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Das jüdische Literaturblatt · 1882-06-28 · No. 26. (28.6.1882) · p. Seite 102

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 26. (28.6.1882)
Date
1882-06-28
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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dem nicht abgewichen werden kann. Der Mensch kann solche■. Fatum, wenn es nueh durah die höchste Allweisheit festgestellt ist, nieht lieben, preisen und rer herrlichen, es wird ihm ein 8chaffen und Wirken, das unabänderlich and unaufhörlich fortgchea und hervortreibe» muss; er ist ihm hingegeben und enlfrem• det. Es muss Alles so geschehen, und er erwartet nichts von ihm. Sein Leben spinnt sich nach berech• neter und wohlbedachter Bestimmung ab, und verläuft, wie es geschehen m uss Mit dem Gotte, der das Betriebe in Bewegung setzt and erhält, kann er keine Verbindung eingeben, er steht ihm wie andern Machten, denen er unterworfen und hingegeben ist, fremd gegenüber. Das Leben ist vereinsamt, wie von feindliehen Gewalten ujngeben; es waltet da• keine Liebe, kein Erbarmen, keine Rücksicht, keine Vorsehung, keine Gnade für das Individuum, das eine wird für das andere geopfert; nur das grosse Ganze Wird beachtet. Erst mit den religiösen Wahrheiten erkennt er die. waltende Liebe und das Erbarmen, und die Rücksiebt, die seinem Leben gewährt, und das Wohlwollen, das ihm erwiesen wird. Durch die religiösen Wahrheiten and Lehren wird aaeh -das menschliche Leben veredelt und vervollkommnet. Es sind für seinen freien Willen höhere Gebote und Befehle, Weisungen als ein Sollen mitgetheilt und angeordnet, und indem sie befolgt und ansführt, rollzieht er den Willen und die Bestimmung Gottes; er wird dadurch ein Diener des Höchsten. Während alle Geschöpfe naturgemäss leben, und dadurch die Be- Stimmungen der Allweisheit vonzogen werden, Ohne Wissen und ohne freien Willen, schafft und wirkt der Mensch mit freiem Willen nach den höhern Anordnungen seines geistigen Lebens, und das Leben ist Gott geweiht. Und die Ueberzeugung im Glauben, dass die Anordnungen.von Gott gegeben und geboten Sind, and dass Gott über die Innehaltung wacht, und die Verletzung richtet und straft, verschafft und gewährt ihnen eine höhere Gewalt and Bedeutung, dass der Mensch mit Liebe and Treue daran liält und nicht so leicht von ihnen weicht. Die Wahrheiten der Religion sind darum die wahrhaften Schutzmittel der Sittlichkeit, Gerechtigkeit und Tugend, und 'fördern die sittliche Entwickelung der Menschheit. Sie führen sie einer höheren Vollkommenheit entgegen. Und wenn die Wahrheit sich eingebürgert, und die religiöse Ueberzeugung den Menschen durebdringt, dass eine höhere geistige Allmacht freiwillig nach Belieben Gnade and Liebe erweist, so muss ja such eine Sinnesänderung, eine Veredlung und Verbesserung des Lebenswandels eine Wirkung auf das Leben des. Einzeloen ausüben, es muss dann auch das. Flehen möglich sein und die Bitte des Menschen eine Stätte fiaden und Erhörung und Gewährung den frommen Wünschen zu Theil werden. Das Gebet wird darum ein Hilfsmittel in den־ Leiden und^Prüfungen, und wie die Nattir. Heil* mittel bietet und durch sie Linderang und Beseitigung der Leiden schafft, so beglückt and -erfreuet die waltende Gnade eines freiwilligen Gottes durch das Gey bet die betenden und ihn anrufenden Geprüften. Und in der Tbat das vtehlbe fromme Gebet findet immer seine Stätte, und geht nicht leer aus; es beruhigt, tröstet und beseligt den Leidenden, and fügen wir in frommer Ueberzeugung hinzu, es lindert und beseitigt wohl auch oft, wenn es der Gnade wohlgefällig ist, und es erhört wird, die Leiden und Schmerzen der Unglücklichen, erleichtert die Sorgen und Qualen der Geängstigtea und Bekümmerten. Gross und erhaben ist die Macht des Gebetes, durch die religiösen Wahrheiten ist sie dem Menschen verliehen worden, durch sie bat der'Mensch beten gelernt, und fühlt sich gedrungen, den geistigen Gott anzurufen. Wie die Natur mit dem Zweckdienlichen, Nothwendigen und Unentbehrlichen das Schöne, Anmuthige, Liebliche und Angenehme verbindet, wie sie bei Befriedigung der Bedürfnisse auch Lust und Freude den Geschöpfen bietet, gleichsam das Mahl zur Speisung und Sättigung, das sie bereitet, so reich ausschmückt und ausstattet, so sind die religiösen Wahrheiten auch nicht nur nothwendig und erforderlich für ein meoscheuwerdiges Dasein, sie gewähren zugleich Freude, Wonne und Seligkeit. Das menschlicge Leben wird durch sie verschönt und beseligt. Der Mensch im frommeu Glauben der religiösen Wahrheit hält seinen Gott als einen liebenden Vater, der ihm reiche Gaben verleihet, und freuet sich, sie aus einer Vaterhaud in Liebe zu einpfangen, und wenn er sie ihm versagt, im Vertrauen lebt, dass er nur aus weiser Rücksicht mit Bedacht auf sein höheres Heil sie vorenthält. Freade am Leben, Trost, Ruhe und Zuversicht reicht ihm die Religion; wer will die Wonnen alle zeichnen und die Glückseligkeit, die ein Leben in Religion und in ihren Wahrheiten in sich schliesst und enthält? Ein Himmel erschliesst sich dem Gläubigen, und Himmel und Erde sind gleichsam in der Religion vereinigt und verbunden; ein Himmel umfasst und bestrahlt das Erdenlebe». ' Tosefta in ihrer Bedeutung für die Wissenschaft. Vortrag des Oberrabbioers Dr. Zuckermandel in Trier. (Schiu86.) Eigentümlich ist die Vocalisatioa in diesem Codex bei einer grossen Zahl von Wörtern, die von unserer und der sephardischen abweicht. Aber die Wichtigkeit besteht in den vortrefflichen LA. Wenn die andereu Werke der talmudischea Literatur gleichfalls corrumpirt sind, so waren die LA. doch erklärt, weil man sich mit den Werken beschäftigte, Tosefta aber wurde! bei Seite gelassen, als Stiefkind gehandelt Sie wurde gar nicht selbständig her&usgegeben, sondern einzelne Theile zerstreut dem Werke des Alfasi aus dem 12. Jahrhundert beigefügt. Sie war lückenhaft, an vielen Stellen sinnlos. Durch Vergleichung der Varianten fand ich, dass durch Buchstabenwechsel, Umstellung, Versetzung von Worten, Zusammenschiebung zweier Wörter Entstellungen hervorgegangen sind. Ich ordnete die Variante naich Grappen in grammatische, lexicalische, geographische, historische, halachische und hagadische, und wies die Vortrefflichkeit der LA. der

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