Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1882-03-29 · No. 13. (29.3.1882) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 13. (29.3.1882)
Date
1882-03-29
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/5367336-6488244-8755961--2052-4855299
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

51 Ein Edict Diocletian's.!Neulich stiess ich auf ein Edict des Kaisers Dioc• letian gegen die Christen im römischen!Reiche, in welchem folgende Stelle, die ich in deutscher Ueber- Setzung hier wiedergebe, enthalten ist: i ״Dieweil ein Gesetz zu unsern göttlijehen Ohren gekommen ist, das uus nicht wenig missfallen hat, nämlich, dass die Ketzerei der sogenanntjen Christen, eine Ketzerei der schlimmsten Art (valde iinpiam) von neuem Überhand nimmt, dass die besagten Christen ein Judenkind, und wie es heisst, den Bastard eines unserer. Centurioren, Namens Panthira, als ihren Gott anbeten u. 8. w.“ i Aus dieser Stelle lasst sich zunächst Erklären die bis jetzt nicht aufgeklärte Bemerkung <jles Talmuds Syhnhed. 43a (in der uncensirten Ausgäbe) שאני ישו ולקרוב למלכות הוה indem er, durch seinen! natürlichen Vater Panthira, der ein Centurio war, d^r römischen Regierung nahestand. ,; 1 Ferner ist aus obiger Ausgabe zu ersehen, dass Panthira, oder פנדירא, wie dieser Natnej im Talmud und Midrasch geschrieben wird, nicht ein I Zuname des Jo:eph war, wie Winer (biblisches Realwlörterbuch S. 355׳), nach angeblichen Quellen, behauptet,) sondern der eigentliche Name des natürlichen Vaters.! Dieses stimmt überein mit der Ansicht des רב חם1א in babli Schabb. 104b und Synhed. 67a (der uncensirten Ausgabe), welche in richtiger Aaffassu ng, wie folgt lautet (Krage) ״ ,בן סטדא בן* פנדירא הואwar denn der Be- נ treffende ein Sohn Sateda’s, er war , dolch ein Sohn Paadera’s?“ א׳׳ר חסדא בעל סטדא, בועל פנדירא (Antwort) da sagte Rab Chisda: der Alaun (der ^lütter) hiess Sateda, der Buhle hiess Pandira.“ (Frage) בעל פפום בן יהודה הוא,“ der Mann hiess doch Pappus, St!hu Jeiiuda’s? (Antwort! ״ <אלא אימא אמו סטדאman muss daher sagen, dass Sateda der Name der Muiter war.“ Darnach ist zu berichtigen die Auffassung dieser Stielte in Levy’s ״Chaldäisches Wörterbuch“ S. 272. j Auffallend ist der Name פפום בן יהודה, da doch die neutestamem liehen Schriften übereinstimmend den Mann der Maria Joseph nennen. Ich vermute, dass פפום das lateinische Pappus ״Erzieher“ sei, iijnd man habe dem Joseph diesen Beinamen gegeben, uita anzudeuten, dass er nicht sein Vater sondern nur der Erzieher war.*) בן יהודה sollte sagen, dass er, wie iflt. 1, 1 ff angegeben wild, aus dem Stamme Juda v*jar, wie בן לוי im Talmud ״einen Leviten“ bezeichnet.! Schneidemühl. B ra n n ,1 Rabbiner. Literaturbericht) Beeeasioaea. Hamburger, Dr. J. Real-Encyclodädie für Bibel u. Talmud. Leipzig, in Commission bei K. E) Köhler. 1882. Von diesem bedeutenden Werke ist bereits aus der zweiten d. i. talmudisch-rabbinisclien Abtheilung das 7. Heft lerschienen,[ welches die Artikel ״Recht“ bis ״Sprichwort“ umfasst. Darunter befinden sich zwei Artikel, welche ihrem Inhalte nach in qies. Bl. besonders hervorgehoben zu werden verdien! Zunächst die Abh{mdlun&, Uber ״R^ligions phi- 1 osophie“, die allein 30 Seiten dieses Heftes ausfüllt. So erschöpfend hat der Verf. die Eatwickelungsgeschichte dieser Wissenschaft vom jüp. Standpunkte aus behandelt, dass schon desshalb diese Realencyclo- *) ,Pappus* kann Übrigen* auch eine abgekürzte Deminutiv- form von ״Joseph, Giuseppe, Sepp* »ein. (Retll) 1 I pädie auch jedem isr. Religionslehrer oder Tür densel- 1 ben in der isr. Schulbibliothek zur Anschaffung mit 1 Recht zu empfehlen ist. (Ebenso interessant sind die Religionsgespräche, welche hier aus Talmud und Midrasch zusammengestellt sind.) Wichtig ist ferner der Artikel über die ehema- } ligen Seelen itn׳ Judenthum — Sadducäer, Pharisäer und Boöthusäer — wobei der Hr. Verf.. über die ersten beiden Seelen eine andere Ansicht als Gei־• ger äussert. Es dürften vielleicht beide Ansichten zu vereinbaren sein. Es stimmen übrigens alle jüdischen Religionsgelehrten darin überein, dass Jesus aus der Essäersecte hervorgegangen. ist; und es unterliegt, dämm keinem Zweifel, dass selbst christliche Religionsgelehrte über die Entstehung und Entwickelung ihres Bekennt• nisses manche neue Belehrung in dieser-. Encyclopädie finden können und somit dieselbe auch ihnen bestens * zu empfehlen ist! Bad-Ems. Dr. Hochstädter, Bezirksrabbiner. Wünsche, Licen. Dr. Aug. Bibliotheea Rabbinica. Eine Sammlung alter Midraschim zum eiisten Male ins Deutsche Übertragen. 13. Lieferung. Ij>er ^Midrasch Echa Rabbati (d. i. d. Haggadische Auslegung der Klagelieder). Leipzig, 0 tfo Sch u 1 ze, 1881. Mit Noten und Verbesserungen von Dr. J Fürst und D, O. Straschun.; (Fortsetzung.) Ferner ist die Lesart א0א(ם) דבצליה eine sehr schwierige, sowohl lexicalisch als grammatisch In Al.׳ Kohel. steht זאם דבצלי aber in Jalkut Jecli 21,28 steht .על אמה דנעלד; hier scheint also ein Stab (אמה virga) gemeint zu sein, "Her am Kreuzpunkte aufgerichtet war, und zwar in die Miite gesetzt 1' .מתווכת' S. 14, Z. 12. Die Bibelstelle reicht Jbis ״gezogen“, und nicht, bis ״wäre“.! S. 15, Z. 2 Statt ״Gelagen, ,so sitzen sie am neunten Ab und singen Klagelieder“ tn.!e. h. v,bei der Mahlzeit (vor Beginn 1 des 9. vb, setzet sie sich und lesen Klagelieder ״Elegien und Echa“ ,(Tw. ואחר שהן יושבין ואוכלין ו^ותין ומשתכרין בסעודת ט' באב יושבין וקוראין ק־נין ונהי ואיכה). Siehe die Ansicht ti. S. t. Gamliel's Tliaaniih babli 26b und 30a. S. 24, Z. 26. Stau ״die Reiter gehen berauscht « hin und her“ muss es heissen: ״sie gehen paarweise hin und her“. (Tvr. משתי אולין ומשתי איתין) um zahlreich zu erscheinet!) '; S. 25, Z. 7. Statt ,,um das Gefilde jammert man“ (Jes. 32, 12) m. e hj ״um die Zerstörungen weint man“. (Tw. שדים'. So auch der rnasor. Text Der ־ Midrascn leitet שדים von שד' ,.Zerstörung“ ab. Auch Fürst hat den Midrasch n. 11. Meinung falsch verstanden.) S. 27, Z 21. Statt ״übrig gebliejben“ m. e. h ״besonders unterschieden“ (Tw. נשתניתי^ S. 28, Z 14 v. u, statt ״weil 8ie‘f m. e. h. ״die da“ (Tw 1• (שהם S. 29, Z. 1 statt ״und traten gegen sich selbst auf“ m. e. h. ״und standen (still) für sich <la“ (Tw. ועמדו י .(בעצמן! - S. 31, Z. 14 statt ״was bin ich“ m. e. h. ״wenn schon ich“ (Tw, ומה אני). : S. 34, Z, 10 statt ״Blitze und Donner“ m. e. h, ״durch Meteore (Kometen) und Blitze“ (Tw. מאיר לו דקין .בלילות בויקין וברקיו sind wie die vom Midrasch citirte M. Berach. 9, 2 zeigt, nicht ״Blifee“ und □ברקי nicht ״Donner“, sondern‘jene sind Sterne (Meteore oder Kometen) and diese ״Blitze“! S. 36, Z. 1 v. u. statt ״zerbrechend m. e. h. ״sich krümmend stöhnen“ (Tw.פרפר siehe a. Bein, zu S. 4. Z. 14.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.