Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 51. (17.12.1879)
- Date
- 1879-12-17
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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übrigen örtlicher - giebige Belesenheit in der sogen. Profan-Literatur, die er Oft zu citiren und mit Geschick für seinen Zweck zu verwerthen weiss. Dem denkenden Leser bietet diese interessante Schrift die mannigfachste Anregung, und selbst ein strenger Beurtheiler wird sich mit der Anlage dieses Buches im Ganzen zufrieden geben. Etwas eklektisch angelegt, spricht es sich des Weiteren aus über den Selbstmord, dessen Veranlassung und dessen Heilung, über das Verbot und die Strafe des Selbstmordes vom Standpunkte des Mosaisinus, über die Frage, ob nach jüd. Gesetze unter allen Umständen der Selbstmord zu verdammen sei, über das Duell, über die Beerdigung des Selbstmörders. Wir versagen es uns, näher in's Detail einzugehen und uns über manche Fragen zu äussern, bei deren Erledigung wir dem Verf. nicht beipflichten können, weil wir seinem im Ganzen von uns gebilligten Standpunkte volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wollen. 'Aufgefallen ist es uns, dass Hr. R. sich von Michaelis so in die Enge treiben lässt bei der Frage, warum die Schrift nicht den Selbstmord verbiete. Wenn Jemand in dem Ausspruche לא ו£דצח auch ein solches Verbot erblicken will, so. lässt sich dagegen Nichts von Belang ein wenden; denn der Aus- Spruch ist ganz allgemein gehalten und schliesst als Object die eigene Person keineswegs aus. Man kann sich aber -noch viel besser auf Deut 30, 19 berufen, wo ausdrücklich gesagt ist: החיים והמות נתתי לפניך הברכה והקללה ובחרת בחיים למען תחיה אתה’וזרעך Damit ist die übliche Auffassung, welche in dieser Stelle die Wahl- und Willensfreiheit des Menschen proclamirt findet, durchaus nicht alterirt. Wir halten es ferner nicht für erforderlich, mit dem Verf. in dem bekannten Auaspruche R. Meirs: והנה טוב מאד לה המות eine Ansicht von absolut pessimistischem Gepräge zu erblicken. Sie ist im Einklänge auch mit der Anschauung des religiös-gläubigen Optimisten, wenn man dabei an das Dogma der einstigen Belohnung und Bestrafung nach dem־Tode dgnkt. S. :73 citirt Verf. ungenau Chatam Sofer Resp. 326. Es ist wohl.sicherlich ח״ס־יו״ד ge-, meint. Sehr lehrreich ist auch des R. Moses Sofer f Resp. 69 im ersten Theile des ח״ם א״ע. Der Ausspruch: : ״Wenn wir keinen Gott hätten, müssten-wir einen erfin- -Hienu, ist-nicht auf Göthe zurückzuführen, wie Verf. angiebt Er wird vielmehr, wie bekannt, dem Deisten Voltaire in den Mund gelegt. Mögen die höchst anregenden Ausführungen des Verf auch viele denkende ' Leser finden. — Sohrau. Dr. Immanuel Deutsch. Meltzl, H. Nathania na. Zur hundertjährigen Feier des Lessing’schen Drama’s im Mai 1879. . Kolozsvär Acta comparätionis litferarum universarum. UniverSitätsbuchdruckerei Johann Stein. 1879. Dieses etwas sonderbare Büchlein des für Lessing begeisterten Verfassers leitet ein mit einer Art Monolog: ,Lessing in der Nacht vom 10. auf den 11. August 1778, da er den Entschluss fasste, den Nathan auszuarbeiten.“ ^/-Eine sehr wohl gelungene kleine poetische Arbeit, mit dem Appell an die Menschheit schliessend: . . . . Thut euch nicht weh! ’ Mag dann die Zange gleiten, wie sie will, . Nor Eine Sprache kennt das Herz auf Erden. Wisst ihr sie nicht? Mein Nathan lehrt sie ench! Magst da verstossen mich, mein Volk, da Welt, Der Nathan hier, mein Testament, bleibt Dir! Wie die getret'ne Blame Dutt entströmet, So soll dich Nathan ewig, ewig mahnen: Kein Regenbogen ohne sieben Binder, Kein Frühling ohne Gräser mancherlei; 80 traibt der Menschheit Flar auch viele Blamen ״ Die alle Schwestern, gleich den Dogmen, sind, Und allen Nationen hier aaf Erden! .... Die übrigen Beiträge beschäftigen sich vorzugsweise damit, dem Leser die fast trostlose Lage zu markiren, in und aus welcher heraus Lessing den Entschluss fasste und durchführte, den Nathan zu schreiben, wobei der Verfasser anerkennenswerthen kritischen Scharfblick verräth und Streiflichter auf jene Zeit und die mitwirkepden Verhältnisse fallen lässt. Eine sehr geistreiche kleine Studie ist der von Herrn Dr. (). Volger in Frankfurt a M. speciell für das Büchlein geschriebene etymologische Beitrag: ,Lessing als des Teufels Blechlieferant“, welcher sich mit Ursprung und Sinn des bekannten plattdeutschen Schmähgedichts: De Düwef kämm eentnal upp Eern Un wujl he gern een Blacksmied weern, Doch harr he weder Tinn noch Messing, Drumm namm he den Professor Lessing, beschäftigt und den fast zur Evidenz erwiesenen Verdacht begründet, dass dieser boshafte Vers nicht etwa im Volksmunde entstanden sei, sondern seinen Ursprung nur dein Kreise der s. g. Antifragmentisten (23 Pastoren aus der nächsten Umgebung Les$ings) zu danken haben könne. Zu bedauern ist nur, dass der Rahmen des Schrijtchens nicht etwas erweitert ist, und die Arbeit selbst so crass und unvermittelt abbricht. Dennoch wird sie allen Lessing-Freunden nicht unwillkommen sein. Max Weinberg Notiz. Unsere alten Gelehrten aus der arab.-griech. Schule betrachteten das Menschengeschlecht, dem heutigen Darwinismus' Völlig antipodiseh, als ein viertes Naturreich, sie zahlten: דומם׳ צומח׳ חי׳ מדבר. Sie verstanden unter dem Epitheton מדבר nicht die Sprachfahigkeit allein, welche sie eigentlich in die Kategorie der סגולה zu setzen pflegten, sondern zugleich die Vernunfi begabt heit, dem Ausdrucke הנפש המדברת ähnlich; denn Sprache und Vernunft waren ihnen identisch (cfr. הדעה והדבור לחי עולמים)• Daher die Benennung הגיון ür Logik (von ״ הגהdenken“ und ״sprechen“), wie das griechische Wort י Wort“, ״Lehre“, ״Sprache“ und ״Verstand“ bezeichnet. Deshalb heisst die Logik bei den jüd.-arabischen Philosophen auch חכמת המבטא oder הכמת הדברים• (Vgl. Dukes: Philosophisches aus dem 10. Jahrli. S. 50) — nach der arabischen Benennung Mantik —; so heisst es im (אוהל יוסף (ואתחנן ובלשון ישמעאל השכל דבור כי שניהם נקראו נטק. Nun scheint aber dieseÄnschauungsweise bei den Hebräern sehr alt zu sein. Es findet sich bereits in der Genesis eine Anspielung darauf. Ich meine den Vers: ויקרא וכי' חוה כי היא היתד׳ אם כל חי, welcher so zu verstehen wäre, als stünde:ויקרא וכ׳את שם אשתו מדברת!* כי היתד, אם כל מהבר Das חי als מדבר hat schon OnkelOs in einem früheren Verse daselbst aufgefasst,׳ indem er nämlich לנפש חיה mit לרוח ממללא wiedergiebt. Nur durch diese Relation allein können jene zwei Verse ihren eigentlichen Sinn erst erhallen. Man sieht auch daraus, wie gefehlt es wäre, die biblische Anschauungsweise mit dem Darwinismus in irgend einen Einklang zu bringen. Wien. Dr. S. Rubin. *) ,חוף Vielleicht von יהוד, דעת• CRed) Briefkasten der Bedaetlon. Mehrere für uns bestimmte Recensionsexemplare sind dadurch, da־s sie irrthümlich an Carl Friese (statt an Robert Friese) adressirt waren, erst jetzt, nach mehrmonatlicher Verzögerung, in unsere Hände gelangt. Es ist sonach nicht unsere Schuld, wenn die betr. Recensionen erst später erscheinen. Der Schluss der Artikel über ״ Verzehutungspllicht der Etbrogim“ im nächsten Jahrgang. D•־ Dieser "Nr. liegt eine Abonnements-Einladung des Mepner'schen Verlages in Breslaa bei. •rutvi ,er Bidutcar Ür. Rehmer in Magdeburg. Druck von H. Horbach in Berby. Verlag von Robert Friese in Leipzig.