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Das jüdische Literaturblatt · 1882-02-22 · No. 8. (22.2.1882) · p. Seite 31

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 8. (22.2.1882)
Date
1882-02-22
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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ihm besitzen, unser Eigen nennen durften. Mit berech- 1 tigtem Stolze schaut unser Schwaben, schajit ganz Deutschland auf ihn, als seinei besten treuesten Söhne! Einen. Wie hat er doch die Seele des V01kes|in ihren j geheimsten, zarten Regungen, in ihren heiligsten Empfindungen, in ihrem Denken und Fühlen liebfevoll belauscht und, was er vernommen, in meisterhafter Form zur Darstellung gebracht! Wer aus der gr<}s8en Gemeinde der Gebildeten hat nicht schon aus (den Geisteserzeugnissen des grossen Meisters, wie aus einem erfrischenden Quell, Labung und Erquickung geschöpft, Erhebung des Geistes und Läuterung des jGemüths, Weibe und Heiligung gewonnen?׳ Und wer׳ nun gar das Glück hatte, ihm persönliah näher zu traten; wer ihm in das seelenvolle Auge hat schauen, sein anmuthend Wort vernehmen dürfen, der kennt den wunderbaren Zauber, der von ihm ausströmte und ihn) Freunde und Verehrer warb in grosser Zahl. Durch die überwältigende Macht seiner Persönlichkeit, durch! die wunderbare Kraft seines Wortes wirkte er hinreißend und begeisternd auf seine Zeitgenossen. Er, der einst dem Berufe des geistlichen Lehrers1' sich hat widjmen wollen, hat, trotz der Umgestaltung seines Lebensplanes, sich dennoch eine Kanzel errichtet, weit außchauend, hoch erhaben, von der herab er zu Tausenden und aber Tarnenden seines Volkes geredet, sie eirwärmend und begeisternd für die höchsten und heiligsten Güter der Menschheit, für Wahrheit und Recht, für Humanität und Sittlichkeit, für Liebe und Treue, füij die Liebe zur Menschheit, für die Treue gegen das!Vaterland. Ja für die Treue gegen das Vaterland, das; er liebte, so glühend, so innig, so tief, an dem er hing mit allen Fasern seines liebewarmen Herzens. Mitten in einer Zeit, in der allein scbon der Gedanke an Deutschlands Einheit als ein grosses, schweres, strafwürdiges Vergehen erschien, da wirkte, strebte und litt! er für die Verwirklichung dieses heiligen Gedankens., Und als der Gedanke, dem er die Kraft seiner Jugend geweiht, Gestalt gewonnen, zur beglückenden Wirklichkeit geworden, als ein schönes Stück unserer deutschen Erde, das in den Zeiten der Ohnmacht und det Schwäche uns entrissen war, nach jahrhundertlanger Getrenntheit ״wieder unser“ ward, 0 da jubelte seine Seele,- da ward seine Brust von Begeisterung geschwellt, da entlpckte er seiner volltönenden Leier manch herrlich Lied, da wirkte er mit der ganzen Kruft [seines Gei- «tes und der Fülle seines . reichen Gemütpes für die Versöhnung von Nord und Süd, für die!Hinwegräu• mung jener Scheidewände, die die Verschiedenheit der Lebensanschauungen, der Gewohnheit und Sitte zwisehen beiden aufgerichtet hatte. Er, der! grosse und edle Sohn seines, unseres uralten Stamme# und Glaubens, stellte in seiner Person den kräftigsteh energischsten Protest gegen jene verleumderische^ Vorwürfe ond Anklagen dar, die Vorurtheil und Wahn gegen uns, gegen unsere Zugehörigkeit zum deutschen Volke erhoben haben. Wie eine brennende Schmach empfand es der Verblichene in seinem treuen deutschen Herzen, als die Flammen des Hasses und der Verfolgung wie aus einem unterirdischen, längst für erloschen gehaltenen Krater, von Neuem gegen uns empjirgesch lagen. Tief, tief empfand er die Kränkung, die (dadurch seinem geliebten deutschen Vaterlande von! dessen eigenen Söhnen vor den Augen der ganzen gebildeten Welt ist zugefügt worden. Und wie einst Moses, der am Königshofe Erzogene und Heimische, doß im Lande der Pharaonen, es nicht verschmähte, seiner bedrückten Brüder liebevoll sich anzunehmen, so | trat auch er, der an Fürstenhöfen Geschätzte, hinaus zu seinen ge: schmähten Brüdern, um sein zündend Wort in ihren Dienst zu stellen. Ja, er war ein treuer; Sohn Juda’s, der allenthalben mannhaft und kraftvoll eintrat, wo man Juda's Ehre angriff, sein heilig Recht verkümmerte, seinen Namen verunglimpft und geschmäht hat. Stellte er doch in sich die schönste und־edel8te Ver- Schmelzung des deutschen und jüdischen Geistes d^r. In ihm schlug vor allem das jüdische Herz in seiner ganzen Innigkeit und Wärme. Voll Liebe umfasste er die ganze Menschheit, umfasste er das Vaterland; aber sein Herz schlug darum nicht minder warm für. den engen Kreis der Familie, der er entsprossen. Welch hohe Stufe, des Ansehens er auch errungen, treu ujnd innig hing er־ doch an ihr und trug in seinem warmfühlenden Herzen die Sorgen und Angelegenheiten eines jeglichen Gliedes derselben. — Ja, hochverehrte Vier- Sammlung, nicht nur die durch des Blutes und der Verwandtschaft Bande ihm Nahestehenden, nicht nur Gatte und Kinder, nein, wir Alle, Alle haben Vieles, Grosses in ihm verloren, weil wir so Vieles, so Grosses in ihm besessen haben. An seinem Grabe trauert gan2 Schwaben, ganz Deutschland, denn Einer seiner Besten ist von dannen gegangen. Du aber, grosser Todter, wie Du Versöhnung und Friede einst Deinem Volke gepredigt, so werde auch Dir droben in den himmlischen Gefilden des Jenseits Friede. Wie wir einst im Leben auf Dein Wort gelauscht, so seien auch die Stimmen, die aus Deinem Grabe tönen, uns eine Mahnung, die nicht ungehört verhallen soll. Dem Dießste der Idee war dein ganzes Leben gedeiht und auch uns soll der höhere, sittliche Gedanke durch das Leben leiten und führen. Immerfort hast Du gewirket, gestrebt und geschafft, am Spätabende Deines Lebens n06h, bis der Tod Dir den Griffel hat aus der ־Hand genommen. So wollen auch wir unermüdlich thätig sein, uhverdrossen wirken und schaffen nach den Kräftön, die uns Gott verliehen, m dem uns zugewiesenen Berufs- und Lebenskreise Es haben die ^lteff ein sinniges Wort gesprochen, als sie sagten, ״Die wahren und bleibenden Nachkommen der fidlen sind ihre Werke!“ Und auch Deine Werke, die Erzeugnisse Deines reichen Geistes- und Gemüthslebens Bichern Dir ein rühm- und segensreiches Gedenken in der Menschheit für alle Zeiten, verbürgen Deinem Namen die Unsterblichkeit; ja, diese Deine Werke, sie werden erfrischend und erquickend, erhebend und läuternd, veredelnd und versittlichend wirken auf zahllose Geschlechter. So habe denn Dank, heissen Dank für den reichen Segen, den Du gestiftet, ja für Alles, was Du der Menschheit gethan und innerhalb der Menschheit IsraeL Möge dein Andenken unter uns. gesegnet sein und bleiben und als ein gesegnetes Gutes und Edles־ wirken und schaffen. Amen.“ Das religiöse Bewusstsein der Menschheit im Stufengang seiner Entwicklung. (Fortsetzung.) Als ob die Probleme der Persönlichkeit und Absolutheit Gottes irgend etwas mit dem religiösen Bewusstsein zu schaffen hätten und nicht lediglich vor d83 Forum der Philosophie oder speculativen Theologie gehörten 1־ Als ob das Buch, welches bestimmt war, Religion dem Gemüthe der Menschheit zu übermittein, zugleich die Aufgabe gehabt hdtte, ״strenge Begriffe“ von Gottes Wesen ihr mitzutheilen und Lösungeu für widerstreitende Probleme zu geben, welche gar nicht der Lösung bedürfen, weil der Widerstreit nicht in der Natur des Objects, sondern nur in׳ der , des auffassenden Subjectes, und da mit unbrechbaser! Nothwendigkeit entsteht. Gott istallgegenwär-

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