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Das jüdische Literaturblatt · 1882-05-24 · No. 21. (24.5.1882) · p. Seite 82

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 21. (24.5.1882)
Date
1882-05-24
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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dakteurs dieses Btatttes fanden wir vor einigen Mo* nalen zufällig in einem kleinen Kalender aaf dem Schreibtische des seligen Nach od.*i Sollte das Unternehmen in Fluss kommen, 80 müssten in den Rabbinern, Lehrern und Schriftstellern des Judenthums durch eifrige Propaganda Mitarbeiter gewonnen werden, und wäre es namentlich eine lohnende Ausgabe für den Gemeindebund, diesen Mitarbeitem ein gutes Honorar zu zahlen. .. Wenigstens erscheint ־es uns, da die unter den Auspizien des Bundes stehende Darlehnskasse jüngst ein Stipendium von 600 M. für einig jüdische Studentin der Medizin ausgeschrieben, möglich, für diesen weit wichtigeren Zweck genügende Mittel zusammenzubringen und einen Volksbildungsfonds, wie ihn auch der Centraherein für Volksbildung besitzt, zu begründen. Auch der Uebelwollende sollte fn einem solchen jüdischen Jahibuch kein Angriffsmäterial finden können, wohl aber bieten uns die älteren Wiener Jahrbücher eine ausgezeichnete Ehrenhalle der Juden, mit Rücksicht auf neuere Leistungen• in Landwirthschafr, Industrie, bürgerliche Kunst und Handwerk, Wissenschaft, schöne Literatur 11. s. w., da waren schöne Züge der Humanität, verewigt durch Dichtungen von. Kompert, Frankl, Hieron. Lorrn, und vielen anderen. ( . Da waren statistische Uebersichten über sämmtliehe Kultusgemeinden mit Uebersichtstabellen über die jährlichen Einnahmen und Ausgaben der Wohlthätigkeitsanstalten, über den Bildungsgrad und die sociale Lage der Juden in einzelnen Distrikten. Der Berliner_Wertheim’sche Kalender brachte übersichtlich die Seelen und Familienzahl säinmtlicher preassischen Synagogengemeinden, die Namen der Rabbiner und Kantoren, Vorstände und sonstigen Personalien. Wir wissen positiv, dass die preuss. Regierung ihre, bei Gelegenheit des Austrittsgeseizes gesammelten statistischen Materialien über die Synagogengemejnden besitzt und sie wird dieselben wie früher ״aus amtlichen Quellen“ hergeben. Auch jüngeren Mitarbeitern, welche den Fehler mancher Kalender abgelegte doctrinäre Vorträge und zumeist Predigten zu bringen, vermeiden und Neues, Anregendes in gefälliger Form briugen könnten, fehlt es nicht. Es fehlt nur an Energie. Aber fragt mich nicht erst wo? Nehmen wir uns anch hier ein Beispiel an England, dessen wissenschaftliche Literatur ja bei dem deutsehen Judenthum in die Schule geht, dessen jüdische Belletristik uns aber bei weitem übertrifft. Die Jaden in Honan. Das_Dasein einer jüd. Colonie in dieser chinesischen Provinz hatte der Jesuit Ricci bereits iin 17. Jahrh ermittelt, und andere Sendboten, welche in der Hauptstadt Kai- &jng-tu sich aafhielten, stellten nochmals gründliche *) Es ist der Meyer’scbe illnstr jüd.Kalender. (Halberstadt 1882.) — Wir bemerken übrigens, dass die im obigen Artikel aafgeführten ״Jahrbücher* fast, sämmtlich mit einem Calendarium versehen erschienen, und diese Verbindung wird wohl auch in Zakanft aas practischen Gründen beizabehalten sein. (Red.) Untersuchungen Uber ihre Gebräuche und Geschichte an. Seit Medhurst’s Besuch, in dessen Folge zwei Individuen der Kolonie nach Schanghai kamen und hebr. Inschriften mitbrachten, scheint kein Europäer um das Völkchen sich bekümmert zu haben. Dies bestimmte Herr Martin, als er im Februar 1866 auf seiner Binnenreise durch die gen. Hauptstadt kam, ihre gegenwärtige Lage zu erkunden. Von dem Mufti der dortigen Muhamedaner erfuhr er, dass die Syuagoge verfallen sei, und bald darauf zeigte rnan ihm auf einem freien Platz einen Slein mit zwei Inschriften, von denen die eine den nun verschwundenen Liotntn uut’s Jahr 1183 n. Z. als errichtet, die andere (auf der Kehrseite) in der Periode Hung tscni (1488-1505) als restaurirt bezeichnete. Er fragte die Umstehenden, ob Leute aus dem Geschlechte Israel unter ihnen seien. ״Ich bin Einer von Ihnen“, antwortete ein junger Meusch, dessen Gesichtszüge seine Versicherung bestärkten. Dann traten noch Einige nacheinander vor, bis die Vertreter von 6—7 Familien, aus welchen die Gemeinde jetzt noch bestehen soll, vor ihui s'anden. Hier, wo selbst das Fundament ihres Heiligthums aus dem Boden entfernt war, bekannten sie mit ächatn und Schmerz, dass sie es eigenhändig zerstört (?). Schon lange war es baufällig gewesen und für seine Wiederherstellung hatten die Mittel gefehlt. Am Abend desselben Tages besuchten iim Mehrere und brachten ihm zur Ansicht ein Exemplar der Thora auf einer Pergamentrolle. Die Handschrift war ihm unlesbar, und nun schämte er sich, ihnen gesagt zu haben, dass er die Sprache ihrer heil. Bücher verstehe. Später bekam er 2 Rollen der Thora und konnte den Inhalt nach einiger Uebung lesen. Eine der Rollen wurde durch ihn Eigenthum der amerik. Bibelgesellschaft. Eine grosse Tafel in vergoldeter, chinesischer Schrift, welche weiland den Namen Israel darsiellen, soll Eigenthum einer muhamedan Moschee geworden sein. Ihre Gesainmtzahl schätzten die Juden auf 3—400 Individueu. Ein gemeindlicher Verbau ist mit der Synagoge untergegangen und bald werden sie selber im Islam oder Heidenthum untergehen. Sie treiben allerlei Kleinhandel, unter anderm auch mit alten Kleidern! doch war der erste, dem Herr Martin begegnete, Geldwechsler. Einer von den Besuchern des Herrn M. war ein Sohn der letzten ihrer Rabbi’s, mit welchem jede Spur der Kenntniss ihrer heil. Spraehe unterging. Für die junge Generatiun giebt es keine Beschneidung mehr, und man vermischt sich unbedenklich mit heidn. Chinesen. Einer gestand Hin. M., dass sein Weib eine Heidin 6ei. ihre alten nationalen Feste bewahren sie kaum noch in der Erinnerung. Ein strafender Blick oder ein böses Auge? Nachdem Herr Rabb. Duscliak merne ״wenig durchschlagende“ Auffassung über das ״böse Auge“ im Talmud schlagend widerlegt — Nr. 19 d. Bl. — gibt er uns seine vielrichtigere Ansicht bekannt. Seiner Meinung nach waren die Talmudlehrer von diesen Dingen nicht belangen, nur hallen sie nach sokraiischer Manier den Volksglauben respektirt. Lebte aber dazumal noch jener anspruchslose Weise, der einen seiner Schüler auf die Eitelkeit aufmerksam gemacht, welche aus den Löchern seines Mauteis lugte, würde er wohl den Talmudisten zugerufen haben: ״Freunde, Eure Duldung verräth Kurzsichtigkeit. Wohl soll man mit dem Glauben eines ganzen Volkes Nachsicht üben; für den Aberglauben alter Weiber hingegen habet Ihr nicht Spott genug!“ Oder will mein

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