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Das jüdische Literaturblatt · 1882-04-26 · No. 17. (26.4.1882) · p. Seite 67

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 17. (26.4.1882)
Date
1882-04-26
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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־׳"^י 67 -s■ :ü>: m mm "1׳*Vs würde. Er aber, der sich dadurch nicht in seinem j erwirkt wird, erstlich von dem,-der in seiner Ehre edlen Vorhaben beirren lassen wollte, erwiderte ihnen I gekränkt ward, und dann.auch von Gott, gegendessen j witzig: Ich bin ein keuscher Josef, weshalb das böse | Auge keine Macht über mich hat. — Aehntich ist die Stelle in Baba bathra 118a aufzufassen. Nach besagter Stelle soll Josua, den Söhnen Josefa den Rath ertheilt haben, sich gegen das' böse Auge eu schützen, worauf diese ihm ebenfalls erwidert habed sollen, dass ihre Abstammung die Wirkung des bösen Auges paralysire. Gehen wir aber ohne Voreingenommenheit auf die Sache ein, finden wir auch hierin nichts Mystisches. Nach Josua XVII., 14 sollen die Ijlachkointnen Josefs in Rücksicht auf ihre starke Population ein ausgedehnteres Gebiet für sich beansprucht, j Josua aber ihnen gerathen haben, auf einen neben i^irem Besitze befindlichen Wald ihr Augenmerk zu riphten. Diese Antwort des damaligen Siaatsoberhaupets interprelirt der Talmud dahin, dass er ihnen nahegelegt, das böse Auge oder, was dasselbe ist, den Neia ihrer lieben Mitmenschen nicht auf sich zu lenken.! Diese aber wiesen den gegebenen Rath mit dem bemerken zurück: die Lebensgeschichte unseres Urahüen lehrt, dass der Brüder Neid machtlos sei, wenn Golt anderes bestimmt hat. dr Aschmodai’s Gern Ul h 1 i c h ke i t! o d er Boshaftigkeit? ' Es darf nicht vergessen werden, dass die Agada auch der Tummelplatz für jüdischen Geist und. Witz gewesen. Wer drum bei ehandluug a£adischen Stoffes den Esprit ausser dem Bereiche alle*• Erwägungen lässt, muss auf einen durchschlagenden! Erfolg 6einer Forschungen verzichten. Einen solchen!Fehler beging auch, wie es scheint, Herr Dr. M. Grünbaum in seinen ״Beiträgen zur vergleichenden Mythologie zur Haggadah“, worüber 8. Z. das gesch. Jüd. Üteraturbl. eine Recension gebracht. So viel uns erinnerlich, machte der Herr Recensent berechtigte Ausstellungen gegen den ״gemüthlichen“ Charakter, den der Hr. Verfasser Aschmodai, dem Könige der Teufel,!vindizirt. Die Mittheilung des Talmuds — Git. 68b -j- חזיה סומא דהוה ״ קאיטעי באורחא אסקיה לאורחיהEinen Blinden, den er — Aschmodai — irregehen 6ah, brachte er auf den rechten Weg wieder“, bewog den Autor,! das Oberhaupt aller Dämone ungefähr im Typus des neckischen Bergnomen Rübezahl zu zeichnen. Wenn!es richtig, dass jeder Schriftsteller in seinem Dintenfagse sich wiederspiegelt, dass Gedankenverstellungen den innern Men Heiligkeit in der Uebertretuog seines Gebotes von der . Nächstenliebe ebenfalls gesündigt wurde. Es pflegt aber vorzukommeu, dass Jemand, der seinen Neben- ־ menschen auf die boshafteste Weise verleumdet, für Bein Seelenheil genug gethan zu haben wähnt, wenn er sich in den Busstagen kasteiet und das hergebrachte Süudenbekenntnlss abliest, ohne auf den in seiner Ehre Gekränkten die geringste Rücksicht zu nehmen. ,Auf welche Ursache“, fragt der gedachte Autor, ״mag wohl diese Selbsttäuschung eurückzuführen sein?"■ Nun lfl^ tet dessen im Namen des Rab. Loeb Thorier gegebene Antwort: ״Auf den Satan!“ ,,Wie Jemand, der seine guten Gründe hat, Stopfgänse länger als 3 bis 4 Wochen zu mästen, sie. ab und zu fasten lässt, damit sie nicht im eigenen Fette ersticken, so reizt der Verftthrer selber bisweilen einen verlorenen Sünder zu einer frommen Handlung, damit er nicht im Plühle des Lasters allzuschnell verende und durch den Tod der Satansinpcht entrückt werde‘‘.*) -1 Eine solche Gans am Ende der Mastzeit möchte wohl | jener Blinde gewesen sein, den der Dämonenkönig auf die rechte Bahn gebracht. Und das nennt Herr Dr. Gtünbaum ,.Gemttihlichkeit.“ Wir können in dieser Beurtheilung nur den Satz bestätigt finden: שאין הק״בה מקפח?!כר כל בריה. So viel Teufllisches in den Motiven gelegen haben mochte, die gute That Aschmodai's kann immerhin nicht in Abrede gestellt, und diese muss belohnt werden. So fand denn Sr. Majestät der König uller Dämonen nach Jahrlausenden endlich den wohlverdienten Gotteslohn in der Liebenswürdigkeit seines Biographen. Wolffsohn. Literatarbericht HtttnitKi. Die russischen Judenverfolgungen. Fünfzehn Briefe aus Süd Russland, Frankfurt a. M. im Verlage von J. Ka uff man n. 3882. Wer noch irgend daran zweifelt, dass Ignatiew und seine panslawistische Sippe ganz couseqaent den Plan verfolgen, die Israeliteu aus Russland zu yertilgen und sich in den Besitz ihrer Habe zu setzen, dem * ' mag die Lektüre des obengenannten Buches mit seisehen reflektiren, oder wie Buffon sagt!: ,Le style c'est j nem herzbrechenden Inhalt empfohlen sein. Die scheussl’homme“, könnten wir Hrn. Dr. Grünbaum um den liehen und bestialischen Grausamkeiten einer unwisihm innewohnenden hohen Grad voi^ Gnnüthlichkeit beneiden, die ihn befähigt, selbst denn! Oberteufel eine gemUihliche Seite abzulauschen. | Irren wir nicht, 60 scheint hiej• ein Ouiproquo vorzuliegen. Wie bekannt, sind in der Sprache des Talmuds ״einen Blinden irre führen“! und ״Jemanden zur Sünde verleiten“, identische Begriffe, Wenn nun im Gegensätze dazu von Aschmodai! berichtet wird, dass er einen Blinden auf den rechtjen Weg geführt, kann das nicht soverstanden werden, dass er einen Irrenden von einer Sünde abgehalte^? Aber in diesem moralischen Liebesdienst lag aticli das wahrhaft Satanische, dessen nur der boshafteste aller Teufel fähig war. Wie das denkbar? Eine | Moralphilosophie des Rab. Abr. Danzig, die wegen ihres hohen sittlichen Gehaltes einer grösseren Verbreitung werth ist, soll unsere Behaupiung rechtfertigen, ln seinem חיי אדם (Abschn. 142, edit. Königsb. p. 407) stellt er folgende Betrachtung an: senden, verthierten und wie Fürst Galizin selbst sagt, stets betrunkenen Horde, kann man wohl begreifen, wenn man sich vorstellt, dass es im neunzehnten Jahrhundert möglich war, . dass in Berlin, der Hauptstadt des deutschen Reiches, ein Stöcker und ein Henrici in r ihrem Treiben nicht nur nicht gehindert, sondern von einflussreicher Seite ermuntert werden. Die russische Volksmenge trifft keine Schuld — die Hyäne raubt aus Instinkt, der Fluch so unendlich vet brecherischer Thaten trifft allein die intellektuellen Urheber nnd das waren in den meisten Fällen: die von der Regierung eingesetzten Behörden. Lug .und Trug ist es, wenn es in russischen und auswärtigen Zeitungen / heisst: zur Unterdrückung der Unruhen sind Truppen commandirt worden, uein der Wahiheit gemäss muss *) Zam bessern Verständnisse des Gleichnisses ▼00 R. Loeb Thorier verweisen wir ent den Aassprach des Rab. Jose ber Jehada — Joma 76b. Die erste so wie die!weite SOnde wird dem Menschen verliehen and allenfalls auch die dritte, nisuner aber . V'rfBrAttentat aafdie Etrreodfr den Besitz eines , «e vierte. Senn es heisst: עלי שלשה־ ®שעי ישראל ועל ארבעה Andern kann nur gesühnt werden, wenn Absolution ל־ •לא אשיבנו י!: ■* , - ..

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