Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1882-07-19 · No. 29. (19.7.1882) · p. Seite 116

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 29. (19.7.1882)
Date
1882-07-19
Page
Seite 116 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5367336-6488244-8755982--2132-4855364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

entgegen, die ia der berüchtigten generellen Weise ״den Jaden“ die materielle uhd sittliche Corruption der rassischen Bauern in die Schabe schieben. Er in seiner -lesenswerthen Broschüre, Seife 9: ist .wahr, eia gut 1Theil der Branntweinsch&nken ist in ihre«Händen;aber bei weitem die meisteagehören dem Landadel and — der Geistlichkeit, den Popen. Es ist wahr, auch in der Schänke der Jaden berauscht sich der Bauer und verbringt er, was er durch mühselige Arbeit gewonnen; aber in einem unterscheidet sich die jüdische Schänke weit von ihren rassischen Geapseen: Der Russe kennt nur ein Ziel seines Thuns and Strebe ns, dem Bauern das letzte Hemd auszuziehea —•, der Jade beutet ihn nur bis za einer gewismb Grenze hinaus, welche dem Bauern wenigstens die Weiferexistenz auf seinem Grund und Boden lässt — ״Wer billig denkt, wer vor allem erwägt, dass man von dem rassischen Juden durchweg weder höhere Bildang noch andere Ziele des Strebens verlangen darf, als diejenigen, welche das ganze Volk in seinem Thun and Denken beherrschen, der wird nicht zweifelhaft sein, naf wen er den grossem Theil der Schuld zu wälzen hat“ Indem der Verf. das Treiben der Popen chankterisirt, bemerkt er: ,Freilich giebt es für ihn keine Aemter zu verschachern, aber er kann ja als Bhestifter sich Einkünfte verschaffen, kann mit Heiligeubildchen, geweihten Sachen, Tractätchen — neuerditogs Ue b ersetzangen der Hetzreden deutscher Antisemiten — handeln.“ Die Lectüre dieser mit Sachkenntniss und völliger Unbefangenheit geschriebenen Broschüre wird auf Jeden günstig einwirken, dem Wahrheit und Gerechtigkeit keine unbekannten Begriffe sind. —a— Landsberger, Dr. Julius. Grosah. Hessischer Laadrabbiner: Das Buch Hiob und Göthe’s Faust Vortrag gehalten im kaufmännischen Verein za Darmstadt. Darmstadt G. Jonghanns'sche Hofbuchhandlung, Verlag 1882. 31 S. 16. - Vier Vergleichungspunkte zwischen den beiden Büehern stellt dieser Vortrag fest, 1) die beiden übereinstimmenden Prologe, 2) die Beiden gemeinsame Ideen der Versuchung des Menschen zum Abfall von Gott durch den Satan (dort durch Leid!n, hier durch Sinnengenuss,) 3) die Anknüpfung Beider an eine vorhandene religiöse Volkssage und 4) die Erlösung beider Heiden d^Mh die Liebe. Der letzte Punkt scheint etwas zwandfn eise ■hergeführt za sein. Doch unser Hauptbedenken Ächtet sich gegen 2. Wohl hat der Herr Vortragende es ausdrücklich betont, dass selbst der Göthe’sche Mephistopheles nicht der Teufel ist, wie ihn das Christenthum in sich aufgenommen; doch ist der Gegensatz allein darin zu finden, dass der Satan mit den übrigen Engeln Gott naterthaa ist, während' der Teufel das böse Prinzip im Gegensätze zu Gott ist Herr Dr. L. hat ein uns leider unbekanntes .Buch ״Liebe, Traum und Teufel* geschrieben, sich also eingehend mit dieser Materie beschäftigt Daher gestatten wir uns nur die bescheidene Anfrage, ist der Satan der Bibel wirklich der böse Geist, der den Menschen zur Sünde verführen will? Oder ist er nicht vielmehr der Ankläger, der Staatsanwalt, der skeptisch der menschlichen Tugend gegenübersteht und überall Sündhaftigkeit wittert? Ist er etwas Anderes als der מקטרג, wie er noch Jer. Sabbath 2, 6 (er klagt an in. der Stande der Gefahr;) erscheint? (Vergleiche Stader das Buch Hiob 168 Anmerkung) Im Uebrigen zeigt dieser Vortrag Scharfsinn, klaren Aufbau und schöne Diktion.׳ Er sei daher allen gebildeten. Kreisen bestens empfohlen. Coblenz.. Lewin, N p t i z e n. 1) Die geistreiche Conjektur Jellineks bezüglich der Bezeichnung ״Mechhs“ für die Nachkommen der Frankisten in Polen erlaube ich mir noch dahin zu berichtigen, dass man nicht auf ״senor santo“ zurückzugreifen braucht, sondern dass auch das polnische Wort für heilig ״swiety“ für die Anfangebuchstaben מכ״ש ZU verwenden ist. Uebrigens sei auch noch einer anderen Erklärung an dieser Stelle erwähnt Zut Zeit als diese Renegaten unter königlichem und kirchlichem Schutze standen, musste man sich sehr hüten sie zu beleidigen oder an ihren Abfall zu gemahnen. Statt der gewöhnlichen Bezeichnung משומד nannte man .sie wegen der ihnen gewährten Immunitäten חפ׳שי ממכם und dann kurzweg DJD. Das ist von den Frankisten auf alle Getauften übertragen worden und zur Zeit, als man den Juden in Warschau noch die Luft besteuerte, hörte mau an den Thoren, wo die Tagzettel für fremde Israeliten gelöst werden mussten, sehr oft die Frage: ״Ist das ein Jüd oder Meches?“ 2) Erklärung einer Raschi-Stelle. Im 5. B. M. Cap. 25 V. 2 bemerkt Raschi zu ואיני נקוד במספר למד :במספר שהוא דבוקה וכו. Herr Dr. HeinemanD in seinem Biar zur Stelle bemerkt, dass das ואינו נקוד במספר den Raschi-Erklärern viele Schwierigkeiten bereitet. Manche nehmen irrthümlich an, dass nach Raschi במספר und nicht במספר zu punktiren wäre. Auch die Ansicht von Rabbi Wölf Heidenheini nicht במספר zu lesen, mit Bezug auf 5. B. M. Cap. 28 V. 58 u. 59, die der erste Richter während der Schläge vorlas, wie es nach Pesikta suttarta zu lesen wäre, da Raschi nach Keritot 11 das Vortesen von 3 בקרת. B. M. 19 V. 20 ableitet, (s. Raschi Makkot 22 zur Mischnah) ist mir nicht eialeuchtend. Meiner unmassgeblichen Ansicht nach, ist ואינו נקוד ganz anders aufzufassen. Zu Pesachim 93b heisst es hinsichtlich דרך רחוקה 4. B. M. 9, 10. Rabbi Akiba sagt: eine Entfernung wie die Entfernung von Jerusalem nach ausserhalb Modiim heisst ד״ר. Rabbi E. sagt: ausserhalb der Schwelle der Asnra heisst schon ד״ר. Rabbi Jose bemerkt:״ ,לפיכך נקוד על 1זdarum steht ein Punkt auf dem ה von רחוקה, um damit zu sagen, dass es keiner eigentliehen Entfernung bedarf, wenn einer sich auch nur ausserhalb der Schwelle befindet.“ Raschi bemerkt: das rt von רחוקה ist punktirt; jedes punktirle Wort ist gleichsam zu negiren, d. h. zu streichen. In diesein Sinne ist ־Raschi zu בסספר zu erklären. נקוד במספר iPwWieisst demnach במספר״ .־, ist nicht punktirt“, um es zu negiren Wäre dies der Fall, dann hätte man ארבעים שלמות zu verstehen. Da es nicht punktirt ist, so ist es mit ארבעים zu verbinden.*) A in D. *) Diese Notiz 3. ist uns schon vor vielen Wochen zugesandt, aber, weif die Erklärung des נקוד — wie jeder Kundige weisa — grnnd falsch ist, von uns nicht aufgenommen worden. Nun erfahren wir zufällig, dass sie in einem andern jüd. Bl. ohne Weiteres abgedrackt worden ist. Das veranlasst uns za der Erklärung, dass manches uns /.agesai^dte Manuskript aus Rücksicht auf den Einsender unveröffentlicht bleibt; eine Zurücksendang solcher Manuskripte unterbleibt, weil der Wissenschaft damit nicht gedient ist. Wir sind uns übrigens bewusst, bei Beurtheil ung mancher Beiträge eher za milde, als za ■treog zu sein. Dass wir aber — trotzdem unsere Verantwortlichkeit nur dem Pressgesetze gegenüber gilt, — auch tür Inhalt and Form verantwortlich gemacht werden, hat der Fall Delitzseh (»Christeuthum und jüd. Presse“) in edatauler Weise aufgezeigt. — VereatwerUieher Mxtwt Da äshser is Magdeberg. Druck von H. Horbach in Barby. Vertag von Robert Friese in Leipzig•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.