Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 3. (18.1.1882)
- Date
- 1882-01-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Beleuchtung aller Juden• thu■ und Jaden betreffenden literarisch.Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie. Gesehichte,Eth1tographie,The' olog!e>Orlentalla. Exegese, Ho- »Uetik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Kaliuier. Magdeburg, 18. Jannar 188ä. Bücher der «laseklZgi^e■ Literatw, welche der KeOctlo. ragesaadt werde■, ■■dem 1■ dlemBbtt« eiageh. Besprachmag. BelEbueadug ▼0■ 1 w 1 RecSh.io.uxeBpl.re■ erfolgt ..ek-Erwäh.. (. d.WocheMchr. Du ,,Jüdische IAtersstnrblsitl“ erscheint wöchentlich in einem halben BogenV Preis bei allen BachhasdlM0M Lei pxig bei Robert Friese)pro J ah r g an g: 8 11k. Abonnenten der ״IsraelitischenWochenschrift“ plie rierteliährl. pei allenPoatanstalten and Buchhandlungen 3 Hk. kostet) erhalten das ״Jüdische Literaturblau“ gratis. — In*e1*sh*e werden mit 25 PC für die dreigespaltene Fetitzeile berechnet und ausschliesslich entgjegengenommen durch die Central-Annoncen-Expeditioa von G. L. Danbe Ä Co., Frankfurt a. H, Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Baris. Inhalt! Wissenschaftliche Aufsätze: Das religiöse Bewusstsein der Menschheit im Stufengangl seiner Entwicklung. — David’s Testament. Ein apologetischer Versuch von Dr. Caro-Erfurt — Bemerkungen zu Dr. Gebhardt's ״Beiträgen i.ur Erklärung grieeb. Wörter in den Midraschim und Talmude 1.“ (Schluss.) Literaturbericbl: Recensionen: Wünsche, Dr. Aug., Bibliotheca Rabbinica, der Midrasch Bereschit Rabba. -- שיר המעלית von Israel ben Jehuda Teller, Lehrer in Fokscjhau. — Notiz. Nachdruck nur mit voll•»■■ Quellenangabe gestattet Das religiöse Bewusstsein der Mlenseliheit im Stufengang seiner Entwicklung. In dem so betitelten jüngsten Werke Eduard von Hartmann’s, in welchem derselbe die Riesenaufgabe übernimmt, das religiöse Bewusstsein de!• Menschheit in seinem Entwicklungsgänge bis auf den heutigen Tag zu verfolgen und zu beleuchten, wifrd, wie sich ja von selbst versteht, auch dem Judenthnpie eine sehr eingehende Behandlung gewidmet, eine Behandlung, die zwar hier Und da auf der Höhe objektiver Würdigung sich bewegt und auch manche belieijzigenswerthe Winke giebt, aber itn Ganzen von irrihüm liehen Auffassungen und unbewiesenen Voraussetzungen beherrscht ist. Schon das unbescheiden^ Resultat der Untersuchung, dass in der Philosophie des Verfassers, in der Philosophie des Unbewussten, Immannenten, der Schluss- und Eckstein aller Entwicklung des relig. Bewusstseins der Menschheit zu erblicken sei, dass in ihr ״das Postulat des providentiellen geschichtlichen Entwicklungsprocesses“ seinie endgültige Verwirklichung finde, erregt Verdacht, dass hier die Forschung nicht vorerst voraussetzungslos mit nüchterner Kritik an die Quellen herangegangen und dann die nothwendigen Ergebnisse einer solchen Kritik zusammengefisst, sondern von vornherein | darauf gerichtet war, die Quellen mit solchem Lichte zu beleuchteh, dass das gewünschte Resultat aus ihnen hervorzugehen scheine. Dass dieser Verdacht gerechtfertigt ist, soll in Folgendem ge» zeigt werden.! Im Anschluss an M. Müller kennt H.l neben einem Monotheismus ancli noch einen Henotheismus, welcher bedeutet: eine ״Auffassung und Behandlung |dcs religiösen Objectes, als obj dasselbe nicht bloss e i n Gott, sondern der Gott schlechthin wäre, aber ohne die Absicht oder den Gedanken, 'die gleiche Behandlung Anderer Götter damit ausschlieBsen zu wollen.“ Der!Henotheismus besteht in der allen Naturgottheiten zu (?runde liegenden positive!! Identität, welche es ihöglich macht, in jedem Gottei.... den Gott schlechthin... zu verehren, und welche es zu einer relativ gteichgikl tigen Sache macht, in welcher besondern Gestatt man den Gott verehrt.“ Es ist hier nicht der Ort zu untersuchen, inwiefern H. berechtigt ist, den griech. Polytheismus einen solchen Henotheismus zu nennen, wohl aber ist es hier am Platze, den Naqhweis zu prüfen für die Behaupi ung, dass ״die israei. Religion vor den Propheten ein naturalistischer Henotheismus gewesen“, und dass auch zur Zeit der Propheten, welche H. vou 621 an dntirt, eia Mouotheisnms nur mit der Beschränkung bestanden, dass alle anderen Götter zwar als Götter Israels, aber nicht als göttliche Wesen negirt werden, ein Mpnoth&smus, identisch mit blossem Herabdrückeo der Rebengötter zu Gunsten der Haaptgpttheit, und erst: in der hellenistischen Periode eine universalistische Auffassung des Monotheismus unter dem Einfluss der Zeus Jupiter-Religion sich herausgebildet habe. H. unterlässt es nicht, die Wege zu diesen Re^altaten sich recht bequem zu ebnen, d. h. alles dasjenige wegzuräumen, was nur irgendwie in, den überlieferten heiligen Schriften für das Gegentheil zeugt. So behauptet er, dass von geschriebenen Gesetzbüchern vor 621 (z. Z; Jodjah’-O keine Rede׳ sein könne und dass nur etwa folgende Aufzeichnungen vor 62 L äxistirt haben dürften: ״der ursprüngliche Kern des Buches der Richter und die ältesten Stücke aus den Büchern Samuel, die Chronik des Jahwisten: aus den Bttchärn Mosis, vielleicht auch die Ergänzung des sogenannten dritten Erzählers, der Haupttheil des Baches H|ob, die ältesten Psalmen, die Bücher Hosea, Arnos, Micha, Nahum, Zefanja und die. ächten Theile der. Bücher Jesaja und Sacharjah.“ Das einzige vorexilische in. der Prophetenzeit entstandene Gesetzbuch sei jdas Deuteronomium, dagegen stammten die übrigen Gesetzbücher.insbesondere Leviticus aus einer Zeit, in weleher die um ihre Existenz besorgten Priester mit dem Prophetenthum ein Compromiss zu (nachen sich genöthigt sahen. Das sind die allgemeinen Grundlagen, die H. sich zurechtlegt, die er als beWiesen voraussetzt,' auf denen er seine Schlüsse baut. Wir wollen diese eine enorme Willkür an der Stirne tragenden, gar bedeutend anfechtbaren Voraussetzungen einmal zur Probe gelten lassen, wir wollen es gelten lassen, dass uns zur Beurtheilung der vorexilischen Zeit wirklich nur die oben genannten Bücher dienen dürfen, und zeigen, dass selbst diese arg gelichteten Zeugen in Wahrheit das Gegentheil von Dem aussagen, was H. sie aussagen lässt. — Das. die Entstehung des Monotheismus beim jüdischen Volke aus der Zeit des Auszuges laus Aegypten lediglich eine historische Fiction sei, von