Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 4. (25.1.1882)
- Date
- 1882-01-25
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Licht auf das apokryphisclie Buch nicht fallen kann. Es ist derselbe Uebelstand, der schon mehrfabh anderen Forschungen über die Vorperiode des Christenthuais angehaftet hat und der, wie es scheift, nicht absichtlich von Deane festgehaiten wurde. Wir meinen den Uebelstand, dass die christlichen Forscher die einschläglichen Hauptquellen der talinudischen!Literatur nicht beachten. So wie das neue Testameüt gerade durch diese Literatur erst in helleres Licht tritt, so ist es mit den Apokryphen, mit den vortestaujentlichen Schriften. Es genügt nicht Philo zu kennen. , Es muss daran festgehalten werden, dass zwischen dem egyptisehen Gelehrten und den palästinensischen ein reger Geistesverkehr war und die religiöse Gedankenwelt der feingebildeten egyptischen Juden trotz aljer Eigenartigkeit doch ihre Nahrung von dem Brupnen der palästinensischen talmudistischen Forschung j schöpfte. Es muss daran festgehalten werden, dass ohne g r ü n dliehe Kenntniss der tal mudisc 11 en Liter atu r j (M idrasch, Mischnah,Talmud etc.) das volle Verständniss einer grossen Menge Von Aussprächen in der griechisch geschriebenen jüdischen bezw. apokryphischen und Christliehen Literatur nicht möglich ist. iMe Christliehe Theologie wie die Geschichfe christlilcher Religionsphilosophie muss und kann nur durch djese grosse Literatur der Rabbinen zur Klarheit über diq urchristliehe Zeit, gelangeu. Andererseits ist wiederum der Einblick in die Apokryphen für d׳e Würdigung der jüdischen Literatur und ihres Einflusses von pedeutung. Deane hat zwar durchaus keine tendenziöse Unterlassung begangen, denn bei aller seiner ^!iebe zum Christenihuin ist er ein unbefangener Forscher, er citirt einigemal das Targum jeruchalmi und eil rt die von Anderen gebrachten Beziehungen zum Talmud. Aber dennoch hat Deane die so hochinteressante Vergleichung der Midraschim mit dem Buche der Weisheit nicht vorgenommen. Und doch findet sich eine sülche Masse von Midraschim in diesem Buche, wie in ßen Piutiin angedeutet, dass es eine an sich nicht unlohnende Aufgäbe wäre, die m i d r as c hi sc h en Qu eil len des Buches der Weisheit genau anzugeben j Der Ve'rfasser dieses Buches muss ein sehr genauer jKeuner des Midrasch gewesen sein, der mit der Gewandtheit eines Poetan in einem Worte einen Midrasch ausdrückte. Zum Beweise unserer Behauptung unjd jnm den Herrn Professor auch zu dieser neuen Forsühung anzuregen, gestatten wir uns, einige Beispiele hierbei anzuführen (Schluss folgt) Ideogramme der assyrischen Keilinschriften xar grOssten. Vorsicht gegenüber den Resultaten der modernen Forscher mahnt. Es ist mehr, als fraglich, ob die biblischen Angaben nicht die Enträthselung der Keilin- ’ Schriften zu Wege gebracht. Ueber die Bereicherung des hebräisch-grammatischen Sprachsatzes durch die assyrischen Keilinschriften haben wir früher schon in diesen Blättern eingehend berichtet. So hat Oppert sehr glücklich das assyrische ״istin* mit dem hebr. עשתי, das schon dem Ibn Esra in Bezug auf Etymologie viel zu denken gegeben, pärallelisirt. Der Verf. verbreitet sich in 6 Büchern (Capiteln) des Näheren? über: Die Götternamen,, die Schöpfung, die Sündfluth, den Thurmbau, die Chronik, die chaldäischen Weisen. Die Angaben der Keile auf den Tafeln von gebranntem Thon werden den auf Berosus zurückgeführten Fragmenten, die Josephus, Clemens Alexandrinos, Eusebius und Syncelius gelegentlich mittheilen, gegenübergestellt. Bei der Sündtluth werden auch die Berichte anderer Völker zur Vergleichung herangezogeu. Die Arbeit entbehrt also nicht eines gewissen wissenscheftliehen Anstriches. Wie problematisch bisweilen die ” mit gelehrtem Applomb sieh ankUndenden Auseinander- Setzungen sind, beweist die gewaltsame, förmlich bei den Haaren herbeigezögenen Identiücirung von דדזי und חמוד. Die Monatsnamen des noch jetzt: üblichen jüdischen Kalenderjahres auf babylonische Beeinflussungen zurückzuführen, ist eine dem Talmud sehr gdäufige Relation. Auch die aSsyr. Inschriften kennen ziem- ■ lieh analoge Monatsbenennungen mit Ausschluss des Monats תכיו, für den sich nur die Benennung דרזי tindet. Verf. arguinentirt nun (pg. 44) wie folgt: דוד und תכו sind identisch, da ד und ת, weil litterae dentales mit einander vertauscht werden können. ו uuä מ können gleichfalls in einander übergehen, weil sie zur Buchstabenklasse בונוף gehören, ergo דוו =r תמו, quod erat demonstrandum. Bei Rechenoperationen heisst dieses Verfahren: Buchstabenpermutation. Für plhilo* logische Zwecke sind derartige primitive — Spielereit'D absolut nicht zu verwerthen, Verf. schwört noch, wie aus seinen^Erörterungen (p61 .״) hervorgehL auf das Dogma der dualistischen Theorie, nach welcher die Berichte in Gen. aus zwei Urkunden, einetr elohisti- . sehen und jahwistisclren,'zusammengeflossen sjeien. Für die moderne Bibelkrilik ist diese äusserliche, wenn ich' so sagen darf, anatomisch secirende Auffassung' der einzelnen Bibeipiecen ein längst überwundener Standpunkt. Jedenfalls ist damit der kritische Standpunkt des Verfassers illusfrirt und gerichtet.! , Sohrau O/S. Dr. Immanuel Deutsch. * Rubin, Dr. S. בירוסי הכשדי Berossos!oder Chaldäische Alterthümer. Wien 1882. kl. 8°. | 160 S. Das Titelblatt vorliegender Schrift enthält ausserdeui noch die Bemerkung: ״Chaldäisehe Alterthümer, als durch die neulich im Boden Assyriens äusgegrabenen Keilinschriften bestätigte Seitenstücke zur Bibel.“ Damit ist die Tendenz dieses Büchleins vofll und klar ausgesprochen, eine Tendenz, die gewiss nt)r Billigung und Anerkennung verdient. Auch den Gelehrten unter unsern Glaubensgenossen, denen das Verständniss der deutschen oder gar der französischen un(J englischen Sprache unüberwindliche Schwierigkeiten , bietet, hat der Verf. die Forschungen und Funde deir bekanntesten As&yrologen, eines Oppert, Lenorniant, Smith, Rawlinson, Layard, Schräder und Delitzsch dpreh Uebertragung in’s Hebräische zugänglich gemacht. Bekannt ist, dass die Funde der Assyrologen mit den Angaben der Bibel manche frappante Berührungspunkte haben; aber der Verf. ist doch zu sehr Sanguiniker, wenn er , es nicht zum Bewusstsein bringt, dass die! polyphonen 1 Stern, .1., Rabbiner. Lichtstrahlen aus! dem Talmud. Zürich. Verlags-Magazin. 1882. Ein für den Leserkreis dieses Bl. ebenso unbrauchbares wie überflüssiges Schriftchen, welches lediglich den Zweck zu haben scheint, den längst be- und erkannten Herrn Verfasser im Vorwort Gelegenhait zu geben, seine oft gehörten Ansichten über das talmudisehe Schriftthum zu wiederholen, dem entsprechend die Sammlung selbst tendenziös zu färben und — dfis Re-, pertoir' seiner ,Werke* um eins zu vermehren. Als Beweis des Gesagten hier nur folgende Citatie: Vorrede S. 2 ff.: ,Wir wollen den Talmud nicht schöner malen, als er in Wirklichkeit ist und haben uns schon häufig gegen jene Vertuschungsmethode, gegen jene Schönfärberei ausgesprochen, welche in gewissen Kreisen zur Manier geworden ist. Wir haben auch nicht * das geringste Interesse t^aran, am Talmud Mohrenwäsehe zu versuchen. Für uns, wie überhaupt für die Richtung, die wir vertreten, und welche das eigentliche Judenthum reprfcnen-