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Das jüdische Literaturblatt · 1879-12-03 · No. 49. (3.12.1879) · p. Seite 195

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 49. (3.12.1879)
Date
1879-12-03
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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der bertlhmte venetianische Feldherr kejin Mohr war, sondern Mauro hiess. Gervinus drückt (III. S. 178) die«! Aehnlichkeit des pharisäischen Racenha-ses der ״Arifer“ gegen ,,Semiten“ und ״Chamiten“ (Schwarze) sehr bezeichnend in den Worten aus: ״Es ruhteauf ihm (Othello) wie auf den Angehörigen desJudenvolk'es der Flecken der Urtebenbüriigkeit und das Schicksal d^r Ausstossung; je mehr ihn seine Verdienste emancipirtien, desto einpfindlicher, kann man sich denken,!missten ihm die einzelnen Reste dieser Vorurtheile sein.! Ehe er aber zu diesem allgemeinen Ansehen kam, dein ganzes Leben hindurch musste sich Groll und Verbitterung über diese Paria-Lage in ihm festgesetzt habin“ Aber — so wenig Sympathie auch Shakespeare den ihm persönlich unbekannten Juden dntgegenbringen konnte — wie tief, wie gewaltig hat ei■ dem Schmerz des unterdrückten Juden Ausdruck gegeben! Wie verschwinden hinter dieser Tragik moderne Versuche, von denen ich nur Mosenthal’s schwächliches Machwerk: ״Deborah“ nenne, in dem ein Dichtetj jüdischen Bekenntnisses sich so weit vergriff, eine in ihrer Liebe tiefgekränkte und verstossen Jüdin nach Jahren( noch als racheschnaubende Priesterin des Gottes der Raqhe darzustellen! Shylok — und Deborah! Wahrlijjh der uusterbliehe Shakespeare hat tiefer und inniger als Mosenthal das tausendjährige Leid, das den Juden zugefügt worden — und in Nadelstichen noch immetr zugefügt wird — empfunden und ausgesprochen.! Das Ergebniss von alle Dem ist: das Thatsächliehe von Shylok, die Fleischwette,ן die Gier nach Christenfleisch, der Wahrspruch des tyeisen Daniel —j■■ ist Dichtung, ja hat sich!1 in ge ke h rt zjigetragen. Nicht einen Juden trifft di^ ijichuld hierfür. Die dichteirische Ausführung d8״ Shylok bleibt aber für alle Zeiten wahr und ergreifend, als der tiefsjte Schmerzensruf und Wehschrei eines verfblgten, verhöjhnten Juden! Und in diesem Sinne muss jeden ״Antisemiten“, der klar denkt und richtig empfindet,!ein Gefühl innig- 8ter Beschämung durchdringen, wenn ef den ״Kaufmann von Venedig“ siebt oder liest Shakespeare liefert <larin keinen Beitrag ״zur Judenfrage“ in der heutzutage beliebten Weise t Unterliegen die aus Palästin|a bezogenen Ethrogiin der ZehntentuHebeJgabeupflicht? Eine halachische Abhandlung von einem U n p a r t e i i 8 |c h e n. (Fortsetzung.) Nach Absendung der ersten zweii Theile unserer Abhandlung erhalten wir auf unsere ׳Anfrage in Jeru- -salem die nähere Auskunft, dass dort di!■ Festorangen nie, auch wenn sie lange Zeit auf dem Baume waren, roh, sondern nur in Zucker gesotten, gehrduC^t werden. ^Gleichzeitig erhielten wir Bericht atisj Triest, dass da-!selbst, die Festorangen, nachdem siel etwa drei Jahre ׳auf dem Baum waren, roh gegessep würden. Diese widersprechenden Berichte veranlassen uns, in den diesbezüglichen wissenschaftlichen Werken nachzuforsehen Ausführliches Uber den Ethrcig finden wij in ־,־Dr. M. Tuinhoul’9 Handbuch zur Pflanzen- und Kräqterkünde, nach Linnö (Amsterdam, Ludwig von Es), '־!,III Theil, 8 203. Das Ganze hier wiedeir zu geben, würde zu viel Raum in Anspruch nehmen,!yir lassen deshalb nur das Wesentlichste über Eihrog folgen. Es heisst <ls8elbst unter 3):! ״Man glaubte, dass dies der Baum der Erkenntniss des Guten un׳l Bösen im Paradies gewesen sein soll*); er ist deshalb unter dem Namen *) Damit stimmt Bereschtth rabba l&a ״Adamsapfel*‘ bei überein. Bai ihinus aufgeführt u. 8 w. Man findet diesen Baum in den orientalischen Ländern, und die Sihesen haben einen Baum, Venna genannt, einem Limonienbaum ähnlich, der eine Frucht in der Grösse eines Menschenkapfes trägt, deren Schale von gleicher Farbe, wie die der Orangeäpfel etc. In Ceylon, Java und in Ostindien *überhaupt wird dieser Baum in den Gärten gezogen und Pompelinus genannt. Rufnplius giebt ihm den Beinamen decumanus, wegen der Grösse der Früchte. Er sagte, dass.vier /Sorten davon vorhanden sind. .Die erste trägt Früchte wie gemeldet ist, die zweite etwas kleinere, die dritte nicht grössere alseine gewöhnliche Faust, die vierte hingegen hat Früchte von der Grösse der grössten Melone etc. Die Schale und das Fleisch sind härter, als in den anderen Orangeäpfel1|; das Fleisch weniger sauer, als das der Citronen, doah ist die Schale sehr bitter. Diese Bäume würden ausslerhalb Indien, wenn man sie in Blumentöpfen pflanzt;und in Orangehäusern pflegt, sehr -־ wohl fortkommen, doch ist das Fleisch der Früchte bitter und wenig saftig etc. Diese Früchte werden io Ostindien beinah nicht anders als roh gegessen Man setzt sie beim Dessert entweder ganz, oder das Fleisch mit spanischem Wein zu bereitet, vor, was in den heissen Tagen eine angenehme Kühlung gewährt. Ebenso geniesst man sie in Westindien, sowohl nuf den Inseln, als auf der Küste, und diese, welche uss zugeführt werden, dienen ebenfalls im Hochsommer zur angenehmen Erfrischung. Sie haben eine Säure, die, durch Zucker .oder süssen Wein gedämpft, den Geschmack der Zinesäpfel übertrifft.“ Hieraus ergiebt sich: a Dass es vierJSorten von Adamsäpfeln (Ethrogim). giebt, deren ^rei sekr gross sind. Da die vierte Sorte nicht grösser als eine Faust wird, so muss unsere Festorange nicht zu dieser, sondern zu den übrigen Sorten gehören. , b. Dass diese Früchte fast nur roh genossen werden. 1 c. Dass dieselben njeht allein in Indien, sondern aqohin anderen Weltteilen wachsen, aber anderswo immer bitter bleiben. '• Gegen letztere Behauptung spricht scheinbar der Umstand, dass in Triest wohl Ethrogim, die beinah drei Jahr auf dem Baum wafen, roh genossen werden, •und nach A ussage von Consumenten sehr weich und ausserordentlich süss seihj sollen. Aber eine nähere Untersnehung bezeugt die vollkommene Richtigkeit der Behauptung. Alle botanischen Bücher stimmen nämlich darin überein, dass ausserhalb Indiens die Adamsäpfel nur durch Pfropfung reif und roh geniessbar werden. Demnach begreifen wir, warum in Jerusalem die Adamsäpfel roh n i e geniessbar sind, in Triefet aber wohl. Die Triester Ethrogim kommen meist von der In9ei Corfu, wo sie, wie bekannt, geimpft werden (siehe Responsen שפרי תשובה ),56 כיה אפרים Orach Chajim $ 649, 7). Die Jerusalem Ischen aber stammen von un- Aümpften Bäumen, dalief sind die-Früchte roh ungeniess- *Etr. und bleibt deren Fleisch immer bitter und saftlos. Soviel steht also hiernach fest, dass die Ethrogim von Jerusalem immer bitter bleiben, weshalb sie von Zehnten- und Heb.eabgaba völlig frei sind.**) **/ Sollte Jemand ein wenden wollen, dass die Ethrogim, wei^” ״e (ראוין למותקן פ״י טיגץ ובישול), Zucker gekocht^, als Confect in bereitet, geniessbar sind, deshalb auch roH MM) - tenpfliclitig seien, so erwidern wir, dass dies nur bezOglm*־ Eulogie (ברכה) (and auch hier durch Maimoaides 1 sehr schränkt), aber nicht׳ bezüglich ספשרות TO® Einfluss ist. Beweise würde ich,F Mia ee bestritten würde, bringen; ieh vere vorläufig aaf Rascbi (Ernhin Z8b s. v. רכדל und Toseafoth ik. s.t הואיל) - _'

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