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Das jüdische Literaturblatt · 1882-02-22 · No. 8. (22.2.1882) · p. Seite 32

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
11 (1882)
Issue
No. 8. (22.2.1882)
Date
1882-02-22
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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tig und ewig — das lehrt die Schrift an unzähligen Stellen, wenngleich nicht in strenger Begriffsform, aber für jeden Bibelkenner unzweideutig und klar. Diese Lehre lebt hier gleichsam ihr volles Leben, ent-• springt hier mit ursprünglicher Kraft aus dem Urquell der Religion. Im Leben, im originellen Leben giebt es aber nur Anschauungen, kräftige Erscheinungen, zu denen logisch abgezogene Begriffe sich verhalten, wie V>dte Kunst zu lebendiger Natur. Diese Lehre tritt hier nicht als Begriff, wohl aber als Ueberzeugung auf, als tiefe,‘durchbrechende Ueberzeugung, wie Unzählige Stallen beweisen, und Ue berz eu g u ng, nicht begriffliche Fassung ist die Seele des religidsen Bewusstseins. Dass dieser Gott zugleich persönlieh sei — lehrt die Schrift etwa auch dies? Nein, sie redet nur 80, als ob sie Gott sich persönlich 'dächte, weil sie das Verhältnis8 des persönliehen Menschen zu Gott, worauf es ihr, um Religiösität zu begründen, vor Allem ankommt, unmöglieh .-anders ausdrücken kann. Wenn der Monotheis mus nicht etwa eine todte Vorstellung bleiben soll, weljrtie nur den Kreis meiner metaphysischen Theorien erweitert, wenn er mein Leben und Streben veredelnd, versittlichend beeinflussen soll, wenn er mir ein Trost sei ia der Noth und ein Warner beim Aufwallen meiner Affecte. wenn er m. e. Worte R-eligiösität in mir erwecken und beleben soll, so muss ich ihn mir — nicht an sich — persönlich denken, wenn ich gleich noch so gut weiss, dass er gar nicht per sönlich sei. V<^je kann ich mich denn im Verhält!.!ss denken zu Etwas, was nicht Sache oder Persou ist? Aber es ist sonnenklär, dass dies eine ganz subjecrive Nöthigung ist. Weil ich mich nicht anders denn nur als eine abgeschlossene Person denken kann, so denke ich auch Gott nur als Person, aber muss Gou deshalb nur Person sein? Also nicht die ״hoch nicht erreichte Absolutheit1‘ Gottes, nein,' die nie erreichbare Absolutheit m eines Wesens, wird, wenn ich mit wirklieh religiösem Bewusstsein meinen Gott erkenne, mich ewig zwingen, ihn persönlich zu fassen. ~ Die Schrift athmet die Ueberzeugung von •dem allmächtigen Walten eines unbeschränkten Gottes; diese Ueberzeugung ist ihr Ernst und־ wird von ihr an zahlreichen Stellen nachdrücklich betont; diese Ueberzeugung ist ihr unleugbar zum lebendigsten, wenngleich nicht philosophischen Bewusstsein gekommen. Kann das Gleiche hinsichtlich der persönliche 'n Fassung des Monotheismus von der Sctyrift ausgesagt werden? Lässt etwa auch nur Eine ihrer zahlreicheu Anthropomorphismen die Ueberzeugung «ahnen, dass Gott eine persönlich beschränkte Wesenheit sei? Ihre versinnbildende Absicht liegt so auf der Hand, dass den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters Nichts leichter geworden ist als die Klarlegung dieser Absicht. Es gibt aber demnach für die Schrift auch gar nicht einen zu lösenden Widerstreit zwischen den Problemen der Unbeschränktheit und Persönlichkeit Gottes, denn nur mit jener ist's ihr Ernst, diese nur ein symbolischer Nothbehelf. (F. f,) Literaturbericht Kecentisne■. Zackermann, B. Dr. Materialien zur Entwick- י ׳ ז׳ lang der aitjüduchen Zeitrechnung im Talmud. Jahresbäricht des jüd -theologischen Seminars in Breslau. 1882. uns darauf aufmerksam, dass( eigentlicli nur derjenige Zuckerinann recensiren dürfender בקי בקביע׳ דירחא ist; aber zum Glücke ist die dem diesjährigen Seminarprogramm vorausgehende Abhandlung so klar und lichtvoll gehalten, dass auch ein Geringerer als ein שמואל ירחינאה seine herzliche Freude über diese gehaltvolle Arbeit änssern darf. Aus dem reichen Schatze der Mischna und beider Talmude, stellt der Verf. alle diejenigen Momente zusammen, die geeignet sind, auf die Entstehung und Entwickelung des jüd. Kalenderwesens ein Licht zu werfen. Aber uijter der Hand des geistvollen Forschers gestaltet 8icl| die trockene Sammelarbeit bald zu einem harmonischen Organismus und aus hie und da an tausend verschiedenen Orten zerstreuten und versprengten Notizen entwickelt sich vor uns das klare Bild, nicht nur des gerichtlichen Verfahrens der Monatsbestimmung, sondern auch der diesem Verfahren zu Grunde liegenden empirischen und wissenschaftlichen Momente, J^it grossem Scharfsinn— und mit den dem Verf. in so hohem Grade zu Gebote stehenden Hilfsmitteln der Mathematik, werden die Discnrsionen der Talmudlehrer über die einschlägige Materie noch in 7 besonderen ExcurseD beleuchtet, von denen namentlich Excurs III. S 61, IV. S. 63, und VII. S. 65 kleine Meisterstücke talmudischer Hermeneutik genannt zu werden verdienen. Aus der übersichtlichen Darstellung drängt sich jedoch dem unbefangenen Beurtheiler eine Ueberzeugung auf, die der Verf. wohl an mehreren Orten andeutet, doch uicht mit der nothwendigen Entschiedenheit ausspricht. Die rein empirische Behandlung des Kalenderwesens scheint einer sehr weit, vielleicht weiter noch als Esra zurückliegenden Epoche anzugehören, gewisse freilich von der Erfahrung abstrahirte Grundsätze sind sicherlich früher schon als der Verf. annimmt, in Anwendung gebracht worden, un'd nur die zum Wesen des Judenthums gehörende Pietät für jedwede Ueberlieferung, ficss noch Jahrhunderte lang die empirischen Formen für eine nach wissenschaftlichen Regeln bestimmte Kalenderberechnung bestehen. Hierzu kommt noch, dass die Bethätigung dieser Formen unbestritten als biblisehe טצות עשה galt,* t vor Allem aber ein ganz bedeutendes Prärogativ des Synhedrions oder der sonstigen religiösen Autorität ausmachte und endlich deut judäisehen Mutterlände lange Zeit die Superiorität über andere religiöse Centren wahrte; kein Wunder, dass die empirisc(1e Handhabung des Kalenderwesens und alle daraus entstehenden Möglichkeitsfälle noch lange Gegenstand der Discursion blieben, als in der Praxis schon längst die wissenschaftliche Berechnung den Ausschlag gab. Uebrigens bewahrheitet die vorliegende Arbeit wieder einmal glänzend das, was auch Graerz am 27. Stiftungstage mit vollem Recht hervorheben konnte: dass das Seminar die Aufgabe erfüllt, ein positives Jadenthum auf”wissenschaftlicher Grundlage herzustellen, wie es stets die jüdischen Geistesheroen angestrebt hatten. Für die Durchforschung und Bearbeitung des Talmuds in mathematischer, metronomischer und chroiiologischer Beziehung, wird Zuckermann seit seiner epochemachenden Arbeit Uber Sabbathjahrcyklus und Jobeiperiode (Jahresb. d. Sem. 1857) sowie: ״über talmudische Münzen, Gewichte.* (1862). ״Das jüd. Maasssystem.“ (1867). ״Das Mathematische im Talmud.“ (1878) stets als Bahnbrecher und Pfadfinder gelten. Caro-Erfurt. *) Für Maimonides bezeichnend ist, dass er bei Erwähnung dieses Gebots 'den Nachdruck auf ,die Pflicht des Gerichtshofes Der verehrte Herausgeber dieses Blattes macht לחשב ולידע legt fWllltsilHtlwr Mssttir Dr. KSrhasr fh ■ijfdebafg: 1 D^nA ron“lL'Hyrha^‘k ln ßatby, Verlag vyn Robert Frieda ia Laipslg.

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