an der Synode zu eruiren, müssen wir uns vor allen Dingeu in den Erfurt zunächst liegenden ,thüringischen und sächsischen Städten umschauen, und da blegegnen wir zuerst demR.Lipman in Mühlhausjen, von dem auch schon Graetz (I. c.) mini mint, er könne atu der Erfurter Synode theil genommen haben. ' R. lipmann war 1410 schon in Prag, wo er den Nizzachon verfasst hat, aber es steht Niehls der Annahme entgegen, dass er 1391 in Mühlhausen als Rabbiner , fungirte und von dort nach Erfurt zur Synode kam. Der iin Trierer Memorbuch als Märtyrer in Mühlhausen bezeichnete R. Elieser ist mit R. Lipman keineswegs identisch. Ueber den von Isserlein genannten R. Chiskia dürfte nicht der geringste Zweifel obwajten, dass dies der *) Urkunde im städtischen Archiv, cop. von üerrmann. Rabbiner von Weissenfels gewesen sei, von dem Jacob Weil in seinen והלכות!,JH'Nr 33 zu Ende sagt: ״Und so habe ich auch gehört, dass R. Chiskia aas Weissenfels!in Bezug auf Trauergebräuche in der Sefira) erleichternd entschied.“ ׳ Elin dritter Synodale war R. Na tan, in welchen wir ■uit Hilfe des Trierer Memorbuches den zu Magd e-b 11 r g hingerichteten ״Kabbiner von Meidenburg“ erkennen. Uebrigens erwähnt auch Jacob Weil Resp. 115 eines R. Nanso als TheiLnehtner der Synode in Nürn!erg 1438.*) R. Natan aas Magdeburg müsste auf der Synode za Erfurt etwa 30 Jahre, in' Nürnberg fast 70 Jahre alt gewesen sein, und daun sein Leien als Märtyrer geendigt haben. Nun bleiben uns noch zwei Synodalen zu bestimmet) übrig: R. ichel und Rabi Abraham Katz. Einer von ihnen muss Einberufer der Synode und Rabbiner von Erfurt gewesen sein, und nicht nur aus Localpatriotismus nehmen wir hierfür den bedeutet!ien Katz in An-, Spruch. Fis scheint der Vorgänger Jacob Weits iai Amte gewesen sein und muss noch lauge nach der Synode in Breslau ein rabbinisches Amt bekleidet haben. Jacob Weil erwähnt seiner in sechsSferschiedenen Responsen. Nr. 21, 52 und 69 bilden diek e Antworten Weils an Katz, in Nr. 28 verweist et die Anjfragendeu auf die Entscheidung Abrahams, |/u Nr. 34 'erwähnt er seiner ihm beip/lichtend als eiues bereits;Gestorbenen, ebenso in Nr. 35 mit der Bemerkung, 'dass Abr. Katz ihm bei Lebezeiten 1d einer Eutscheijdung beigestimmt habe. (Aus demselben Resp. geht :auch hervor, dass Katz zuletzt in Breslau fungirt hat) Dass Katz bedeutend älter als Weil gewesen, beweist 1 Resp. Nr. 52, aus welchem hervorgeht, dass der hochangesehene Rabbiner im Amte es nicht verschm&tit, den jungen, noch nicht •ordinirten Geleh! ten wegen der eherechtlichen Stellung eines Weibes um Rath zu fragen. Resp; 69 endlich behandelt eine von Katz an Weil gestellte Anfrage über einen Fall, der in einem Respousum von Israel Bruna direkt als in Erfurt vorgekommen, bezeugt wird. (על אודות הבכור). Wir irrea also kaum, wenn wir sageu, dass Katz bei seinem Weggange von Erfurt nach Breslau, den jüngeren atfer schon sehr berühmten Jacob Weil als Nachfolger einplohlen habe. R. Ichel endltch^von dein wir keinerlei Spur' in dem gleichzeitigen Schriftihum zu entdecken vermögen, wird Rabbiner der sicherlich auf der Synode vertretenen Gemeinden Arnstadt oder Plaue**) gewesen sein. Die Existenz von jüd. Gemeinden dort bezeugt gleichfalls das genannte Memorbuch, indem es eines Maityriums in diesen Städten erwähnt. So hätten wir denn in der Erfurter Synode am Schluss des vierzehnten Säculums eine echt thttrin gisc he Synode, von Magdeburg, Mühlhausen, Wei•־ senfeis, Arnstadt (oder Plaue) und Erfurt beschickt, Itheils zur Abhilfe dringender materieller, theils zu Re- Igelung nothwendiger, ritueller Angelegenheiten. Literaturbericht- Receasiese■. Die Judenhetze in Russland und ihre Ursachen. Zugleich ein Mahnw0rt an Deutschland. Von einein Christen. Mit zum Besten des ״Unterstützungs-C0mit4’s für hülfsbedurftige aus Russland vertriebene Juden“ zu Hamburg. Hamburg 1882. Verlag von Christians & Schultheiss. Der geehrte Herr Verfasser tritt Denen energisch *) Das kann aber auch R. Natan Eppstein gewesen sein. 1 **) Dis ist das von Lewin im LitrbL 40 u. 41 pro ,1881 8. i 169 nicht entsühnte לווי)» BNBVrUL