Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 24. (14.6.1882)
- Date
- 1882-06-14
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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r 1 Zar Mwetta! •Iler Jade•■ An nad Jade• betreffeadea tita-ariaak. Eraakeiaaagea auf , den SaMeM der PUlMopkie, *)«•eUcktoJtkaocrapkle.Tk«- •logta,OTiaataUa, Bxegeu, Hoaütotlk, Lftargik, PMafOglk- Herausgegeben von! I'ahbiner Dr. Moritz Ra hm er. I MaHilcbars, 14• Juni 1W8Ä r-:-ר\ Bieker der «ioMhliflg•■ Utarstar, araleha dar Bedaetlaa •ageaaadt werde•, •adaa ta dieaamBlatta alatak Bee>raek aag. BalKaeeadaag Tarawa■! Baeaaaiaaeezasplsre■ ertalft •aek Erwika. L d-Woaheaaekr. Daa ״JttellMlte!•Keratnrblatt*‘ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen; Praia bei allen BaehhaadhnfM 0■ Leipaig bei Robert Frieee)pro J ahrgang:« Hk. Abonnenten der israelitischen Wochenschrift" (die vierteljahrl. bei allen Poataaetaltea and Bncbbandlnngen 3 Mk. kostet) erhalten las ״Jüdische Literatnrblatt* gratis. —־. iMernte werden mit35PC Ar die dreig•־ rpaltene Pcritzeile berechnet und ausschliesslicl! entgegengenommen dnrch die Central-Annoncen-Expedition von G. L. Daube Ä Co•, Frankfurt a. M., Magdeburg, Merlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. 1 n 1» sa 1»« Wissenschaftliche Aufsätze: Religion tnd Wunder. Von Dr. H. Hirschfeld, Rabb. in Gleiwitz. (Fori setznng.) — Tosefta in ihrer Bedeatang für die Wissenschaft. Tortrag des Oberrkbbiners Dr. Zuckermandcl in Trier. (Fortsetsang.) Literatnrbericht: Recensionen: Le Judiäsme moderne. — Presse and Judenthum. Ton Isidor Sing 1r. — Karrein, Dr. Adolf, Rabbiner und Prediger in Linz. Hi ggid le-Adam. Die Menschenlebre des Jadenthums. Notizen 1 ■ - — " - 1- 1 ■ 1■ ... I ■ i ' ' Nachdruck ■ur ■it voller Quellenangabe gestattet. Religion nnd Wunder. Ton Dr. H. Hirschfeld, Rabbiner in Gleiwitz. 1' -- | (Fortsetzung.) ' Ble Religion. u Wir haben nun die Entstehung und das Besteheir!des Gottesgedaükens in dem einheitl|chen Wesen des Imenschlichen Geistes erkannt und begründet; aber! doch nur theoretisch in der Betrachtung des Geistes 1 und der Natur; er ist damit noch nicht verkündet, bewabrheitet und verwirklicht. Sollet! die Wahrheiten des Lebens ihre wahre Bedeutung und ihren Erfolg haben, so müssen sie ihre sinnesfällige Wirklichkeit haben und sich bewähren; sie müssen in d|en Erscheinungen und Ereignissen ihren entsprechenden{ Ausdruck finden. Und das geschieht in der Religion, ]wird von ihr besorgt. Max Müller fasst die Anfänge)■s und das Wesen der Religion dahin, es sei eine Einwirkung des Unendlichen auf י das Endliche. Es iss damit zu wenig und Zu viel, und sicher nicht das Richtige gesagt. Das Unendliche wirkt in seiner Berührung mit dem Endlichen, wie jedes Einzelne auf dieses eia, und das ist darum doch gerade nicht Religion, und wenn die Weise der Einwirkung recht bezeichnet ist, so wissen wir nicht, was damit bezeichnet und was hervorgerufen wird. Die Religion ist doch sicher nicht eine allgemeine Einwirkung, die auch verschiedenes Anderes hervorruft. Die Religion jist uns vielmehr, wie liier angedeutet, nichts anderes,) als die Bewahrheitung und Verwirklichung der Sn uns im Geiste ruhenden Wahrheit des Gottesgedanjsens, womit Zeugniss abgelegt wird von Gott als ein^m Wesen, das sei-• ner bewusst ist, mit freiem Wille!) schafft, alles bedenkt und Gnade übt; in der Religion wird uns diese höchste Wahrheit verkündet uBd besiegelt. >ie Wnnder. Wenn die Religion' in Wahrheit und Wirklichkeit den freien geistigen Gott kundgeben, soll, sinnesfällig und wahrnehmbar zur Erkenntniss dfr höchsten Wahrheit des Geistes führen, so kann dies nicht durch die Natur und ihren unabänderlichen Gang geschehen;, in der Natur würden wir nur die Nothwendigkeit wiederfinden, aber die Freiheit nicht erkennen, nur Ursachen und Folgen in inniger Verbindung, aber nicht freie Wahl und Vorsehung. Es muss da etwas geschehen, was wir wahrnehmen, das nicht durch die Natur hervor gebracht ward, nicht nach den Gesetzen der Natur sich vollzieht und nicht nach den ursächlichen Einrichtungen und den Naturzwecken ins Dasein tritt. Ea wären dies ״Wunder“, wie man im gewöhnlichen Leben solche Geschehenisse und Ereignisse bezeichnet, weil sie unerwartet und zur Verwunderungeintreten. Sie weisen auf eine Einwirkung zurück, die von einer audern höhern Kraft ausgeht, als die in der Natur schafft und wirkt, und sich kund gibt. Ein Wunder wäre nun allerdings die Schöpfung der Welt aus Nichts, die doch einmal geschehen •sein muss; sie kann nicht im Naturwege vor sieh gegaogen sein, weil die Natur erst durch sie begründet wurde, Naturzwecke können ebensowenig durch sie erreicht werden, .weil der Zweck doch etwas Bestimmtes voreussetzt, das war aber noch nicht vorhanden;* sie setzt die Freiheit des Schöpfungswilies voraus, äreil nichts ihn bestimmte. Die Schöpfung wäre also ein solches Wunder, d^s den freien Gott uns verkündete und bewahrheitete.1 Allein die Schöpfung aus Nichts ist wie das Nichts Selbst ungedenkbar und unerfasalicbj sie vollzieht sich nicht wahrnehmbar vor uns. Wir kommen zwar in der Fortdauer und Erhaltung des Alis immer darauf zurück; aber immer Dur durch Schlüsse und Folgerungen, sinnesfällig wahrnehmbar ist sie doch nicht; und der Geist zieht nicht immer die Schöpfung als solche in Betracht; ja viele Denker bestreiten sie sogar und setzen die Ewigkeit des Da• seins voraus, in• welchem eine Welt aus einer andern, als ihrer Ursache mit bestimmter Nothwendigkeit her• vorgeht. Das Wunder-der Schöpfung würde uns also