Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 28. (12.7.1882)
- Date
- 1882-07-12
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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>. Hltttaeitmg •einer Busciraagen gekleidet — beleachtet er die «anaeknen Phasen in deai langen Entwickelungsgange der Mischna von ihren ersten Anfängen aa bi» na ihrem Abschluss in der nns erhaltenen Misehnasammlang des & Jefauda ha-Nassi, überall die für den Ge* •chiehlschreiber ansrttaliche Darlegung der allgeniei- - nen Gesichtspunkte mit genauer Detail forsahong rerbindend. Es ist bekannt, wie Schwankend in der talmudisrljen Literatur die Begriffe קבלה״ מסירה׳ דקדוקי סוערים" מדרש" הלבד." 0דה sind, und doch ist ihre Abgrensang gegen den nahererwandten Begriff der Mischna ein Haupterforderaiss bei exaeter Untersuchung über die Mischna. Das erste Capitel ist darum auch der Bespreehung über den Unterschied dieser Benenennungen gewidmet. Es ▼erdient besonders hervorgehoben zu 1. werden, wie Verf. mit feinem Tact den Unterschied der 80 oft für einander gebrauchten Benennungen r קבלה and מסורג dahin bestimmt, dass die erstere, die rm00, die überlieferte Lehre in objectiver Form, letztere Benennung aber die Lehre bezeichnet, wie sie sich malt im Kopte des Empfangenden, also, die Lehre in subjectiver Form, welche Unterscheidung er an einer Reihe interessanter Talmadstellen erweist, zugleich auf die Coasequensen hinweisend, welche die Verschiedenartigkeit der Auffassung einer überlieferten Lehre bei den verschiedenen Recipienten auf den Entwickelungsgang der Mischna haben mnsste. ln cap. 2 zur Darlegung der Bedeutung des Na mens Mischna übergebend, will er dieselbe etymologisch folgender Maassen festgestellt wissen: עיקר הוראת השם משנה השנות הדברים ששמע, eine Erklärung, die sich offenbar aa die früher wie bei Grätz IV. 17 gegebene ״Deuterons“ eng anschliesst. Befriedigend ist diese Erklärung .für mich siebte lch_ halte es vielmehr für wahrscheinlicher, dass unter משנה einfach das ,Gelehrte, das itn Lehrhause Vorgetragene“ zu verstehen ist. Die Etymologie des Wortes führt nicht auf das pentateachische משגה התורה, sondern auf das Stammwort שנח, welches im Neuhebcäischen, also auch in talraudischer Literatur, die Bedeotang ,lehren“ hat. wie in den bekannten Stellen: Aboth 2, 5: אל תאמר לכשאפנה אשנה, Baba mezia 44a: א״ל רבי שנית לנו בילדותך דכד- Völlig zutreffend aber bemerkt Verf. S. 13 ff Uber das ■Wesen der Mischna, dass dieselbe keineswegs identisch sei mit einem Gesetzbuch, sie verhalte sich ״vielmehr wie die Wissenschaft des Rechts zu dem bestehenden Gesetze, das Gesetz ist aus ihr gefteosen, sie selbst aber ist Gesetz und Princip des Geseines zugleich, ein grosses Lehrgebäude, welches das Material zu Gesetzen enthält. Wie das Lehrgebäude der Mischna durch Anwendung des Midrusch d. i. gewiseer Deatnagsregeln, die man auf den Text des Pentaieuchs anwandt•■, von Schetnaja and Abtation an mehr uad mehr in dm Schulen Schammai’s und Hillei •sieb erweiterte, - wie es sich durch die Bestrebungen des jüngeren R. Gamaliel nach Concentration der Lehre zu verengen drohte, wie mit der Einsetzung des R. Eleasar ben Asarja zum Synodiialoberhaupt die freie Forschuag, der freie Gedankeasus^tusch innerhalb der müadlicheD Lehre des Judenthutns erst recht _in Floss kam, wie die nah!reichen Lehnneiaungen, die sich wieder von da ab hervor wagten, ihre festere Begräadnag durch erweiterte Anwendung des Midrasch in dem Lehrsystem R. Akiba’s erhielten, wie dieser Lehrer das eoaservativ-erhaltende wie in der kühnen Aasdeatang jedes Buchstabens des Peatateucluextes zugleich das fortschrittlich umgestaltende Element in der En:Wickelung der Mischna bildete, wie er Sammler, Ordner und Fortbildner zugleich .gewesen, das sind Erscheinungen, die; auf den ersten Seiten unserer Abhandlung 8. 13 bis 30 gezeichnet werden. Die Mischnasammlang des R, Akiba, ihre geschichtliche Veranlassung, ihr Verhältnis« zu ähnlichea Sammlungen der Vorgänger und Zeitgenossen, die Grundsätze, nach welchen zum ersten Mal im wissenschaftlichen Geiste eine Mischnasammlang durch R Akiba besorgt worden, das bildet das Thema des c. 5. Der fünfte und sechste Abschnitt schildern dann in Ankoüpfung an die bekannte Belegstelle des Syahedr. 86a: סתם מתני' ר׳ מאיר den Fortgang in Sammlung und Fortbil-!düng der Mischna unter den Händen R. Meir’s, R Jehuda und der übrigen Sehüler R. Akiba’s. Wenn es auch im Allgemeinen bekannt ist, dass dieselben die Arbeit ihres Lehrers nach den beiden oben erwähnten Richtungen fortgesetzt, so dürfte es doch das besondere Verdienst des Verf seiu, hier auf den bemerkenswerthen Unterschied hingewiesen zu haben, dass R. Jehuda wie R Simeon eine weitere Entwickelung der Mischna im Sinne des Midrasch angestrebt, R. Meir dagegen rationeller Begründung der blossen Ausdeutung des Pentateuchwortes den Vorzug gab. Nachdem noch auf die Miscbnaredaction des R. Meir einige prüfende Blicke geworfen worden, tritt Verf. in c. 7 dem letzten Tbeil seiner Aufgabe, der Untersuchung über die Miscbnaredaction des R Jehuda ha-Nassi, näher. Auch hier den geschichtlichen Hintergrund dieser so ן bedeutsamen literarischen That zeichnend, nennt er | noch in 20 Paragraphen die Gesichtspunkte, die bei ' dieser Schlussredaction der Mischna leitend gewesen. Der nächstfolgende Abschnitt handelt dann von der Entstehung der Misclmajoth chizoootli oder der Boraithoth als eine Art N&chlragsammlung zur Mischna des R. Jehuda. Gleichzeitig spricht Herr Dr. O. die Vermuthung von einer Ueberarbeitung der Mischna durch Schüler R. Jehuda's aus, indem Zusätze wie דברי רבי von ihren Händen herrührten, doch bleiben solche Vermuthungen vor der Hand nur Hypothese. Warum 8011 nielit auch der Zusatz דברי רבי von R. Jehuda selbst herrühren? Ist es doch nicht so un- | gewöhnlich, dass unsere A1(toreo sich mit Nennung ihres Namens einführen. — Aus Vorsteheadetu dürfte zur Genüge erhellen, dass die Wissenschaft des Talmuds mancherlei Bereicherung durch die Arbeit des Herrn Dr. O. erfahren, die den Fachgenossen als anregende Lectüre empfohlen werden. j Briesen W./Pr. Dr. Tr eitel. Rede, gehalten in der tieneralversammlung der ״Nederlandsche afdeeling“ der Alliance Israelite universeile zu Rotterdam am 11. Juoi 1882 voa Dr. Frank, Rabbiner der Synagogeu-Geineinde Köln. Das dieser Bede von dem Rotterdauier Co rrespondenten der Wocbeoschr. ertheilte Lob erscheint durchaus begründet. Klar und überzeugend hat der Redner die Nacht- und die Lichtseiten der mensc hlichen Natur, wie sie in der Bekämpfung and in der Hilfeleistung hervorgetreten sind, gezeichnet. Neitl und Missgunst haben zerstört, Liebe und Menschlichkeit ״mildern und lindern. Glaube and Freiheit aber vereint, gründen wahrhaft menschliche Gesittung. Bericbtigsaf. In Kr. 27 ■nass es heissen: 8. 110},. 8p 2, Z. 3 v. n. als st ets; S. 106, Sp. 1, Z. 10 v. o. hätte rt. hatte; S. 106, ßp. 1, Z. 19 t. o. Wesens st. Wissens; S. 106, Sp. 1, Z. 2' ▼. a. Gehaltenen st. Gehaltenem•, 8. 10S, 6p. 1, Z. 7 t, o. 1• £3te; 8. 103, Sp. 2, Z. 3t v. o. Es. st. Er; S. 107, Sp. 1! z. 6, t. o. (cap. 38,13); das. z. 17 ▼. u. He* 1l*f תקומות ■ Varaatwardiekcr Kedaetear Dr. Xsknsr ia Kafdebarg. Druck voa H. Horbaeh in Barby. Ferlag roa Robert Priese iu Laäpsif.