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Das jüdische Literaturblatt · 1882-05-17 · No. 20. (17.5.1882) · p. Seite 79

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 20. (17.5.1882)
Date
1882-05-17
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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volle Aufklärung“) befragen vor dem Elwigen. Nach dessen (El&surs) Aussprach sollen sie (zur Schlacht i gegen die Feinde) ausziehen und nach dessen Ausspruch sollen sie wieder einziehen, er (Josua, der Feldheir) und alle Kinder Israels (die Krieger) und die ganze Gemeinde.* Also nicht, dass der Fragende seine Frage an die Uriin etc. richten und diese ihm orakelmässig antworten sollten, sondern die Frage richtete in wichtigen, volksthümliehen Angelegenheiten das Oberhaupt des Volkes an den Hoh^n- oder Feldpriester (ושאל לן), welcher danp in wahrer Gottesbegeisterung nach der ״Rechtslehre der Urim etc. (במשפט האורים) die Antwort ertheilte! — Schon! der babylonisehe Talmud (Tr. Joma 73b)* folgert aui dieser Hauptstelle: 1) dass nur — wie hier Josn^ — das Oberhaupt des Volkes oder das Synedrion uijd zwar — ähnlieh, wie hier ob Krieg oder Frieden j— nur in den allerwichtigsten das Volkswohl betreffenden Angelegenheiten gegenüber den Urim und Tummim Fragen an den Hohen-, resp. Feldpriester richten durfte; und 2) dass man an einen Priester, welcher ijicht io heiliger Begeisterung (ברוח הקדש) redet, keine F^age stellen 6011. Es ist darum mehr als wahrschein ich, dass Moses bei der republikanischen Verfassung, die er seinem Volke gegeben hatte, die Institution der Urim und Tummim iin Natnen Gottes einfjührte zur Beschränkung der Uebermacht eines jFeldherrn oder sonstigen Volkshauptes, damit dusselb^ nicht willkiirlieh gegen das Gemeinwohl d ei Volkes (res publica) verfahre; wesshalb in so wichtiger Angelegenheit der höchste Diener der Religion befragt werden 8011te,0b das Unternehmen nach den ewigen Rechtsgrundsätzen der beiden göttlichen Bunqestafeln, welche der Feldpriester in Abschrift ״auf seinem Herzen“ trug, zulässig sei, oder nicht. I Ob jedoch nach dem Tode Moses bei Befragung mittelst der Urim und Tummim imdaer nach diesen Grundsätzen verfahren wurde, ist zweifelhaft! Gesteht ja auch der Talmud (B. 73a und b) [nach einer Tradition (im םדר עולם רבה)> dass mancher Feldpriester (w. Ebjathar) aus Mangel an göttlicher Begeisterung keine Antwort ertheilen konnten und [dass ferner auf manche verkehrte Fragestellung keine richtige Antwort erfolgen konnte; und ersehen t|vir ja aus der h. Schrift (Rieht, cap. 20) selbst, wie spgar der fUr das Gesetz eifernde Hohepriester Pinchas (s. IV. M. c. 25), Sohn des vorerwähnten Elasar bei dem Kampfe gegen den Stamm Benjamin erst zum dritteln Male eine vollkommene Antwort ertheilen konnte.*[) Wie mag erst zur Zeit der Könige, denen nicht selten das Pr!esterthum untergeordnet war, der Mosaisehe Gebrauch der Urim und Tumijaim zuweilen in Missbrauch ausgeartet sein!; Nach dieser Abhandlung Uber die Urim und Tummim und deren Gebrauch, resp. auch Missbrauch wollen wir die Ursachen aufsuchen, wesshalb — nach biblicher Ansicht — der Allmächtige ip Davids spätem *) Wir folgen hierbei der herkömmlichen Annahme, wonach überall in der h. Schrift, wo von einem befragen Gottes (שאל ב” לפני) die Rede ist, solche« mittelst derl Urim und Tammim geschah; während in Wirklichkeit dieser!Institution nur noch dreimal Erwähnung geschieht, als a) beim Könige Saul (s. I. Sam. 2bb), dem auf seine diess fälligen Fragen .Weder durch Träume, noch durch die Urim, noch durch Propheten eine Antwort ertheilt wurde, nnd b) zur Zeit des zweiten Tempels, wo eben gleich den BundestaJsln nebst der heiligen Lade, so auch die moseischen Abschriften des Decalog's auf dem beide■ Täfelchen als Urim und Tummim nicht mehr vorhanden waren (s. Talm. B. Tr 80ta 48b a. vgl. den Tr. Joma I. Abichn. Ende) von einer ungewissen Zukunft in Betreff der Lösung einer Frage man an sagen pflegte: מד עטד הנהן לאודים ותוסים »Bis wieder der Hohe■ prieeter vor den Urim and Tummim stehen werde!* (Esra 2, 63 1 und Beeh. f, fl»).- I . RegieruDgsjahren die beiden Landesplagen: Hon» gersnoth (s. II. Sam. c. 21) und Pest (ds. c. 24) aber Israel verhängt hatte; and zwar sprechen wir absichtlieb über das letzte Ereigniss zuerst. Bekanntlich bietet der Anfang des 24. Capitels des II. Buches Samuel’s den Exegeten so viele Schwierigkeiten, dass selbst der - populärste und vielseitige Schrifterklärer Raschi geradezu hierüber sagt: לא ידעתי על מה בישראל. Er kann sich nicht erklären, wesshalb der Herr — nach der vorangegangenen Hungersnoth (8. c. 21) — abermals zürnte (ויוסף אף לחרות בישראל) und eine andere Landesplage über Israel verhängte; abgesehen davon, dass, in der Parallelstetle des I. B. d. Chronify, (21, I) ydas Reizen zur Sünde“ wohl riehtiger debrS at a n — ip bildlicherWeise gesprochen — zugeschrieben wird, worunter nach talmutiischer Auf-, , fassung (R. Tr. Baba bathra 16a) הוא השטן׳ הוא יצר הרע׳ הוא מלאך המות der Hochmuthsteu fei zu verstehen ist, welcher David reizte, die grosse Volkszahl seiner Unlevthanen kennen zu lernen. — Der umsichtige (gleichsam diplomatische) Exeget Abravanel zählt in seinem Commentar die betreffenden Schwierigkeiten auf und sucht solche unter Anderm mit der Ansicht eines nichtisraelitischen Exegeten wie folgt za lösen. Da hinter dem Dankliede des alten Königs David nach Besiegung aller seiner Feinde noch der ganze bisherige Hofstaat und die sämmtlicheu Feldherrn and Offiziere Davids in gewisser Prachtliebe aufg^Zählt werden, wo dann dieses vorangehende C&pitel (23. i. 1L S.) mit der Erwähnung Uria’s schliesst:' so brachte dieser Namen das schwere Verbrechen David’s gegen denselben (s. ds. c. 11) dem prophetischen Geschichtesebreiber (vgl. hz. Talm. B. Tr. Baba bathra 15a) 'in Erinnerung, wesshalb ec. Im darauffolgenden Capitel (21) das Strafgericht Gottes mittels der Hungersn o l h als eine Folge jener Hanptsünde David’s and seiner Heeresfolge darstellt. Damit stimmt auch der Midrasch Samuel P. 30 überein (,»מדמו של אוריה החתי מתוך כך ויוסף אף ה׳ לחרות בישראל). Auf eine ähnliche Weise hoffen wir auch di« Schwierigkeit bei dem einen Strafgericht, der H u n - gersnoth (i. II. S. c. 21) zu lösen. Auch hier schliesst das vorangehende Capitel (20) mit Aufzählung -der Staatsdiener David’s. Nur dass hier neben den eigentliehen volkstümlichen Hauptpriestern Zadok und Ebjathar zuletzt noch ein besonderer Hofpries ter oder vielmehr Hofbeamte und Rathgeber David's genannt wird, welcher Ira, der Jairite, geheissen hatte*) und als solcher wohl auch den König begleitete, als dieser ״vor dem Angesichte Gottes* — worunter bekanntlich die h. Bundeslade mit den 2״ mosaischen Bundestafein“, oder die Urim und Tummim, nämlich die mosaischen Abschrilten der beiden Bundestafeln, welche der Hohe-, resp. Feldpriester ״auf seinem Herzen* trug, zu verstehen ist —7• erschien und sich nach der Ursache der dreijährigen Hungersnoth erkundigte. Da wärd ihm zunächst die Antwort: Die Hungersnoth sei entstanden אל שאול ואל בית הדמיס a) Wegen Saul Und b) wegen des Blutschuldhauses. Ad a) deutet bekanntlich der Talmüd (J. Kidduschin IV. a. 1 und* Synhedrin VI. z. 7; dann B. Jebamoth 78,8 ז. und Baba kamma 119a) dahin, dass die Tiauer am den Tod des Königs Saul vernachlässigt worden sei nnd die Ge-, *) Auch bei dieser Landesplage (der Hungersnotli) findet ■ich für den Zusammenhang des Endes vom 20. Capitel mit dem Anfang vom 21. Capitel des II. B. Sam. — gleich, wie bei derspätern Landesplage (der Pest)!wischen dem Bede des 23. and dem Anfänge des 24. Capitels'— eine Andeutung im Talmnd (B. Tr. Erubin 63a), wo als Folge der beaondern Freundschaft (sie!) welche David iür den Hof priester lra hegte, die Hungersnoth angegeben wird!(.«ירא היה כהן לדוד — לדוד הוא דהוה כהן׳ לכולי עלמא לא! — ע״כ כתיב בסריה ויהי רעב• בימי דוד".}•

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