Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 3. (18.1.1882)
- Date
- 1882-01-18
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
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r\ spätem tendenziösen Bearbeitern gedichtet; "dass die Juden bis auf die Prophetenzeit das Verbot des Bilderdienstes gar nicht gekannt und anstandlos' dem Götterdienste, wie die anderen semitischen Völker, gehuldigt, dafür glaubt H. in der Bibel selbst noch Spuren gefunden zu haben. Eine solche Spur soll z. B der Name Seth sein. Zur Zeit, als Israel aus Egypten zog, da habe es den Gott der Hyksos*) Sath-Typhon verehrt Seth sei ein Hauptname ihres Hauptgottes gewesen. Diesen Seth habe nun der späte elohistische Chronist zum Sohne Adams gemacht, der seinerseits wiederum nichts anderes sein 8011 als ein aber Himmelsgott Yama, den der Chronist zum ersten MenscHtn herabgedrückt hat. Seth und Adam entsprächen sich wie Kronos und Uranos. Der Name Seth habe sich dann verloren und an dessen Stelle sei zuerst E1, auch B a - e I und endlich Ja ho getreten. % ־־ Ebenso seien in Abram und Sarai Melecheth oder Alilat Spuren einstiger Hauptgottheiten zu.erkennen, die später zu heroischen Ahnengestal ten herabsanken, als 'der Hauptstammesgott immer dringender die Alleinherrschaft beanspruchte. Ebenso *soll Israel zuerst Gottesname, identisch mit Sonnengott, dann erst Stammesname geworden sein. Ohne direkte Beweise für die Falschheit dieser Identificirungen zu haben, sieht man denselben die Willkürlichkeit. doch zu sehr an, als dass sie ernstlich berücksichtigt zu werden verdienten. Wo ist z. B. eine Analogie;zwischen Sarai und Melecheth oder Alilath? Oder was beweist, dass Israel ursprünglich Sonnengott war? Dass der-Name Seth- Typhon — der G1 uthbitzegott, auf dessen Identität mit Jehova es Hartmann sehr ankommt -דsich als egyp tische Gottheit nicht verloren und Jehova demnach mit ihm nicht identisch sein könne, geht so gar evident aus einer zweimaligen Erwähnung desselben als בעל צפון (Exod. 14,1 und Numeri 33,7) hervor. Hartmann behauptet weiter, Baal, Adonai, Asche-;rah und Melecheth wären immer inländische Gottheiten gewesen, die erst auf Grund der historischen Fiction, dass die Israeliten seit dem Auszuge aus Egypten dem Monotheismus des Jaho gehuldigt hätten, zu ausländischen gestempelt wurden. Die Hartnäckigkeit, mit welcher das israelitische Volk bis zu seiner Auflösung durch die Exile an dem Baal-Astarte-Cultüs trotz aller- Abmahnangen der Priester hing, wäre unter der Voraussetzung der biblischen Schrifterklärer ganz unerklärlich. Ich frage, wo hier die Unerklärlichkeit liegt? Dass der Baalkultus etc. ausländisch gewesen, wird nirgends behauptet. Im Gegentheil, er war bei den früheren Bewohnern einheimisch, und weil sie factisch nicht gänzlich vernichtet wurden und also das Volk fortwährend iif der Heiinath und ,bei den umwohnenden Völkern das Beispiel des den Sinnen schmeichelnden Götterdienstes vor sich gesehen, so war es ganz natürlich, dass der Götzendienst: bis 211m Exile nicht schwinden wollte. Die Offenbarungslehre war eben ungleich erhabener und auch strenger -und schwerer ale jener Götterdienst; sie ward eben^von Wenigen begriffen und erfasst, weil sie so einzig und freipdartig dastand unter den sonstigen religiösen Ansichten der Völker. Die Thatsache also, dass die Israeiiten ▼on den Göttern der Väter nicht lassen mochten, bedarf gar keiner weiteren Erklärung, und der Schluss aus dieser Thatsache, dass die Offenbarung nicht statt gefunden habe, ist unstreitig ein Fehlschluss. Das Volk mochte wohl den von den Propheten verkündeten Jaho mit den Naturgöttern Baal, Moloch für identisch halten, aber beweist dies etwas gegen die *) Das■ das jüdische Volk nicht, wie H. behauptet, ein Theil der Hyksos war, ist bereits ▼on Ebers nachgewiesen worden. Offenbarungslehre des reinen Monotheismus, auf welche die Propheten sich stutzen? Allein Hartmann behauptet das Auftreten des Monotheismus unter diesem Volke rühre von einer gewis- 8en Dürftigkeit der Phantasiefunc'ion her, welche theils in der semitischen Geistesanlage begründet, theils in der Einförmigkeit und Armuth der von der Wüste gelieferten N&tureindrücke ihre Erklärung findet. Dass in der semitischen Geistesanlage Phantasieurmnth liege, wird wohl Niemand im Ernst annehmen, der den Bilderreichthum der hebräischen Poesie kennt, oder auch nur ein wenig von der Literatur der Araber gekostet hat. Das gerade Gegentheil von dieser Behauptung leuchtet aber schon aus dem Umstande hervor, dass eine nüchtern wissenschaftliche, auf systematische E i nheitlichkeit der Erkenntnisse abzielende Richtung, wie sie etwa bei den Hellenen sich zeigte, bei keinem semitischen Volke angetroffen wird. Das unstäte äiscursive Anschauen, die״ das unendliche Einzelne lebhaft erfassende Phantasie überwiegt so sehr das nüchterne Denken des Semiten, dass es zu einer einheitliehen Zusammenordnung des Geschauten und Gedachten, zu einer beharrlichen Vertiefung und Verfolgung eines Gedankens in seine Consequenzen gar nicht kommt. Eine Identificirung der vielen Götter als Henotheismus ist darum vielleicht bei den Hellenen, den Erfindern des logischen Begriffs, denkbar — denn jene Ideatificirung ist eine eminent logische Leistung, wie sie in der That von Plato und Aristoteles vollzogen wurde — nimmer aber bei den alten philosoptiielosen Israeliten. (Fortsetzung folgt.) David’s Testament. Ein apologetischer Versuch von Dr. Caro-Erfurt. . Am ehrwürdigsten erscheint uns die heilige Schrift immer da, wo sie in göttlicher Wahrheit bei der Schilderung der hervorragendsten Glaubenshelden auch deren menschliche Schwächen enthüllt und so die sublimsten Geister uns menschlich näher bringt. Die Annahme, dass die Lebensgeschichte Davids von einem wohlwollenden Stammesgenossen geschrieben worden sei, erhält durch irgend eine wahrnehmbare Tendenz in jener Geschichte keine Bekräftigung. Vorzüge uud Fehler werden in gleicher Weise dargestellt, Licht und Schatten wird in gleichem Verhältniss vertheilt. Das in den Propheten aus der Schule Samuels verkörperte Gewissen lässt sich nicht zu in Schweigen bringen, überall wo David lehlte, erhebt er anklagend und mahnend seine Stimme. Nur die anscheinend unmenschliehe Rachsucht und Treulosigkeit in seinem letzten Willen erfährt kein Wort des Tadels, die Vollstreckung scheinbarer Justizmorde durch Salomo wird demselben noch als Verdienst angerechoet (1 Regem 2,45 flf.J. Die Weisungen Davids an Salomo müssen eben nichts Verwerfliches enthalten haben, ein Testament, welches in dem ״Wandel vor Gott nnd in der Wahrheit“ die einzige Bedingung für die Existenz der Dynastie erblickt, kann nicht mit dem Aufträge zu scheusslichen Meuchelmorden enden. Ein halbwegs guter Wille wird in den Worten über Joab und Simei ben Gera nur ernste Warnung zur Vorsicht finden, politische Rath- Schläge, die der Erfolg glänzend gerechtfertigt hat. In Bezug auf beide Männer appellirt David an die הכבה, an die ,politische Klugheit“ seines Sohnes, Beiden sagt er in bewährter Erfahrung voraus, dass sie nicht eines ruhigen Todes sterben würden. Da wir in Kurzem ein Lebensbild Joabs zu veröffentlichen gedenken, in welchem das Verhällniss Davids zu seinem Oberfeldherrn nach allen Seiten hin beleuchtet wird, wolle“ wir uns hier nur mit Simei beschäftigen. Der Begrün-