Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 11 (1882)
- Issue
- No. 1. (4.1.1882)
- Date
- 1882-01-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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welche Ibn Esra bei meiner Schriftauslegmg leiteten. In zweiter Reihe, ist seine Abhandlung eo ipso ein sehr beachlensw.erther und bedeutsamer ״Beitrag zur Geschichte der hebt•.-.Sprachwissenschaft. Dt Ibn Esra vielseitig auf die exegetischen Anschauungen und grammatischCn Grundsätze seiner Vorgänger aus der spanisch-arabischen Schule־ teagirt, so .׳st der Stand der hebr. Grammatik durch die gebührende Würdigung von Abr. Ihn Esra’s die Ansichten seiner Vorgänger theils stutzenden, theils bekämpfen len Anschauungen in nuce schon ziemlich klar ersichtlich Her Umstand, dass Ibn Esra viele specifisch grammatische Schriften abgefasst hat, kommt dem Zwecke des gelehrten Veifs nur in untergeordneter Weise zu Statten; denn .er macht mit Recht geltend, dass die zahlreichen Einzelheilen auch, it: den grammatischen Werken sich meist nur als disjecia membia vorlinden. Ibn Esra’s grammatische Anschauungen nach den Prineipien der müdeinen Sprachforschung geordnet, sie als einheitliches, Organisches Ganzes mit anschaulicher Klarheit erutrt und begründet zu haben, ist das hohe Verdienst dieser erschöpfenden und gediegenen!.Abhandlung Herr B. beherrscht Ibn Esra’s Schrift thuin und sein tjuellengebiet mit völliger Meisierscnafr. Wir hatten schon vor Jahren bei Besprechung seiner Arbeit ״Ibn Esra’s Ein leitung zu seinem Pentateuch-Commentar‘ betreffend, Gelegenheit, seine gründliche Belesenheil, und seine orieutirende Anschaulichkeit rühmend 11c;vorzul1ebe11. Mit dem dem Verf. eigenen gewissenhaften Eleisse hat er sich in den hier zu bewältigenden Stoff vertieft und er ist glücklich der Gefahr entgangen, vor der Massenhaftigkeit der ihm zu Gebote steheuden Dätuils zu Digressionen und Abschweifungen sich verleiten zu lassen. Diese Arbeit ist vielmehr die reife Frucht, gründlicher, wohluiotivirter Ibn-Esra-Studien. Pinsker's Ibn Esr«-MHn«scripte, die Ihn-Esra Codices und -Ausgaben sind hier auf das Sorgsamste zu Rathe gezogen. Der Verf. hat die grosse Mühe nicht gescheut, nach übersichtlichen Materien systematisch geordnet, ״ein Gesammtbild von Ibn Esra’s Ansichten und Lehrmeinungen nicht nur zu recous'ruiren, sondern im Grutide erst zu schaffen“. Von subjectiver Trübung und Beeinflussung hat der Verf. die im Namen seines Autors vorgetragenen Lelirmeinungen dadurch fern gehalten, dass er uns auf Schritt und Tritt die peinlichste Controlle des Dargestellien ermöglicht. Ibn Esra spricht treu in seiner Weise seine Anschauungen Btus: Was in seinem Namen referirt wird, ist die wörtliche oder doch die möglichst treue Wiedergabe de׳- hebr., von Ibn Esra selbst gebrauchten Textes. Sogar die aplioristische und abrupte Aneinanderreihung der einzelnen Capitel, die oft einen tieferen Causal-Nexns vermissen lässt, fliesst aus der wissenschaftlichen Rücksicht, der inlendirten Treue gegen den Lehrgehalt Ibn Esra’s nicht zu nahe zu treten. Sehr dankensvi-erth ist der Hinweis des Verf.'s auf Ibn Esra’s notorische oder inuthmassliche Quellen, namentlich auf Jeliuda Ibn Chajug und Abulwalid Merwun Ibn Ganaeh. Mit anschaulicher Deutlichkeit und erwünschte! Gründlichkeil oriemirt uns der Verf. nach einer eingehenden, ■die grammatischen Schriften Ibn Esra’s zusammenfassenden und sicherste!lenden Einleitung über dessen Anschauungen I. von der Sprache überhaupt, II von der he’br. Sprache, III, über die Quellen zur Erkennlniss der hebr. Sprache und die Massora, IV. üiiergrammatische Erkennlniss, Aualogie nnd Anomalie, Differenciiruug, V. über das hebr.-Alphabet, VI. Na nen und Gestatt der Buchstaben, VII. die Buchstabeh nach ihrer Aussprache, XIII. d. Buchstaben nach ihren Funktionen, IX die Vocale, Schewa, Dagesch, XI d. Accente, ( d. Pause, XI. Buchstabenbewechsel., Vocale bei Kehll lauten, Erleichterung der Aussprache, XII.v d. Redetlieile, XIII. Bildung und Bedeutung der Wör.'er (Wurzeln), Stampibildung der Nomina, XV. Geschlecht und Zahl der Hauptwörter, das Zahlwort, XVI. die AVurzeln der Zeitwörter, XVII. Stammformen des Z.eitwor- 1es, XVIII. Zur Conjiigation des Zeitwortes. XIX Pronominalsnffixe bei Nomen und Verbum, XX. Partikeln, XXI. Anomale besonders zusammengesetzte Wortt'ormen, XXII. vom Nomen im Satze. Status construictiis Apposition. Artikel, XXIII. das intransive und transitive Zeitwort, XXIV. Tempora, Participium, Infinitiv, lusperativ, XXV. die Theile des Satzes, Incongrüenz in Geschlecht, Zahl und Person, XXVI. Verbindung'ider Salztheile und der Sätze, XXVII. Elliptische Ausdrucks* weise. Da Ibu Esra’s Meinungen hier iin. Texte ^zameist mit seinen eigenen Worten* wiedergegeben sind, so fällt die Aufgabe fort, auf den Iahalt der 27 Kftpitel dieses Buches näher einzugehen; denn das hipsse geradezu' Kritik üben an Ibn Esra’s grammatischen Lehrmeinungen, was uns hier natürlich fern liegt. Hervorheben wollen wir hier nur die tief philosophisch angelegte, dem Buche Jezirah entlehnte Symbolik der Zahlen, Durch die mit grosser Sorgfalt in ־den Cpinmentarien zu den biblischen Büchern wiedergegebejuen Citate, welch?, grammatische Anschauungen enthäl|ten, hat es der Verl! auch denen, welche ngr Ibn E$ra's Commentarien zu den biblischen Büchern ׳'besitzen, ermöglichr, sich ein Lehrgebäude seiner grammatischen Lehrmeinungen zu construiren. Exegese und Gitemmatik befruchten sich so gegenseitig. Sehr interessant ist die Diatribe des Verf.’s über das angeblich ver- Schollene, von Pinsker handschriftlich aufgefundene grammatische Werk יסוד דקדוק. Mit dphinxartiger Räthselhaftigkeit taucht dieses Buch auf, ein Räthsel lösend, um ein neues Räthsel zu schaffen. Fast gewinnt es den Eindruck, als ob etwas vou der eigenartigen Räthselhaftigkeit. des Meisters auf sein Werk Ubergegangen sei. Ibn Esra citirt in seinem Pentateuch-Commentar ein grammatisches Werk unter dem Titel היסוד ,D, Die Supercommentatoren, namentlich Joseph beu Rlieser in seinem Oliel Joseph fahnden nach diesem 0' היסוד, ohne seiner habhaft werden zu können. Verf.; sucht, es plausibel zu machen,׳ das unter dem Namen עפת יתר erhaltene Buch sei identisch mit dem 0' יסוד קדוק׳, wofür auch -einige Citate, die man vergeblich in שפת יתר sucht, die aber inhaltlich sich im יסוד דקדוק finden sollen, zu sprechen scheinen.' Nun soll nach des Verf.’s Hypothese des Schicksals Tacke und Ironie gar so weit gehen, dass der Snpercommentator Joseph ben Elieser das Gefundene sucht. Im שפת יתר alias יסוד דקדוק sucht besagter Joseph ben Elieser das Werk יסוד דקדוק. Ausser der Elinleitung bringt Verf. in Beilage II. Ci• täte aus יסוד דקדוק, die aber zum grossen Theile nicht gesichert sind und. darum auf schwachen Füssen ruhen.' Verf. selbst vermag es nicht zu erklären, wie die Metamorphose von יסוד דקדוק und שפת יתר vor sich gegan׳• gen. Die Frage, ob das von Pinsker aufgefundene יסוד דקדוק ächt oder apokryph sei, ist für uns noch nicht abgeschlossen und \harret ihrer ^definitiven Lösung. Freunde Ibn Esra’scher Räthsel verweisen wir auf das im Nachtrage gebrachte, zuerst Von Wittkower in אגדת פרחיס mit der Deutung und Erläuterung abgedruckte Räthselgedicht. Schliesslich machen wir 4י noch auf Beilage III, und IV. anfunerksam. Daselbst finden sich etymologisirende Worterklärungen und ara- . bische Wortvergleichungen zusammengestellt.' Wir legen dieses treffliche Buch aus der Hand mit dem' Gefühle, dass es Hrn. B gelungen ist, durch seine werthvolle Leistung Ibu Esra’s grammatische Lehrmeinupgen und damit auch seine Commentarien und seine literarisch• Bedeutung in das rechte Licht zu setzen. Dr. I. Deutsch.