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Das jüdische Literaturblatt · 1882-04-05 · No. 14. und 15. (5.4.1882) · p. Seite 59

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 14. und 15. (5.4.1882)
Date
1882-04-05
Page
Seite 59 (sequence 7)
Language
German
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Phanfasiebild: ״Eio Pestaah- Abend und Prophet Elijahn“.‘ Hieran *chliesst sieh die Biographie des jüngst ▼erstorbenen grossen Taluiudiaten Aron Kornfeld nebst Bild. — Den 8aI0n beschliesst eine Nekrologie d.' J. 5642: ״Die Gräber in Israel*‘ und ״Gereimte Sprüchwörter“. Unter dem Titel ״GeuieiunQtziges“ legt ein ״erfahrener Pädagoge“ seine Ansichten ״Ueber die Erziehung isr. Kinder‘“ nieder. ׳Zum Schluss noch 4 Seiten ״Humoristisches.“ Man muss gestehen, der Kalender ist sehr reichlich ausgeslattet und bietet für 60 Pf. recht viel für Geist, Herz und Zwerchfell. Nr. 2 führt uns nach dem Kalendarium io eine ״Gallerie ron jttd. Denkwürdigkeiten“. ״Frager Ghettogeschichten“, schildern drastisch das Treiben der Frankisten. Einen besoudern historischen Werth bat1 der Artikel: ״Das Rabbinat zu Prag seit dem Dahinscheiden des R, Löwe ben Bezalel 1609 — 1879 von G. Klein perer. (Fortsetzung aus dem vorigjährigen Kalender). Der uns vorliegende bespricht Simon Wolf Auerbach, Aaron Simon Spira. Gabriel aus Krakau (Eschkeies), David Oppenheim. Letzterer berühmt durch seine •umfangreiche Bibliothek (7000 Bd. und 1000 Manuseripte), die eine Zeitlang aut Censurrücksichten bei seinen! Schwiegervater Liepmann Kohen in Hannover stand, und seit 1829 eine Zierde der Bodlejana bildei. In dem Schlusstheil des Kalenders werden uns anter ״Humoristisches ‘ Anekdoten aulgetischi, ״a ifgewarmte Sachen, wie sie nun einmal in Kalen- (lern unvermeidlich sind. Sp. Die Verlagshandlung D. Löwy (Wien, Praterstr. 15 fasste deu grossen Plan, in Form voa fortlaufenden Lieterungeu eine ״Gallerie der verdienstvollsten Juden des XIX. Jahrhund, herauszugeben. Vor einiger Zeit erschien die 1. Lieferung des Werkes, dass geradezu ein monumentales Prachtwerk zu wefriea verspricht. Sie enthält die kunstvoll gearbeiteten Photographien Salom. Frh. v. Rothschilds, Jonas Frh. v. Königs warters, Mich. Lazar Biederman’s und Isak Löw Edlen v. Hoffmannsthals, wie auch deren ausführliche Biographien. Die genannten Männer haben sich durch ihren immensen socialen Eintluss, den sie ,zu Gunsten des Judenthums und seiner Interessen ausoutsten,! insbesondere um die Wiener Judenschaft unsterbliche Verdienste erworben. Das Werk ist jeden unserer Glaubensgenossen aufs Wärmste zu empfehlen. Es wird jedem jüd. Salon wegen seiner herrliciheu Ausstattung zur Zierde dienen. Der Preis ist verhältnissmässig äusserst gering. Friedlaender, Dr. M. Fünf Wochen in Brody unter jüdisch-russischen Emigranten. Ein Beitrag zur Geschichte der russischen Judenverfolgung. Wien• 1883. Der Herr Verf. schildert mit frischen Farben den immensen Zudrang jüdisch-russischer Emigranten in Brody, wohin die ״Alliance Israelite Universelle‘• die Herren Dr. Schafier und Cb. Netter, <ja8 Leipziger Comild den Herren Magnus und die ^lar. Allianz“ in Wien den Verf. obigen 8cbriftchens als Delegirie entsendet hatten, um dem Elend der Emigranten nach Kräften zu steuern. Durch einen wojhlgeordaeten t»eschäftsapparat und mit unerschöpflicher Arbeitskraft haben die genannten Herren die Uebersiedelung eines gvtissea Theils der unglücklichen Glaubensgenossen nach Amerika ermöglichen oder ihnen anderweitige Hülfe darbieten können. Das in mancher Beziehung interessante und gut geschriebene Sdhriftcben können wir als sehr lesenswerth empfehlen. Sp. Exegetische Notizen. ־ f -— -. 1) Redensarten wie •לבס. וילך לו׳ בוץז לך׳ לך ל|־ wr etc, werden von den Grammatikern theils phne Erklärung als stehende Formel, oder als dativ. cpmmodi aufgefasst; so schon Rascbi (לסובתו ולהגאחו)■^ Beide Auffassungen reichen nicht überall aus, wie H. Lied 3,17: דמי לך. Der Beisatz soll wohl als Befleabeseichnang die Bedeutung de« Verbum auf die handelnde Person zurückführen. der Art: ״geh für dich alleia* (in dem Sinne von: trenne dich); ״flieh für dich allein* (in dem 8inne von : ״mach dich fort“); ״er ging für sich allein“; ״bleibt für euch allein.“ Es liegt jedesmal eine Ver- Stärkung der Handlung in dem Beisatze, Dsi Stelle im H. Liede weicht von dieser Bedeutung nicht ab, es liegt ebenfalls eine Reflexivbezeicbnuog in dem Beisatze: ״komm dir vor, als wärest du gleich.“ 2) בהר 1־.' יראה. Diese Deutung der! Bezeichnung des Berges מוריה macht dein Inhalte wie der Form nach den Erkiärern Schwierigkeit. Biblische Erklärungen finden sich hier zwei dieht neben einander. Au88erbiblische finden sich auch zwei vor, eine mit der Ableitung von ״ (הודה) ירהunterweisen, lehren,“ *Iso ״Berg der Unterweisung, Lehre“, die andere mit der Ableitung von ״ סודMyrrhe“, also - ״Berg der Myrrhe (Myrrheberg)“ wie ״ הר הזיתOelberg“ in ׳Bezog anf die dort (?) gepflegte Myr. hen pflanzung, öder in Benag anf das Myrrhengewürz, welches dem Räücherwerk anf dem Tempelberg beigemischt wurde.*) Beide biblischen' Erklärungen bleiben bei der Ableitung von ראה in Be-, zug auf יראה לו המה rt ״Gott wird sich!das Lamra ersehen“, wie in Bezug auf ״ בהר 1. יראהGott wird anf dem Borge erscheinen“, oder besser nach der masoretischen Accentuationen und auch nach dem Vorgänge Ibn Eera’s: ״Auf dem Berge Gottes wird man encheinen“, nämlich כל וכורך• — Die erstere Erklärung ראה; wird von dem späteren Erklärer gleichsam ־rectificirt durch: אער יאמר היום (ce qui), was heute gedeutet wird: נךאה. Ibn Esra erklärt: מעם בהד 1ז יראה, באלה הדברים; er lässt ׳'dabei kurz und versteckt die kritische Ansebauung durchbücken, dass .der späteren Deutung spätere Zustände zu Grunde liegen. 3) Hep Hep Die verschiedenen Erklärungen dieses antisemitischen Rufes zeugen für deren Unsicherheit. Sollte nicht die Schreibart ״Heb* richtiger und das Ganze eine Abkürzung von Hebräer sein, womit man in gleicher Weise eine Gehässigkeit verband, wie mit ,,Jud.“ Vielleicht auch, dass man mi^ ״Hebräer“ eher vor dem Strafgesetze zu bestehen glaubtיס und darin vom Strafrichter weniger eine Beleidigung gefunden wurde, als io ״Jud.“ In Russland heissen die Juden in der That gesetzlich ״Hebräer.“ R. A. Literarische Notizen. r Dr. Paul Haupt in Göttingen hat unlängst seine am 18. ״December 1880 an dortiger Universität gehn!• tene dabiliiationsvorleeuug veröffentlicht, welche die Episode des babylonischen Nimrod-Epos zum Thema hat, Was in diesem Epos besonders interessant erscheint, das ist der keilinschriftliche Sinlfluthbericht, namentlich da er viel genauer und ausführlicher ist als jener, den der ▼erstorbene Dr. Smith ▼om britischen Museum vor einigen Jahren heraasgegeben hat. Diese genauere Uebersetzung des keil inschriftlichen Textes gibt über folgende zwei Punkte Aufschluss, worüber man bisher noch nicht ganz im Klaren war.

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