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Das jüdische Literaturblatt · 1882-07-12 · No. 28. (12.7.1882) · p. Seite 111

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 28. (12.7.1882)
Date
1882-07-12
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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derfe, gefangen fortführte and nur gegen hohes Lösegeld freigab, wie dies bei der Synode zu Weissenfe 18 1386 der Fall war und wie dies 8chudt (Jffd. Denkw. II. S. 80) eines Näheren beschreibt. 1 Die geschäftlichen Formen solcher Synoden beschreibt Mose Menz in einem Responsum (N 63, 3 p. 83a ed. Krakau) und die weitverzeigteu politischen und geschichtliche Beziehungen mancher derartigen Versammlungen hat Graetz an der Synode von Bin• gen 1457 lichtvoll nachgewiesen (1. t. 455 ff.) An dieser Stelle sei der Synode von Erfurt unbekannten Datums eine eingehendere Behandlung gewidmet. Moses Isserlein aus Marburg in Steiermark schreibt in seinen Responsen (פסקים וכתבים Nr. 24) folgendes: ״Jetzt sind es etwa 40 Jahre her, da war die Synode in Erfurt und dort waren fünf Ael teste! R. Ichel,*) R. Lippmann, R. Natan, R. Chiskia und R. Abraham Katz p. m. und dort erneuerte man die Verordnung, dass Ahroniden bei einem Leichenbegängniss nicht mit der Leiche zu gleicher Zeit sich innerhalb eines Thorgewölbes befinden dürfen. Also berichtete man mir in Eger.* Da das bezügliche Responsum Isserleins kein Da• tum trägt, so ist man auf eine ungefähre Schätzung der Zeit angewiesen, in welcher isserlein in Eger war. Im Jahre 1427 war er bereits Rabbiher in Marburg, das er seitdem nicht verlassen zu haben scheint. Sein Aufenthalt in Eger fällt vor dieser Zetir und giebt also Raum, die Erfurter Synode bis in die letzten Jahrzehnte des vierzehnten Jahrhunderts zu verlegen. Wir haben aber Grund, Isserleins Rechtsbescheid als im Jahre 1430 erlassen, zu betrachten, und die Synode mit dem Abzug von ungefähr 40 Jahren auf 1391 zu fixiren. Wir haben schon oben erwähnt, dass aussergewöhnliche Ansprüche an den Steuersäckel der Juden, denen eine Gemeinde allein nicht gewachsen war, Anlass zur Berufung von Provinzialsynoden gab. Ein solcher Anlass lag aber für Erfurt in dem Edikte des Königs Wenzel v. Böhmen vom Donnerstag nach Judica 1391 vor. Dies Edikt schlug die Erfurter und viele thüringische Juden mit dreifacher Rufhe. Dem Rathe der Stadt Erfurt erlässt Wenzel alle Schul• den, die derselbe bei den Juden zu Erfurt und ״an anderen Orten* hat und gestattet: die etwa bei den Juden hinterlegten Pfänder und Bürgschaften ohne!Weiteres einAiziehen. Für die Ausfertigung dieses dem Rathe allerdings sehr kostbaren königlichen Gnadenbriefes zahlen die Erfurter an die kaiserliche Kanzelei 2000 Gulden, natürlich, wie sich ohne Weiteres von selbst versteht, aus der Tasche der soeben beraubten Juden, ausserdem aber belegen sie aus Gründen, die selbst die Urkunden anzuführen sich schämen, die völlig Ausgeplündeften noch mit einer Schatzung von 3000 Gulden. In dieser Noth mag nun der Erfurter Rabbiner eine Synode einberufen haben, an welcher sich in erster Reihe die Gemeinden Thüringens, in denen sich Schuldner des Erfurter Raths befanden — und wo hatte der keine? — 1 etheiligten. Aber auch für den einzigen uns bekannten Be- Schluss der Erfurter Synode in ritueller Beziehung ist ein naheliegender Anlass nachzuweisen. (Schl, folgt.) Literaturbericht. leeeatlsae■. Oppenheim, Joach. תולדות המשנה. Zur Geschichte der Mischna. Pressburg 1882. (Separat-Abdruck aus der Monatsschrift ״Beth Talmud“, II. Jahrg. 52 S. 8*.) Von jeher haben die Fragen nach Entstehung */ ln dar aus der Seminarbibliotlifk entliehenen Ausgabe des <'"ת ed. F&rth, fehlt dieser R. Ichel. and Fortentwickelung der traditionellen Lehre des Judentlmais, nach Zeit, Utnfäag und Plan ihrer Auf- ־ Zeichnung die wissenschaftlichen Geister in jüdischen Kreisea und darüber hinaus beschäftigt, und die wissenschaftliche Forschung wird sieh schon noch eine Zeit lang mit diesen Fragen zu beschäftigen haben. Von jeher bat auch den Angelpuakt in dieses Untersuchungen die Mischna gebildet. 8ie ist ja das Grundbuch, die Charta magna der ganzen mündlichen Lehre des Judenthums. Kein Theil der talmudischmidraschischen Literatur ist darum auch so häufig durchgemustert, so eingehend geprüft worden, als die Mischna. Wir besitzen umfassende und werthvolle Arbeiten Uber dieselbe, theils in Monographieen, tbeils in den umfassenderen Lehrbüchern der jüdischen Geschichte. Die Namen der betreffenden Verfasser (von R Scherira Gaon an) sind bekannt genug, sie brauchen hier nicht erst erwähnt zu werden. Dank ihren Forschungen ist die Geschichte der x Mischna wie der einzelnen Mischna-Autoren auch schon zu einem beträchtlichen Theil erhellt; doch harrt manche der Fragen, die hier die wissenschaftliches Kritik zu stellen hat, noch der erschöpfenden Lösung, Der Natur der Sache nach ist bei einem der Zeis nach uns so fern liegenden Gegenstände manches in des bishörigen Behauptungen blosse Hypothese, so dass! nochmalige Prüfung und gründliche Durchforschung des einschlägigen Materials ein wissenschaftliches Bsdüsf- ס iss ist. Schon die Etymologie des Namens ״Usetmt* ist streitig. Und welches die ersten Anfänge dermlMh• nischen Lehre, welches die Methode ihrer Ueberöeferung, ihrer festeren Begründung, welches die GeaMse gewesen, nach denen sie sich selbständig weiterestwickelt hat, dies und die Fragen nach Sammlung, Ordnung und Aufzeichnung des gesammteo Mischnaschatzes wie die Frage nach dem Unterschiede von den verwandten Sammelwerken der Tosefta, Boraba, Sifra, Sifrä, das Alles bedarf, um völlig aufgehaUt zu werden, erneuter liebevoller Untersuchung,־ die umfassende Kenntnis* der •almudischen Literatur wie critischen Scharfsinn vorausgesetzt. Und en ist das Verdienst der kürzlich veröffentlichten Monogiaphie des Herrn Dr. Oppenheim, die er bescheiden ״BeiMMa zur Geschichte der Mischna1־ genannt hat, munahaa. der angedeuteten Punkte in der Geschichte dar Mischna in helleres Licht gesetzt, manches Sch wankend• in den* bisherigen Behauptungen fester begründet, Irriges nahtig gestellt, oder wo. ihm dies nicht gelangen, neaas und werthvolles Material zu weiterer Lösung obiger Fragen in seiner Arbeit beigebracht za haben. Dabei haben die einschlägigen Arbeiten von Frankel, Weis•, Graetz u. A. die gebührende Berücksichtigung gflAufrden. Es ist die nicht leichte Aufgabe eines Geschieht- Schreibers der Mischna, an dem die verschiedenartig* sten Producte mehrhundertjähriger Geistesarbeit; amfassenden Mischnasch atze die wissenschaftliche Aaai/se vorzuuehmen, mit der Sonde der Kritik hinabplllteigen in die Masseu der mischnischen Lehrsätaa, um die Quelle zu finden, aus der sie geflossen, das Maas-aäfi die Richtung zu bestimmen, nach welcher sieh die schlechter der Tanaiten“ von dem ältesten an, aa Erbattung und Fortbildung der in der Mischna uns. voriiegenden mündlichen Lehre des Judenthuma betheiligt haben. Verf. hat es recht wohl verstanden, aas die beiden Hauptströmungen, die durch alle Gesckiohle• der Entwickelung der Mischna hindurchgehen. Die gedächtni8smä88ige Ueberlieferung und FesthaMaag der älteren Lehrmeinungen auf der einen, die Erweiterung und Fortbildung des Ueberlieferten auf der aadulfe* Seite aufzuweisen, ln lichtvoller Darstellung —“trot* das fremdartigen Sprachgewandes, in welches'Dr. O. die

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