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Das jüdische Literaturblatt · 1882-05-03 · No. 18. (3.5.1882) · p. Seite 71

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 18. (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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1 — 71 — und Ecken des Daseins durch gefällige n Scherz hinweghilft, der die Abgründe durch Blu neu verhüllt, um uns sicherer an ihnen vorüberznftlhren; ich habe irgendwo und zwar von einem seiner Verehrer die Be* Häuptling gelesen, dass ihm der Humor versagt gewe- 8en ist; hier liegt offenbar eine Verwechselung vor, des trivialen Witzes, auf den der noble (Geist verziehtet, mit jener herrlichen Gottesgabe, die (das Erbe der Begnadeten ist. 80 war er Jahrzehende der Stolz uind der Schild Juda’s, und sein Name allein schon widerlegt das Märchen, dass wir Fremde sind im deutschen Lande. Aber er ist nicht der einzige, der Von führenden Männern uns jüngst entrissen worden ist. Da gab es in Deutschland einen Mann, der lange Hange Jahre mit Talent den Pinsel führte und er erwarb seinen Gemälden Achtung und Anerkennung; abefr es fehlte die Wärme, die Begeisterung, die der Künstler ersehnt als den schönsten Lohn seines Schaffens;!Moritz O.ppenheim war ein alter Mann geworden ujnd in Künstlerkreisen wurde er mit Ehren genannt, aber zum Volke war er nicht gedrungen; da besann er (sich wie Berthold Auerbach auf seine Heimath: und! wie Berthold Auerbach nach Nordstetten ging und d|as Dorf in die Weltliteratur eioführte, so ging Moritz Oppenheim in die ״altjüdische Familie“ uud malte mit herziger Wahrheit und frischem Humor dieses engb^grenzte Leben. Mit einem Schlage wurde er volksthümlich im ganzen deutschen Lande; nicht nur wir Juden ergötzten und erquickten uns, sondern jeder erkennt, dass hier ein Schatzgräber Goldbarren gehoben, dass in diesem Ausmalen eigentümlichen Volkslebens mit all seinen Details niederländische Kaiist ihre Auferstehung gefeiert habe. Wie Auerbaclj mit holländischer Weisheit das Dorf, so hat Oppenheim mit holländischer Kunst das altjüdische Haus!erleuchtet; die Wogen der Zeit gehen Uber die dörflichen Marken und Uber die Schranken des altjüdischan Hauses unerbittlich dahin und werfen nieder, was dieser Zeit nicht gemäss ist. Da hat Auerbach und Oppejnheim in Bucli und Bild das Alte festgehalten und!uns die Poesie gezeigt, die dieses enge Leben geweitejt hat. In ihnen hat sich Liebe zum Judenthum gepaart mit einem lreien, die Welt umfassenden Blick. : Das Alterthum glaubte, dass di|e Heroen nach ihrem Tode zu den Siemen versetzt viferden. Und eo sind diese Todten uns hellstrahlende Sterne, nach denen wir uns richten, die uns leuchten zu! höheren Zielen. Möge es un8erm Stamme nie an Männern fehlen, die wurzelnd im Glauben der Väter aus allen Gebieten des menschlichen Wissens den Saft de4 Lebens schlürfen und weithin 'Zweig und Ast 1iud erquickende Frucht ausbreiten! Amen. 1 Literaturbericht. leeeasioses. אגרות הרשב״א עם אגרת הבדרשי. (Verlag von Moses Keiner in Wilna, Sarczestr. — P^eis 20 Kopeken.} Es ist dies eine neue Ausgabe!des interessanten Briefwechsels zwischen dem Barcelona Rabbi Salomon ben Adereth und Jedaja aus Beziers.! Das Werkchen beginnt mit dem Baanstrahl gegen; die griechische Philosophie zunächst, sodann aber puch gegen jede nichtjüdische Wissenschaft, ausser dpr Medicin, den S. ben Adereth, aufgestachelt von den proven$alischen Fanatikern, mit gereizter Vehemenz geschleudert hat. Das grosse, 60 Druckseiten umfassen! le Antwortschreiben des Jedaja b. Abraham aus Bezieh, enthält auch manche, für die Geschichte der jüd. Religionsphilosophie wichtige Stellen, sonst aber ist es eine, im Geschm^cke jener Zeit geschriebene, überschwängliche Verhimmelung und extatische Glorifizirung des Adereth, die wegen der übermässig vielen Superlative wohl keinen Leser sonderlich sympathisch anmuthen wird. Wir wünschen dem Werkchen dennoch einen grössern Leserkreis und eine möglichst weite Verbreitung, weil es einerseits cutturhistorisch wichtige Documente enthält, während wjr andererseits recht lebhafte Anklänge an uusere Gegenwart darin wiederfinden. Mutahs mutandis ist der Kulturkampf, wie er sich jetzt in Galizien abspielt, ein blasser Abklatsch, eine in’s Polnisclie übersetzte Travestie der erschütternden Tragödie, deren Schauplatz eiiwt das nachinaimunische Spanien war. Eine Parallele giebt zu denken, L. St. Ernst Ränan, von dem wir schon eine sehr geistreiche und anziehende, wenn auch nichts weniger als wortgetreue Uebertragung des ,Buches Hiob“ mit einleitendem Commentar besitzen, hat jetzt bei Calman L6vy eine ähnliche Ausgabe des ״Predigers Salomo“, des ״Ecclesiastes,“ folgen lassen. Hier befand sich der Uebersetzer offenbar auf wähl verwand ten, beinahe könnte man sagen, auf modernem Boden, und er hat sich auch in■ der Einleitung die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die zahlreichen Beziehungen des orientalischen Skeptikers, den er einen Vorläufer Schopenhauer’s nennt, zu der heut zu Tage in vielen Kreisen herrschenden Weltanschauung aufzuzeigen. Dieser ganze Commentar ist ein philosophisch-ästhetisches Meisterstück. Schon vor ihm hat die wissenschaftliche Forschung entdeckt, dass in die prosaischen Betrachtungen des ״Koheleth“ zahlreiche Verse gleichsam als* Illustration eingestreut sind; in seiner Uebersetznng hat Renan diese Verslein, oft Vierzeilige, mit erstaunlicher Leichtigkeit und Aninuth wiedergegeben, so dass es fast wie eine Koketterie klingt, wenn er sich in dem Vorwort bei den ,exquisiten Dichtern unserer Zeit" entschuldigt, ihnen in das Handwerk gepfuscht zu haben; gewiss hätte kein ThAophile Gautier und kein Sully- 1 Prudhomme die liebenswürdige, neckische Einfachheit und Grazie des Originals besser getroffen. In der Uebertragung des prosaischen Theiles bediente sich Renan derselben souveränen Freiheit, wie dem Buche Hiob gegenüber, und hier dürfte an mehr als einer Stelle mit. ihm zu. rechten haben. Er gebraucht technische Ausdrücke afcd Formeln, von denen der unbekannte:Verfasser des ״Predigers,“ welchen Renan in eine viel spätere Epoche setzt, als die salomonische, keine Ahnung haben konnte; aber es kam ihm auf philologische Treue gar nicht an, sondern auf eine im modernen Geiste gehaltene Nachbildung, die das Buch gewissermaassen dem ״Parergon“ des Frankfurter Philosophen an die Seite stellt. Renan's ״Prediger“ wird in der nächsten Zeit eine Pariser Modelectüre sein. "J Paris, 20. April. Alexander Weill giebt im heutigen ״Evenement* über den kürzlich verstorbenen ־ - Maler Lehmann, Ober Meyerbeer, Mendelssohn, Heine i und Börne einige Nachrichten, welche nicht ohne Interesse sind. Zuvörderst sei bemerkt, dass Lehmann von einer jüdischen Familie abstammt und noch als Jüngling Israelit war. Ob Lehmann erat in Paris Christ, und zwar Katholik wurde, oder schon ״bekehrt" nach Paris kam, kann W. nicht genau angeben, obgleich er ihn öfters bei Heine getroffen hat. Seit der Bekehrung der Familie Mendelssohn brach unter den jüdischen Künstlern und Schriftstellern eine wahre Bet kehrungs-Epidemie aus. Einer nach dem andern sprang

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