Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 4. (25.1.1882)
- Date
- 1882-01-25
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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4&n die tm Sioei gesprochenen Bundesworte (ganz nach Exod. 19,5—6) erinaert wird; 17.21 ff. wo der Prophet zur Heitimltang des Sabbaths כאשר צדתי את אבותיכם mahnt; ferner 81, SO ff.; ferner die bedeutsame Berufung auf die Offenbarung hinsichtlich der Freilassung der Sklaven Cap. 34, 13,14 ganz nach Exod. Der viel ältere Hosea spricht lange vor Auffindung des Deuteronomium von!אכתב לו ך3י תורתי. 8,12 (4,6) תורת אלה, von Moseh (12,14), das 12. Cap. setzt überhaupt die Erz&hlungrn in Genes, voraus. Ebenso hat Je8. (der vorexili8che) 1,13 doch nur das מקרא קדש des Pentateuch im Auge. Vgl. noch Micha 6,4 ff Es ist demnach falsch, dass die Propheten, wie H. behauptet, nur eine ,von Fall zu Kall‘ zu offenbarende Heterenomie anerkannten. Aus ihren lebhaften Beziehungen auf eine תורת ד׳ geht vielmehr aufs Deutlichste die Anerkennung einer alten, dem Auszug aus Egypten gefolgten, constanten Offenbarung hervor. Sie stehen ganz und sicher auf dem Boden dieser alten geheiligten Heteronomie. und befinden sich keineswegs, wie H. behauptet, in der Schwebe zwischen Hetemomie und autonomer Bestimmung oder gar in bewusster Opposition gegen die alte Offenbarungslehre. Wahr Tst nur, dass die Propheten nicht etwa wie nüchtere Schriftgelehrie die alte Lehre einfach reproducirend überliefern, sondem ihren Inhal( mit ihrem lebendigen sittlichen Geiste durchdringen, und mit einer beispiellosen inneren, alle äusseren Hindernisse durchbrechenden, erschütternden Gewalt besonders>ihre damals vernachlässigte et'hisehe Tendenz in den Vordergrund rücken. Die Hauptbeweise für die Nicht-Existenz einfer gesebriebenen Offenbarungslehre vor der ׳ Josijanischen Zeit wären somit hinfällig, und damit das immer wie• derkehrende Dogma, dass das Deuteronomium als das ״erste und älteste Gesetzbuch unter Josija entstand. Gegen dieses Entstandensein spricht aoer auch der einfache Wortlaut der Erzählung, worin von der Auffindung nicht eines, sondern den Gesetzbuches (ספר התורה), d. h. des schon von früher gekannten, vermissten die Rede ist. Hutten ältere Gesetze exislirt, meint H.^ so wäre die Unterlassung der Passabfeier seit den Richterzeiten unerklätiieh, so hätten die nördlichen Israeliten einen geschriebenen Anhalt für ihren Glauben mit in das assyrische Exil genommen, und würden dort den Glauben der Väter nicht ohne Rest verloren haben. Allei□, was das Erstere betrifft, so heisst es nur כי לא נעשה בפסח הוה וכו׳, wohl aber in weniger glänzenderWeise. Nach 2. Chronik 30 hat auch Chiskija das Pessachfest gefeiert. Die nördlichen Stämme aber waren eben durch ihre fast ausnahmlos götzendienerischen Könige ihrer Lehre schon lange vor dem Exil völlig entfremdet worden, welche Entfremdung im Exil sich wenn möglich noch steigerte. Ebenso willkürlich ist H.’s Behauptung, dass das Deuteronomium seine Anerkennung als göttliche Offenbarung lediglich dem Zeugniss der Prophetin Hulda verdankte. Wie für Jeden, der he• bräisch lesen kann; aus 2. Kön. 22, 13— 20. hervorgeht, wurde Hulda nicht über die Authentipität des Gesetzbuches, die über allem Zweifel stand, sondern über das Schicksal derer, welche seinen Inhalt •nicht befolgten, besonders über das Schicksal des Königs befragt. Und auf solche schwache und kleinliche Einwände baut H. seine Behauptung, daäs ,die spätere Zurückführung der Gesetzbücher auf Moses nur eine Phant8sieprojection sei!* — Das Deuter, selbst setzt übrige» unzweifelhaft die früheren Bücher voraus. Vgl. 4,32, 7,16, die Beziehung auf einstige Facta, die der Verfasser gewiss ausführlich berichtet hätte, wenn er sich nicht auf den Bericht älterer Bücher verlassen hätte. (Fortsetzung folgt.) Literaturbericht. ItteulMn. Deane, William; J. M. A. onel College. Oxford, Rector of Ashen Essex. i:0<b1A SAAÜMÜK. The book of wisdom. the greek text the iatin vulgate and the authorised english version with an introduction, critical apparatus and a commentary. Oxford, At the Clarendon Press. 1881. > Die npokryphische Literatur, zum Theil die Vorläuferin der neutestamentlichen Schriften, hat für die Erforschung der religiösen Vorbereitung des Christenthums eine grosse Beachtung im Kreise der christlichen Forscher gefunden. Eine andere nicht minder grosse Bedeutung fand sie im Kreise der christlichen Theologen, welche ihnen eine Art kanonischer Weihe beilegten und &ie so als Quelle religiöser Belehrung betrachteten. Seit dem auch innerhalb der jüdischen Kreise die Erforschung der christlichen Religionsentwickelung zur wissenschaftlichen Aufgabe geworden war, ist auch von dieser Seite der apokryphischen Literatur grössere Aufmerksamkeit geschenkt worden. Unter den Schriften dieser Literaturperiode nimmt bekanntermaassen das Buch der Weisheit einen hohen Rang ein. Viele Forscher haben sich schon bemüht über Zeit der Abfassung, Charakter des Buches, Sprache und Inhalt, Klarheit zu verschaffen, dennoch sind die Ansichten zu eiuer Einigung in den wichtigsten Fragen noch nicht gelangt. Ganz besonders aber bedurfte es noch eines Commentars, der bis ins Detail die sprachlichen Eigentümlichkeiten bespricht und die Gedankenent- Wickelung aufzeigt. Die geistigen Quellen dieses Btiches bilden aber einen ganz besonderen Gegenstand eingehender Forschung, da darauf sich die Lösung der Abfassungsfrage, sowie das Urtheil über die Originalität des Buches und den Standpunkt des Verfassers selbst aufbaut. Nach allen diesen Richtungen Licht zu verbreiten, bedarf es aber eines genau revidirten Urtextes, sowie des der Vulgata. Der gelehrte Herr Professor Deane hat nun diese nicht leichte Aufgabe mit vieler Liebe, grossem Fleisse, grosser Belesenheit und eingehender Sachkenntnis zu lösen gesucht. Er kommt in seiner Kritik zu dem Resultate, dass der Verfasser ein egyptischer Jude, unbekannt bis jetzt, und kein Essäer, noch ein Christusgläubiger gewesen sei; der Zeitraum, in welchen die Abfassung falle, sei mit dem Jahre 217 rückwärts und 145 vorwärts v. d. g. Z. zu begrenzen und spiegele eine der egyptischen Verfolgungszeiten unter Philopator oder Physkon wieder. Die Gedanken des Verfassers seien eine Apologie des Judenthums gegenüber dem philosophisch zerrütteten Heidenthuine, und zeigten durch die Betonung der Weisheit Gottes, identisch mit dem heiligen Geiste, dem Logos, den, wie der Herr Professor meint, bedeutenden Fortschritt, deu das Judenthum zum Christenthume gemacht habe. Im Weiteren zeigt dann der Verfasser die grosse Bedeutung, welche dieses apokryphische Buch für das neue Testament Und für die Kirchenväter erhalten habe und gibt eine Geschichte dieses interessanten Buches, verbreitet sich über die Texte wie über die Uebersetzungen. Ein gut Stück emsigen Fleisses liegt in diesen Erörterungen Besonders lehrreich ist'der ausführliche Commentar, in welchem Verfasser seine genaue Bekanntschaft mit Septuaginta, Vulgata, den Kirchenvätern und Philo zeigt. Trotzdem haben wir einen Uebelstand von erheblicher Bedeutung zu beklagen, durch den das volle