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Das jüdische Literaturblatt · 1882-05-24 · No. 21. (24.5.1882) · p. Seite 83

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 21. (24.5.1882)
Date
1882-05-24
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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— 83 — Herr Recensent gar die Ansicht vertreten, dass עין הרע mit dem Glauben des jüd. Volkes!identisch sei ל Wann ist ihm dieser Glaube offenbart worden? Am Sinai nimmer! Und heisst dann dies noch ,,Nachsicht üben“, wenn ihm sogar frische Nahruüg [gegeben wird? Herr Duechuk wird, wohl oder übel, schon zugeben müssen, dass ihm hier eine kleine Begriffsverwechselung unterlaufen. T Aber wie gewöhnlich im Leben ei|n Malheur seiteil oder nie vereinzelet sich einstellt, so tritt der Irr* thum des Herrn Kollegen Duschak nicl}t ohne Gefolge auf. Wenn Herr D. das יהב ביד. עיניה ועש או גל של עצמות ״Er richtete auf ihn sein Auge und nachte aus ihm einen Beinhaufen’■1 gegen mein ״böses Auge“ ins treffen führt, sehe ich mich genöthigt, njiit einem ״strafenden Blick“ zu pariren. Unter den dalizischen Wunderrnbbi’s dürfte der Herr Rezensent mit nur geringer Mühe Einen austindig zu machen im gjtande sein, dem die Krall vindiziit wird, מעניש בריאה jein zu können. Ich möchte aber aus kollegialisc.hen Rücksichten Hrn. Duschak im Interesse seiner eigenen!Sicherheit nicht rathen, die Wirkung des ״strafenden Blickes“ eines solchen VVunderthaters mit der Wirkung des ״bösen A 11 ges“ zu ideniiliziren. Derjn wahrend jene eine Folge der Sch ech in ah sein soll, welche auf dem Rabbi ruht,״ist diese auf einen שד zurdekzuführen, der sein Domizil' in einem Auge aufschlägt, welches früh mit ungewaschenen Händen in Berührunggekommen. Auch mit dein Weibe, das ihr Sühnlein den gefürchteten Blicken Rab. Jochanans en zogen, hatte der Herr Recensent wenig Glück. Ihr Atfsruf kann schon darum nicht als Beweis dienen, weil אין מביאין ראיה מן השוטים. Dass zärtliche Mutterliebe ein Weib einst abergläubisch gemacht, ist wohl glaublich und wird auch von mir nicht angezweifclt. Wie aber aus dieser Thatsache auf die Stellungnahme der Talmudisten zu diesem Aberglauben sich irgend ein Schluss ziehen lässt, ist mir völlig unbegreiflich. Der letzte gegen mich abgedrückte Pfeil ist dem Arsenale des Traktates B. M. 107 enltnonuucn. Herr Duschak citirt nämlich folgenden Satz: ״Man soll nicht vor einem Felde stehen bleioen, dessen Halme hoch emporgeschossen, wegen 1 “.עין הרע )aj aber dieses Ge* schoss von den drei Geislesheroen R. Abahu, R. Hunah und Rab als wirksam et prallt wurde und mir auch der Esprit abgeht, die Frage ües Herrn Recen- 6eulen: ״Wie lässt sich das mit Hrn. W. allegorisiren?“ zu beantworten, trete ich den Rückzug an, gedeckt von den hoch emporgeschossenen Halmen[ des Feldes, welches Herr Duschak aus purer Hochherzigkeit. zum Kampfplätze gewählt, damit meiue | Niederlage weniger empfindlich sei. Um mich aber! vor den geschätzten Lesern dieses Blattes zu rechtfer igen, warum ich so feige die Flinte ins Korn werfe, wollen Sie, ehrwürdiger Herr Redakteur, mir noch nachstehende Erklärung gestatten. Meine bescheiden e Belesenheit über das ״böse Auge‘- habe ich aus der Berliner Talmudausgabe geschöplt, welche Hei r Goldberger im Jahre 1861 veranstaltet. Und in d eser Ausgabe lautet die fragliche Stelle wörtlich: אסור לו לאדם שיעטוך על שדה חבירו בשעת שעומדת בקומותה• Man soll nicht vor dem Felde seines Nächsten stehen bleiben, wenn dessen Halme hoch emporgeschossenDer Zusatz ״wegen ע״ה•‘ fehlt bei mir ganz.!Auch im Traktate B. B. 2b, wo auf'dieselbe Stelle recujrirt wird, kommen die letzten, zwei Worte nicht vor.! Man wird es begreiflich finden, dass ich in einer Abhandlung, welche die Auffassung der Talmudlehrer vc|n dem ״bösen Auges“ zuin Gegenstände hat, eine Tlilatsache ausserdem Bereiche meiner Erwägungen gelassen, die damit in keiner direkter Verbindung stelkt. Dass Raschi ן hierbei dem ״bösen Auge“ eine wirkende Rolle zu• I weist, wer für mich irrelevant, da ich ausschliesslich die Redakteure des Talmuds und nicht dessen Interpretatnren einer wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen. Und legte Herr Duschak in der fraglichen Sentenz den Schwerpunkt auf das שדה חבירו das Feld j des״Nächsten“, würde auch er die Lösung in einem moralisch und nicht ominös ״bösen Augen“ gesucht und gefunden haben, während die Unterlassung für ihn die Folge hatte, dass er נעגש בריאה ward. Trencseu. Rabbiner Dr. Simon Wolffsoho. Literaturbericht. ReceaMsati. ' i Frankfurter Rabbiner. Ein Boitrag zur Geschichte der isr. Gemeinde in Frankfurt a. M. I. Von R. Simon Uadarschan bis R. Jesaia Halevi (1200 bis 1614) von l)r. M. Horöwitz, Rabbiner. (Beilage zum Bericht der isr. Religionsschule. Frankfurt a. M. Commissions-Verlag der Taegersehen Buchhandlang. 1882. Lexf. 60 S) Die mythische Zeit — die Zeit vor 1200, fu weleher das Bestehen einer jüdischen Gemeinde in Frankfurt controvers ist, in die Vorbemerkungen verweisend, beginnt Herr Dr. H. mit einem freilich auch nicht ganz gesicherte Faktum, indem er deu Verf. - des Jalkut als ersten Rabbiner für!Frankfurt in Anspruch 'nimmt; Da eine Tradition diesen ״Rabbi Simon an der Pfort“ nennt, und auf ihn reimt ״kann die ganze Thora auf ein Wort“ so ist die Behauptung wenigstens wabrscheinlieh gemacht, und wir verdanken ihr gern die prächtige Charahteristik des Talmud in den ersten Seiten der Broehire, Nach der Judenschlacbt von 1241 — die Namen der Märtyrer sind aus dem Mainzer Meruorbuch wieder-abgedruckt — erstand die Gemeinde allmählich wieder, södass 1288 wieder ein Meister der Juden da war. Der Hinweis auf das Verhältniss der Steuern zum Vermögen S, 8 Anmerk 2 ist beachtenswerth. Ein Frankfurter (Alexander Susslin ben Salomon. Wimpfen) bezahlte das Lösegeld für die Leiche des R. Melaus Rothenburg. Die Beweise, dass der Veifass.er des Aguda, R. 'Allfäder Susslin Maltohen, auch in Köln und Eriurt gelebt habe, sind doeh za schwach. Susslin, Susskind, Sussmann, klingen , zwar sehr ähnlich,-doch ist es seltsam anzunehmen, dass derselbe -Mann all' diese 3 Namen je nach Belieben gefuhrt habe, um so ־seltsamer, als Susslin und Susskind die Bt'inahmen von Alexander Sussmann von Joel als Elieser sind. Damit fällt die Zeitbestimmung von 1344/45. Nach der zweiten Judenschlacht von 1349 ist 1365 Lehrmeister Josef Lampe, von desssen Nachfolger(1374) Rabbi Äscher ein ergreifendes Bekenntnissgebet stammt, das bekundet, wie die Juden damals jeden Augenblick gewärtig waren, mit ihrem Leben für ihren Glauben zu zeugen. Mehr als Namen wurden um 1430 bekanat. Damals genoss der Rabbiner Nathan Epstein bedeutendes Ansehen Gutachten über eine Scheidungsfrager haben den Namen des ״Mittlers“ (Stadlaa) Meschulam Salman Epstein erhalten. Klar ist die Darlegung, wie die Unsitte, Streitfragen auswärtigen Rabbinen vorzulegen, Rechtsunsicherheit herbeiführte und in der Worinser Gemeindeversammlung von 1542 Vorkehrungen dagegen getroffen wurden. Dieselbe Frage bildete den Kreuzpunkt des Streites zwischen den" schwäbischen Rabhinen und den Frankfurtern um 1560, deren Haupt R. Elieser Treves, Sohn des Vorbeters und Kabalis>en R. Naftali war. (Die Briefe siud im Originale beige- 1 druckt.) Es entsand eine talinudisclie Hochschule, deren

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