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Das jüdische Literaturblatt · 1882-06-14 · No. 24. (14.6.1882) · p. Seite 94

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 24. (14.6.1882)
Date
1882-06-14
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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doch mcht den freien Gott des Geistes verkünden and bewahrheiten. Wunder geschehen zwar auch innerhalb der Natur and der Geschichte; in dem Natorprocesse and in den Ereignissen des Lehens vollzieht sich so viel Uderwartetes, Unbegreifliches, Unerkl&rirbhes und .Geheimnissvolles, das Staunen und Verwunderung erregt Wunderbar sind die Kräfte der Natur, die da schaffen und wirken, unerklärt und ge heiamiss vol l; wunderbar so viele Geschehenisae und Ereignisse, die sich gegen alles Erwarten und jede Voraussetzung, gegen die Gesetze der Natur, so weit sie bekannt sind, ־und die Ordnung, die verbreitet ist und sonst vorherrscht, im Leben sich zutragen; sie stellen Shm uns dar als Wirkungen und. Thalen, die von einer andern böhern Kraft ausgeben, als der der Natur; sie bekunden somit allerdings die Macht eines freien Willens, der nicht der Naturnoth wendigkeit unterworfen, durch die Gesetze und Ordnung der sinnesfälligen Welt nicht bestimmt und gehalten ist; und wir würden durch sie Uber die höchste Wahrheit von einem freien Geistesgot* belehrt werden. Allein Nachdenken, Untefsuchungen und Forschungen and eine wohlbegründete Erkenntniss. zeigen uns doch in den allermeisten Fällen, dass solche sogenannte Wunder den Naturgesetzen geraäss geschehen sind, und nach einer prädestinirten Ordnung sich zugetragen haben. Das Unerwartete, Unerklärliche and Geheimnissvolle löst sich bald auf, wird erklärt und reiht sich den Wirkungen der Naturkräfte an. Eis ist also die Macht .eines freien göttliehen Willens nicht erkennbar. Der Mensch wäre da nur durch Irrthum, durch Unwissenheit und frühere Unkenntniss der Ursachen von der. höchsten Wahrheit belehrt worden. In Wahrheit und Wirklichkeit ist ihm die Erkenntniss eines freien geistigen Gottes nicht dargetban und kand gegeben; die Wahrheit ist nicht beglaubigt und darch sinnesfällige Wahrnehmung verinittelt worden. Die Religion muss darum andere Wunder vorführen, um die in uns lebende Wahrheit zu bekuadea und sicher za stellen; Wunder, die für alle Zeiten auf eine höhere Macht zurückweisen, und jede Religion kommt anf solche zurück, führt sie uns vor Und gründet sich darauf; jede Religion beruft sich auf sie und stützt sich darauf. Der Hang zum Wunderbaren ist dem Menschen eigen, weil Wunder ihn umgeben, und Geheimni8Bvolle8 sich überall vollzieht, weil im Leben ond in der Natur so Vieles räthselhaft und unerklärlieh und unbegreiflich ihm erscheint und sich kund gibt, and er glaubt sie um 80 leichter, und hält an ihnen äffest und an ihrer Wahrhaftigkeit. Der Glaube bewahrneitet die Wunder, und schafft eine innere Ueberzeagung, die unerschütterlich dien Menschen durchdringt. Von diesem Hang zum Wunderbaren ist nun weislich gar vielfach Gebrauch gemacht Worden. Die Lüge, Täuschung und der Irrthum haben eia Heer von Wundern gebildet, an denen die Menschen mit Beharrlichang festhalten; es gestalteten sich dadurch so viele Religionen, und alle berichten und bekunden ihre Wanderereignisse, und legen damit Zeugnisa ab, dass Vieles von einer höhern Macht ausgeht, als die sich in der Natur und im Leben sonst gewöhnlich kand gibt; sie beweisen damit, dass ein freier Wille schaltet, der durch keine Nothwendigkeit gebunden nnd gehalten ist. Kritik der Vnnder. Eine eingehende Betrachtung des Zweckes und der Bestimmung der Wunder übt aber zugleich die strengste Kritik über die Wahrhaftigkeit der berichteten Wunder, und weist die allermeisten in das Gebiet der Fabei, der Dichtung, der Lüge und des Betruges zurück, die keinen Glauben verdienen. Thaten und Ereignisse, die nur der Laune, der Willkühr, der Vorliebe und der Leidenschaft einer höhern göttlichen Gewalt ihren Ursprung und ihre Verwirklichung verdanken, oder die gar unsittlich und ungerecht sind, wie wunderbar sie auch erscheinen, sind durchaus nicht solche Wunder, denen Wahrheit wir anerkennen dürfen. Denn unmöglich kann von der Gottheit etwas ausgehen und hervorgerufen worden sein, das in die Natur und die ewige Gesetzmässigkeit derselben störend eingreift, und das höchste Werk der Allmacht und Allweisheit verunstaltet und bemängelt, was einem vergänglichen flüchtigen Belieben entspringt. Wunder müssen die Signatur ihrer höchsten Bestimmung an sich tragen und sie deutlich aufweisen, und dürfen nicht in unnöthiger und unnützlicher Weise sich wiederholen. Sie müssen uns den höchsten Gott der Geister, den freien und freiwilligen, selbstbewussten Schöpfer und Erhalter bekunden, der in der Natur walfet, Alles nach seiner Gnade leilet, bestehen lässt und mit weiser Vorsicht ordnet, der die Menschheit erziehet, belehrt, veredelt, erhöhet und beseitigt. Wunder, die solches Gepräge nicht an sich tragen, dürfen nicht anerkannt nnd für wahr gehalten werden; denn sie verdunkeln und verkümmern die in der Natur sich manifestirende Allweisheit. (Fortsetzung folgt.) Tosefta in ihrer Bedeutung für die Wissenschaft. Vortrag des Oberrabbiners Dr. Zackermandel in Trier. (Fortsetzung.)• Die Ethik des Talmuds ist eine erhabene. So sagt ein Talmudlehrer: ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, ist die Grundlehre der heiligen Schrift“, — un“ ein anderer Lehrer: ״Das ist das Buch der Geschichte der Menschen“ ist noch wichtiger. — Damit ist deutlich ausgedrückt, dass alle Menschen ohne Unterschied Brttder sind. ״Die Frommen aller Völker haben Antbeu am ewigen Leben.“ ״Man unterstützt die Armen der Nichtjuden gleich denen der Juden, man begräbt Nichtjuden neben Juden des Friedens wegen.“ Diese Sätze haben die Juden praktisch bewährt, sie waren ihnen Norm, wenn auch nicht geläugnet werden soll, dass » Zeiten gewaltigen Druckes, unerträglicher Leiden *on Seiten der Feinde manches harte Wort dem Einen odtf Anderen entfahren ist. Treue gegen das Vaterlan , genaue Beobachtung der Staatsgesetze, schärft der T**־ mud nachdrücklich ein. Das ״Staatsgesetz ist Gese«! , sagt Samuel, das heisst es ist gleich dem religiö8eaj

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