Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 28. (12.7.1882)
- Date
- 1882-07-12
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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V, Ho — Theilfi Hecht haben, et mag manches in jüdischen Schriften ober Ofcrittedtham wd aber J#mu rorkocimea, «u vielleicht geeignet, wen■ auch sicherlich aicbt beabsichtigt erschien, da• religiös♦ Oefahl einet Christen, zu verletzen. Ich habe et Aon jeher für die Pflicht eines jeden Jaden gehalten, ja seinen Aeasserangen über das Christenthum and aber dessen Stifter vorsichtig za sein _and nichts vonsnbringen, was ein christliches GemQth verletzen könnte. Ich habe dies nicht blos ftlr ein Gebot der Connivenz and, sozusagen, des. politischen Tactet gehalten, '' welches die Minderheit gegen die Mehrheit za beobachten hat, sondern für eine ernste religiöse and sittliche Pflicht. Wer selbst religiöses Gefahl im Herzen trögt and seinen eigenen Glauben respectirt haben will, der muss auch in einem Andern das religiöse Gefühl ehren and hochachten. Die Ver-- ehrang der Christen für ihre Religion and deren Stifter, welcher ihnen die Gottheit selbst ist, inass für jeden Jaden, obgleich und vielleicht wejl seine eigeneu religiösen Ueberzeugungen durchaus abweichend sind, ein noli me tangere sein. Handelt er dieser Pflicht entgegen und verspottet er Chrisjen gegenüber das Christentham und die Person von Jesus, so. verletzt er das sittliche und religiöse Gebot der Nöchstenhebe und begeht ausserdem die schwere Sünde, welche wir unter Chillal haachbm verstehen, da seine Handlungsweise zu leicht dem Jadenthume selbst zur Last gelegt wird. — Ich muss es deshalb für ungeeignet halten, wenn -jüdische Gelehrte, auch io ihren wissenschaftlichen Untersuchangen Dinge Vorbringen, welche an sich oder in der Form, in welcher sie vorgetragen werden, den christlichen Leser in seinem religiösen Gefühle verletaea müssen. Unter einer solchen subjectiven Rück- •iebtaacfame auf den Leser, wird die Wissenschaft selbst niemals zu leiden haben. Hat der Talmud in seiner ursprünglichen Fassung eiaaelne Stellen enthalten, in denen von Jesus in unwürdiger Weise gesprochen wird, hat er ihn mit Bileam verglichen and über die Höllenstrafen beider tolle Phantasiegebilde vorgebracht, wie Delitzsch die• •es behauptet, und hat man im Mittelalter vernünftiger oder vielleicht nothgedrangener Weise solche Stellen ausgemerzt, so lasse man sie auch ferner ruhen. Warum den alten Kohl wieder aufrühren? Cui bono? Für den Christen ist dies stets verletzend, für den Juden abstossend und peinlich, für die Wissenschaft gleichgültig.*) Man sieht ja täglich, und grade das vorliegende Bei- : spiel zeigt es am Besten, wie sehr das Thun und Treiben des Juden beobachtet wird, wie er gleichsam in einem Glashause sitzt und seine Handlungsweise unter der *•oder ״Erklärung*: ,Die von Herrn Prot Franz Delitzsch in ■eine!» neoea Werke: ,Chrietentham und die jftdieche Presse“ «.zw. ugtbUth der ,Deborah* entnommene and dee Christentham beleid]g«11de Stelle,.ist eine Erfindung. Es ist nie ein saldier Phasu* in der ״IMborah* erschienen.* . *) Dm Letztere mOsenf wir bestreiten. (Red.) Loope gäüommen wird' Herr Professor DeKtaeh vorwehrt sich allerdings gegen das Generalisiren, er geht nicht davon aus, io uns Juden Tadelnswerthes ent• decken zu wollen, vielmehr sehmerzt es ihn, solches zu Anden, und wir können ihm aus seinen Worten diesen seinen Schmerz nachfühlen, wenn er das von | ihm mit so vieler Liebe umfasste Israel tadeln muss, allein wie wenige gibt es, die hierin einem Delitzsch gleichen. Wie viele freuen sich nicht, wenn sie grade aus dem Munde eines Delitzsch Angriffe gegen jüdisehe Gelehrte, gegen jüdische Pressorgane wegen angeblicher Verhöhnung des Christenthums vernehmen? Hat doch die ,,Kreuzzeitung,u durch die ich erst von der Existenz dieser Schrift etwas erfuhr, sofort Kapital aus derselben zu schlagen gesucht: Der Antisemitismus scheint augenblicklich etwas auszuruhen, die Orgien die er in Russland gefeiert hat, mögen ihm schlecht bekommen sein, allein bald genug, vielleicht bei den nächsten Reichstagswahlen werden seine Flammen schon wieder emporlodern, und denn wird auch die Delitz’sche Schrift als W a f f e herhalten müssen. Hiergegen werden alle Verwahrungen gegen den Antisemitismus, alle Vorbehalten des verehrten Theologen nichts helfen.*) (Schluss folgt.)!Die Rabbinersynode zu Erfurt 1391. Von Rabbiner Dr. J. Caro. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen im Leben der Juden während des Mittelalters, sind die gar nicht selten vorkommenden Synoden. Wenn man die ganze Summe von Elend, Jammer und Noth überschaut, welche das vierzehnte und fünfzehnte Jahrhundert für die Juden, besonders in Deutschland, in sich bargen, so muss man billig erstaunen, einer Institution zu begegnen, die gewisse geordnete Lebens- und Gemeinde- Verhältnisse zur Voraussetzung hat. Graetz (B. VIII. Note V.) hat bei Behandlung dieser Materie ganz treffead darauf aufmerksam gemacht, dass nicht immer rituelle oder religiöse Fragen Gegenstände der Tages- Ordnung auf solchen Synoden waren, sondern dass die Noth und der Jammer des Daseins oft genug mit in die Verhandlungen hineinspielten. Die unermesslichen i Summen, welche die nimmersatten Städte und Fürsten als Schutzherren — lucus ä non lucendo — von den Juden für das Recht des Athemholens beanspruchten, mussten aufgebracht und oft Uber die Gemeinden eines Kreises, je nach ihrer Leistungsfähigkeit, vertheilt <j werden.**! Vielleicht auch nur diesem Umstande verdankten die Synodalen Schutz Und Freiheit des Zusammeukommens. Aber auch dafür giebt es ein Beispiel, dass man die Leute erst ruhig Zusammenkommen und berathea liess und sie auf der Heimreise, trotz der für schweies Geld gelösten Geleitsbriefe, überfiel, ansplün- *) Dm «ber hätte ein Mann wie Delitsaeb, der dM gegenwärtige Parteitreiben innerhalb der christl. Kirche genan kennt, und weise, wo unsere gehässigsten Feinde sitzen, nnd welcher Waffen sie sich gegen uns bedienen, im Voraus wissen müssen, wenn er Israel wallrkaMg als Israel liebt Hit dem Hände hat ja aach 8t0cker wiederholt es ausgerafen: ״Ie•* liehe lai-wel!“ — (Red.) **) &eep. Jacob Weil 147: כשהיינו בנורגבערק הסכימו כל עם ולהיוח *רוו־ כספ ינו (i9.jnni)הקהל לחזור לגורנבערק על פיטרטאג בידם במזומן.