Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1882-03-08 · No. 10. (8.3.1882) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 10. (8.3.1882)
Date
1882-03-08
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/5367336-6488244-8755958--2042-4855291
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ן 39 schale,*) stellt für seine Anhänger folgende Gruidgebote auf: Jedes Mitglied der Secte ״Neu-Isrnel“ gesteht den grossen Nachtheil ein, welcher aus den über{ die Gesetzgebung Moses gemachten Erläuterungen ^ler frühem babylonischen und Jerusalemer Rabbiner erwächst, und hält nur die fünf Bücher Mosis in derien buchstäblichem Sinne für heilig. ״Neu-Israei“ anerkennt den Montag als ersten Arbeitstag und uberträgt den Ruhetag auf den Sonntag. Auf Grund eines im zweiten Buche Moses vorkommenden Satzes, worin den nachfolgenden Generationen anlieimgestellt wird, die religiösen Bestimmungen im Sinne des Zeitgeistes zu ändern, hebt ״Neu-Israel“ die Beschneidung cer neugeborenen männlichen Kinder auf; die Aufnahme der Neugebornen in den Schooss der Secte erfolgt acht Tage nach der Geburt durch ein kurzes Gebet. Die jüdischen Gebete werden gekürzt und abgeapdert; die hebräische Sprache jedoch beibehalten. Jejdem Mitgliede der Secte wird das Recht ertheilt, Geflügel und anderes Vieh selbst zu schlachten und wird d|as יו leisch von durch Christen geschlachteten Thierenj ebenfalls als ״koscher‘1, anerkannt. Sämmtliche historischen und religiösen Feiertage der Juden, wie: Ostern, Pfingsten, Neujahr, Versühnungsfest und Laubhüttenfdst werden gefeiert, mit Ausschluss der von den Talu1u|disten hinzugefügten Feiertage: auch werden die historischen Halbfeiertage Chanuka und Purim gefeielrt. Jedes Mitglied der Secte erkennt die ■ russische Sprache als seine Muttersprache an und verpflichtet sich, dieselbe sowohl im Hause als im öffentlichen Verkehr zu gebrauchen. Sämmtliche Civil- und Criminaliesetze des russischen Reiches werden von den Mitgliedern ״Neu- Israels1‘ als heilig anerkannt; die Milgliedei gararttiren für sich gegenseitig, dass sie die erste bürgerliche Pflcht — d ie Militärpflicht — treu erfüllen werden. Den Mitgliedern der Secte ist verboten, Wucher zu treiben und Prostitutions-Häuser zu halten. Vom Tage der von der Regierung eingelangten Bestätigung der Secte haben die Mitglieder derselben dad erste Jahr hindurch jedes neugeborne Kind nach den Namen des Kaisers zu nennen. Durch eine Petition bei der Regierung sei zu erwirken, dass den Mitgliedern der Secte ״Nen-lsruel1‘ volles Bürgerrecht, staatliche Hilfe zur Verbreitung der Secte und die Erljaubniss zur Eheschliessung mit Nichtjuden ertheilt weijde.“ ■ fr - Literaturbericht.; ' Receasiouea. Wünsche, Licen. Dr. Aug. ßibfiotheoa Rabbinica. Eine Sammlung alter Midraschim zum ersten Male ins Deutsche übertragen. 13. Lieferung. Der Midrasch Echa Rabbati (d. i. d. Haggadische Auslegung der Klagelieder). Leipzig, O t to Sch u 1 ze, 18$ 1. Mit Noten und Verbesserungen von Dr. J. Fürst und D.jO. Straschun. Der geehrte Verfasser hat uns hierdoit eine neue Frucht seines rastlosen Midraschstudiums geboten, deren Zeitigung von den Fortschritten zeugt, welche der fleissige Verfasser gemacht hat Die Zugabe der Berichtigungen und Noten von Fürst und Straschlun ist werthvoll, da viele vom Verfasser unrichtig übersetzten Stetlen berichtigt und theilweise aufgehellt worden sind. Zum leichteren Gebrauche wäre es zweckmässiger gewesen, wenn die Znsätze entweder unter dem Texte angegeben wären, oder wenigstens durtih Zahlen auf sie aufmerksam gemacht wordeu wären.' ״ *)• Wi• •in Cortasp. •11• Ode•»• im jttagstan ,Hmxaf•* bariehtat, ut;4a• betr. Schulmeistertem ein ganz eonfuser, hatpverrttekter Kopf. Auch diese Uebersetzung ist im Ganzen! genommen eine treffliche; dennoch bedurftes einer nochmaligen genauen Prüfung, da trotz der von F. und S. gemachten Berichtigungen mancherlei zu berichtigen ist. Wir freuteu uns aber Stellen zn findest, deren Berichtigung von Fürst nicht vollständig begründet ist, sowie solche, in denen F. dem Verfasser widerspricht und S. mit dem Verf. übereinstimmt. Einiges gestatten wir uns noch zu bemerken. Einleitung S. V. Die Prooemifn betr. Verf. behauptet, die Prooemien hätten zweifellos de» Zweck, ״die Geuiüther zur Trauer“ zu stimmen. Das ist aber wohl nicht die Absicht derselben; vielmehr sollen sie den ohnehin ja trauernden Israeliten die unerschütterliehe Ueberzeugung beibringen, dass' das grosse nationale Unglück — eine Folge 'der Sünden des Volkes ist, und nur Busse und Läuterung die verheissene zukünftige Erlösung herbeifuhren kann. Es Lwar dies Huch noihwendig zu lehren. Denn die ganzje entsetzliehe Schwere des Unglückes, das Elend des jähen Sturzes führte die Trauernden zur Frage: Warum leiden wir gerade so sehr? Dass Gott gerecht ist und war, wollen die Prooemien betonen; daher auch der Refrain: כ<יון שחטאו גלו• S. 16 Z. 3 v. u statt .,versetzt“ muss es heissen - ״ausgerissen‘, d. i. entrückt (Tw..נתלשות>. j S. 1, Z 1 v. u. statt ״nicht unterstützt haben“ muss es heissen ״(weil sie das Verdienst der 8chrift- und Mischna-Lehrer) nicht feslgehallen habien“. (Tw. ־ י ~ ־ •(שלא החזיקו בשכר םופריב; S. 2, Z. 3 v. 0. statt ״schickte nach R.; Asi“ m. e. h. ״schickte den R. Asi“ (als Synhedrialbpten) (Tw. (1 (רבי הוד. סשלה לר׳ אפי 1 S. 2, Z. 5, Statt ״um sich nach den Bedürfnissen des Landes zu erkundigen“ 111. e. h. ״dass Sie Ordnung in den Städten des Landes Israel einrichten.“ (Tw. ׳ .(ויתקנו! קרייתא דארעא! S. 3, Z. 4 Statt ״Gesetz“ muss e. h.!״Wahrheit“ (Tw. איו־ז) j S. 4. Z. 6. Statt ״Ich bin et (d. r. ich bin schuld), sprach er, ich habe ihn schlecht erzöge^“ in. e. h. ״Meine Zöglinge sind es die schlecht geworden sind“, d. h.: Wie unglücklich bin ich, dass alle, meine Kinder entartet sind. (Darauf deutet das Gijüchniss von R. Jochmann und die Textworte: אנא הוא דתרצית• בישא und die Schriftworte: אוי לי על שברי• Die Construction הוא ד * * י ist gleich c’est que und אנא eine Verstärkung des Saffix in זזרבייזי gleich: Meine gan'ze Zucht alle meine Kinder.) S. 4, Z. 14. Statt ״in seinem Zorne“ <n. e. h. ״und er krümmte sich stöhnend auf dem Boden". (T. w. ־.(ופרפר^ S. 7, Z. 12. Statt ,ihre Thore“ m. e. h. ״ihre ״OefFnungen“ (Tw. .פהתיך. Der Midrasch Sieht in dem Plural die beiden Zerstörungen angedeu|tet; er fasst פתח eben nicht: als ״Thor“ sondern als Durchbruch der Mauern.“! .! S. 9, Z. 17. Statt ״die leichten heiligen Opferr theile“ m. e. h. ״die Opfertheile leichter Opfer“ (Tw. אמורי קדשים קלים). . . S. 11, Z. 2 v. u. Statt ״Samaria’s* m. e. h. ״ia Samaria“ (Tw.!בשמח).! S. 12, Z. 10 und 13. Der Midrasch liest und dentet die Worte וחמץ על נתר (Prov. 28, 20) {nicht wie die Massora; er liest תר). Diese Deutung! hätte daher klarer geiegt werden müssen.’! S. 1£, Z. 15 und 16. Statt ״Wer einen Gesang anstiaimt, wird nicht - bemerkt zur ־Zeit des Tanzes, ebenso wer einen Gesang. anstimmt, wird vom ThOjen! nicht vernommen“, m. e..h.«״So viel, map aucbÜLteder ■ 1, - - '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.