Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 26. (28.6.1882)
- Date
- 1882-06-28
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hsch. nach. Ich will Ihnen zum näheren Verstandnisae einige Beispiele geben. Im Hebräischen sind die Buchstaben ג u. כ ,נ a. 0,נ n, 0 einander ähnlich. 60 finden wir in der Ausgabe ילא נם לבי das yvürde beissen: mein Herz sprach nicht, eine Redensart, die sonst nicht vorkommt, es muss aber heissen:נם לבי[ mein Herz war nicht stolz, was olt vorkonimt. Für ואכל ,er hat gegessen“, was zum Zusammenhang nicht batet, muss gelegen weiden: אבל der Name einer Stadt. Aus חביות Fässer ist durch Zertheilung des Buchstaben ח in ו u.ד und durch Verwechselung von ג u.נ ein Wort דוניות geworden, welches die Lexicogra^then auffiihrten, während es ein Fehler ist. Für שתמו trr*£|1a Zeichen, ist sinnlos טסו® geworden. Aus אלו גסין ,di^se grossen“, ist durch Zusatnmenziehung אלגומין entstanden, und die Jjexicographen mühen sich ab, diesem non sens von Wort zu erklären. Besonders sind die geographisehen Namen in unserer Hsch. vorzüglich!erhalten, die in der alten Ausgabe verstümmelt waren. Für חולתא der 8and von Antiochien, steht תחלה Anfang, für סירוק סיריו, für ספר/ כפר. Der Ort Bethanien, der im neuen Testament vorkommt, war in keiner Talipadslelle riehtig angegeben, etwa 10 Varianten giebt! es ohne die richtige. In unserer Tosefta-Handschrift •findet er sich genau dnd dazu punctirt. In historischer Beziehung ist es wichtig, dieSecten zu kennen und das Verhältniss, welches zwischen ihnen bestand. Eis kommen nun vor: צדוקים Sadducäer, ביתומים wahrscheinlich{ Eissäer מינים, Juden ־ Christen und dann אפיקורסים, wahrscheinlich Hellenisten. Diese alle ׳ sind in den T&lmudausgaben theils zusammengewürfelt, theils gestrichen. Durch die fortwährenden Anklagen gegen den Tjalmud wurde endlich der Talmud unter Censur gestellt und der Censor verfuhr willkührlich. Wenn er glaubte, man habe unter diesem oder jenem Worte Christ verstanden, so strich er es und setzte ein anderes dafür, unbeküminert, ob der Sinn dann falsch ist. So bedeutet נוי entschieden Heide und nie Christ, er setzte nun für כותי׳ גוי Samaritaner, aber manchmal wird von כותי im Gegensatz zu גוי gesprochen. Das;kümmerte den Censor nicht. In unserer Hsch. steht ,1jedes Wort an der rechten Stelle. Das Verhältniss de|r Partheien zu einander der Pharisäer, Sadducäer, Eisäer, ist durch Forschungen in jüngster Zeit vielfach aufgehellt worden, so dass man heute eine andere Vorstellung hat von der Bedeutung des Wortes Pharisäer, als man lange Zdit damit verband. Der Taliriud zählt viele Arien Pharisäer auf, und die letzte ist^die der Scheinheiligen. Aber auch die rein halachischen Parthieen sind für die Wissenschaft nicht ohne Bedeutung. Zur Erklärung und Kritik des alten Testaments sind die alten Uebersetzungen der Bibel, die aramäische und die griechi8che der LXX, von grosser Wichtigkeit. Auf diese Uebersetzungen aber hatte die Halacha!grossen Einfluss. Eis lässt sich nun ermitteln, aus welchem Alter eine Uebersetzung stammt, je nachdem 'die Halacha mit der Tosefta oder mit Mischna und Gemara übereinstimmt. Von all den UebertreibungenJ(Hyperbeln) der spätem Hagada ist die Hagada der Tosefta frei. Sie enthält schöne, treffliche Beinerkungeri. Ich habe das Alles ausführlich in meiner Schrift: ״Dfie Erfurter Handschrift der Tosefta beschrieben und geprüft“ (Berlin, Gerschel 1879), dargestellt, welche das Interesse jüdischer und christlicher Gelehrten erregte und diese ermu- *higten mich, meinen Plan, Tosefta herauszugeben, auszuführen. In Folge der Empfehlung{ dieser Gelehrten erhielt ich Subvention vom Cultusmiaisteriura and den israelitischen Allianzen. Ich reiste in Folge dessen nach Wien, um die Wiener Tosefta-Handschrift zu vergieichen. Das Wichtigste über denselben veröffentlichte ich in einen Aufsätze: der Wiener Tosefta• Codex. — Die Tosefta nach den Erfurter und'Wiener Handschriften liegt jetzt gedruckt vor, und ist sie gänstig aufgenommen worden. In einem Supplement-Heft, welches hier bei Lintz erschienen ist, habe ich eine deutsche Uebereicht gegeben und Register der Eigennamen, Personen und Städte mit Angabe säminllicher Stellen. Das zweite Heft soll ein Glossar enthalten, welches, abgesehen davon, dass dadurch ־das Verständaiss gefördert wird, den Nutzen haben-wird, alle die Wörter kennen zu 1ernen, die später in der Mischna durch andere ersetzt sind. Ich hoffe, dass Sie durch das Gesagte sich hinlänglich überzeugt haben werden von der Bedeutung der Tosefta für die Wissenschaft. Literaturbericht Keeensisnes. Lichtenstein Anageton, Edin. Den Manen Auerbachs Unter Mitwirkung der hervorragendsten Schriftsteller. Zu Gunsten der russischen Juden. Leipzig, 1882. Verlag von Rudolph Hartronan. Preis 1 Mark 25 Pf, Ein literarischer Denkstein den Manen Auerbachs errichtet, unter der Mitwirkung von Bodenstedt, Dahn, Ebers, Lohmaier, Lazarus, Löwenstein, Kinkel, Ritterehaas, Spielhagen u A. m. zu Gunsten der russischen Juden 1 Es ist dies ein Ereigniss nicht so sehr von poetischer Bedeutung, obwohl die dargebotenen Gaben von zartem poetischen Hauche umwehte Gelstesblüthen sind, als vielmehr von sittlicher allgemein religiöser Wich« tigkeit. Das ist ein Herzensbund echter deutscher Patrioten, in denen das deutsche Gemüth lebt und webt; das sind die Lieblinge der Nation, die Fahnenträger deutschen Denkens, sie s'immen ihre Leier, auf der sie 80 manches Lied von Liebe und Leid gesungen und mit rührenden Accorden - singen sie das Trauerlied an dem Grabe eines der besten Deutschen^ der ein Jude war, und als solcher gestorben is>, sie singen und klagen am Grabe des Juden, und all der-Schmerz des jüdischen Volkes zittert durch ihre Trauer hindurch, sie singen am Grabe eines Deutschen und wollen die deutschen Herzen ergreifen, um ia ihnen diese Ailgewalt der Liebe zu wecken, welche alle Völker einst zu verbrüdern bestimmt ist. Bedarf es noch einer Frage, ob dieses Büchlein empfehlenswert!! ist? Ia jedes Haus sollte es kommen! Und sollte hier Nichts zu recensiren, besser zu־ wünschen sein! Nun wir hätten, allerdings z. B. dem tiefen Schmerzliede Frankl'• einen harmonischen Ausklang gewünscht, aber -4te8er Mangel ist in dem Wohlklange des Ganzen kaum merkbar und zu entschuldigen. Viel ist drin auch zwischen den Zeilen zu lesen, doch die Poesie will zart und verhüllt sein, darum wollen wir auch die Hülle nicht •j heben. Sei es bestens empfohlen und mache es seinen segensvollen Gang durch alle deutsehen Hütten. K. Wir erhalten über dieses Buoh noch folgende Recension: Das von dem Herausgeber uiit einer ,Zueignung* eingeleitete Werkchen enthält theils in prosaisches, theils in poetisches Gewand gekleidete Originaland mit ausdrücklicher Genehmigung der.-Jpferren Autoren abgedruckte Beiträge. Originalbeiträge lieferten Georg Ebers: Barthold Auerbach and die Autegraphamaaie, L. A. Frankl, Rabbiner Prof. Heidenheim, Friedr. Hotmann, Emil Jonas, 'Gottfr. Kinkel, Julius Lohmejer, Bmil RitterehaoS, P. K. Rosegger, C. Rah• und Theophil Zolling. Anderweitige Beiträge sind von Boden-