Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 50. (10.12.1879)
- Date
- 1879-12-10
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- ww זן.;ן, *' yap’-a'-ff'r riff}*.»* — 198 — Antwort erwartete. Als die Wallbrüder herbeikamen, fanden sie nur noch wenig zu thun. Auch hier nahmen nur wenige die Scheintaufe. Ein Jüngling, Namens Simcha ha Cohen, dem die Blutmenschen Vater und Brüder gemordet hatten, wollte nicht ungerächt aus der Welt scheiden. Er erklärte, die Taufe annehmen zu wollen und liess sich ruhig in die Kirche ■führen, in dem Augenblick aber, als er das Sacrament empfangen sollte, zog er ein Messer aus der Tasche und erstach damit einen Neffen des Bischofs. Er wurde, wie nicht anders zu erwarten war, in Stücke zerrissen. Die Zahl der unglücklichen Opfer, die an den beiden Tagen in Worms ihr Leben verloren, betrug 880. Am 27. Mai kam die Reihe an die Gemeinde in Mainz. Alle Juden hatten sich auch hier in den erzbischöflichen Palast, den sie für eine Zufluchtsstätte hielten, geflüchtet Der Erzbischof Ruthard, ein ge• wissenloser Mann, stand mit dem Anführer der Kreuzfahrer, Emicho von Leiningen, seinem nahen Verwandten, in Verbindung, und beide hatten einen teuflischen Plan verabredet. Demzufolge öffoete der Kirchenfürst den Hülfesuchenden seinen Hof und die Söller seines Palastes, nachdem diese ihm ihre Schätze in Verwahrung gegeben hatten Darauf führte Emicho von Leiningen seine Schaar vor das Thor des Palastes und verlangte die Auslieferung der Juden. Die Bedeckung, welche der Erzbischof aufgestellt hatte, machte von den Waffen keinen Gebranch unter dem Vorwände: nicht gegen Christen und Wallhrüder zu kämpfen. Ungehindert drangen die Kreuzfahrer in den Palast ein und richteten ein grässliches Blutbad an. Viele zogen es vor, durch eigene Hand zu sterben, tödteten erst ihre Angehörigen und dann sich selbst. Auch Frauen übten das Öchlachterhandwerk, und es verloren 1300 Menscheu ihr Leben an jenem unheilvollen Tage In die Sehätze theilte^ sich der Erzbischof und Emicho von Leiningen. Sechzig Juden hatte der Erzbischof in der Schatzkammer des Domes verborgen und schickte sie später, nach staugehabter Ausplünderung, auf einige Dörfer des Rheingaues; aber auch diese wurden in einem Auflauf erschlagen. Zwei Männer, Uri und Isaac beu David, der Gemeindevorsteher, nebst des Letzteren Töchter, die man alle getauft hatte, kehrten zu ihrem Glauben zurück und Isaak schlachtete seine Töchter zum Rüsttage des Wochenfestes (26. Mai), zündete sein Haus an und begab sich dann mit seinem Freunde Uri ins Gotteshaus vor die heilige Lade, woselbst sie starben, als die Flammen aufloderten und ihre Leiber verzehrten Von diesem Feuer wurde ein grosser Theil v<>h Mainz in Asche gelegt. Diese schreckliche Kunde kam nach Köln am 29. Mai und Entsetzen ergriff die älteste Gemeinde Deutschlands ob dieser Nachricht. Die Gefahr war für sie um so grösser, als das anrückende Kreuzheer״ hier durch einen Haufen niederrheinischer Theilnehmer unter Hermann von Zimmermann Verstärkung erhielt. Um sich den Augen der Verfolger zu entziehen, flohen die Juden in die Häuser ihrer christlichen Freunde und Bekannten, wo man sie freundlich aufnahm und barg; In der Frühe des folgenden Morgens, am jüdischen Woebenfeste, drang das blutdürstige Gesindel in die Häuser der Juden, und als es diese leer fand, kühlte es seine Wuth an Holz und Stein, indem es die Häuser plünderte und zerstörte. Hierauf brach die wilde Horde in die Synagoge ein, riss die Gesetzrollen heraus, trieb Spott mit densel ben und trat auf den Strassen auf ihnen herum. Dann ergriffen sie den Gelehrten Mar Isaak, der nicht geflohen war, schleppten ihn, in die Kirche, wo er, weil er sich nicht taufen lassen wollte, erschlagen wurde. — Die übrigen Kölner Juden blieben in den Häusern ihrer christlichen Bekannten, wohin sie sich geflüchtet hatten, verschont, bis sie der edle Erzbischof Hermann III. am 3. Juni heimlich aus der Stadt fuhren und um sie zu retten, auf sieben Orte seines Erzstiftes vertheilen liess In Neuss, Wevelinghoven, Altenahr, Ahrweiler, Sinzig, Mörs und Kerpen brachten die Flüchtlinge in banger Erwartung drei Wochen zu. Aber die Vorsehung hatte ihren Untergang beschlossen. Die Wallbrüder suchten und fanden ihre Spur, zogen umher und mordeten in allen sieben Orten. » Manche unserer modernen Judenhetzer mögen bedauern, dass die schönen Tage vorüber sind, da man sich der ״semitischen Eindringlinge1 einfach durch Todtschlagen entledigte; viel andere von ihnen aber werden, wenn sie in diesen Spiegel der Vergangenheit blicken, vor einem Treiben der Gegenwart zurückschaudem, welches, an dem Massstabe unserer fortgeschrittenen Zeit gemessen, sich moralisch kaum über die Schandthaten der mörderischen Wallbrüder erhebt Von diesem Gesichtspunkt aus möchten wir das Buch ganz besonders denjenigen ״Dienern des Herrn“ empfehlen, welche sich kein Gewissen daraus machen, einer vielfach urtheilslosen Menge statt der Liebe des Nächsten den Geist fanatischen Hasses gegen einen Theil ihrer menschen einzuflössen. Neben der Leidensgeschichte der Juden hat der Verfasser aber auch erfreulichere Seiten darzubieten, zumal Nachrichten von den grossen jüdischen Gelehrten, an denen das Rheinland reich gewesen ist, und Bilder aus der culturgeschichiliehen Entwickelung des israelitischen Stammes in Köln und am Niederrhein, welche das Interesse an den mit sichtbarem Fleisse gearbeiteten Werke erhöhen. (Soweit die ״Köln. Zeit.“ Wir werden später auf das Br isch’sche Buch noch im ״Literaturbericht“ in eingehender Besprechung zurückkommen. Red.) Meine ״Legislation Civile da Talmud“. (Antikritik.) Herr Rabb Dr Krön er hat in den NNr. 32 und 33 d. Bl. sehr ausführlich über meine ״Legislation“ gesprochen. Zuerst muss ich ihn ersuchen, wie auch Alle, die von meinen Werken sprechen, gefälligst darauf zu achten, dass mein Name richtig geschrieben wird; ich heisse Israel Michael (nicht S M.) Rabbinowicz. Zweitens muss ich gestehen, dass es mich recht sehr gefreut hat, dass ein Mann, wie Herr Krön er, eine so ausgezeichnet günstige Meinung von meinen Arbeiten hat und sage ihm meinen herzlichsten Dank, dass er so gütig war, mein Unternehmen mit grosser Freude zu begrUssen und mich durch so viele Lobeserhebungen für meine mühselige Arbeit zu belohnen und zu ferneren Studien zu ermuntern Ich will nur eine Stelle hervorheben, nämlich diejenige, in welcher er sagt, dass mein Werk ״einen Umschwung in der Auffassung des Talmuds herl>eizuführen verspricht“. Dies war in der That der Hauptzweck meiner jahrelangen, äusserst mühevollen Arbeit, dies war die Hoffnung und der Trost in allen meinen vielfachen Leiden und Entbehrungen aller Art; dies war das einzige Ziel, das ich verfolgt, der einzige Preis, uin den ich Alles geopfert. Welches Glück und welche Seligkeit, wenn ich das Alles erreichen, wenn meine goldenen Träume sich verwirklichen, und wenn mein heissester Wunsch in Erfüllung gehen sollte! Herr Kroner bestreitet einige meiaer Behauptungen, und spricht dabei den Wunsch aus, dass ich dies ״nicht als Tadel betrachte, sondern als Zeichen des grossen Interesses, welches die Lectüre meines Buches hervor- ,