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Das jüdische Literaturblatt · 1879-12-03 · No. 49. (3.12.1879) · p. Seite 196

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
8 (1879)
Issue
No. 49. (3.12.1879)
Date
1879-12-03
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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4 Literaturbericht Ktensimi. Delitisch, Franz, Herz und Hirn, eine Abhandlung. Dieses höchst interessante Thema macht der gelehrte Verf. der bibl. Psychologie zum Gegenstände einer kurzen, durchaus populär ״ehaltenen, fesselnden Besprechung, die sich ihrer anmuthenden Form wegen sehr der französ. Causerie'nähert. Wir waren auf das Angenehmste überrascht, den gründlichen Kenner des alten Testaments von jeglichem Gebrauche des schwerfälligen Gelehrtenapparates abstrahirend in dem leicht beschwingtem Schritte des Feuilletonisten einhergehen zu sehen. Hier hat die Form über den Stoff, die gefällige Darstellung über die schwerfällige Gelehrsamkeit den Sieg davon getragen. Wenn es den! Verf. darum zu thun war, dein gebildeten Laien seine Thesen in gemeinverständlichem und geschmackvollem Gewände vorzuführen, so hat er seine Absicht erreicht ,Die seinen Ausführungen zu Grunde liegende Anschauhng ist zwar nicht neu (worauf es auch hier gar nicht ankommt) jedoch im Allgemeinen richtig und im Ganzen unanfechtbar. Sie geht davon aus, dass das alte Testament das Herz, Centrum des circulirenden Blutes, nicht nur als den Sitz der Empfindungen und Gefühlsäusserungen, sondern auch als das Centrum des Denklebens auffasst. Die moderne physiologische Anschauung, in dem Gehirn den Centralapparat für alle Sinneswahrnehmungen und für alle Functionen des Denkens zu erblicken, musste der Bibel fern liegen. .דברה תורד ללשון בני אדם• Gleichwohl fehlt es nicht an mancherlei Aeusserungen, welche die Denkoperationen wenn auch nicht in das Gehirn, so doch nach dem Kopfe verlegen. Dass die talmud. Ausdrucksweise sich der modernen Anschauung bedeutend nähert, ist auch dem ■׳Verfasser nicht entgangen. Sehr lehrreich ist in dieser Beziehung die Ausdrucksweise in dem von unserem Ritus recipirtep Gebete vor Anlegen der Phylakterien. Der Passus über die symbol. Bedeutung der תפלין של ראש lautetyvörtiich: ועל הראש נגד המוח שהנשמה שבמוחיעם שאר חושי וכחתי*, ein Passus, der denanodernen physiol. Anschauungen schon sehr nahe kommt. Ob unsere heutigen Physiologen die Erörterungen des Verf. über die Phrase vom gebrochenen Herzen passiren lassen können, müssen wir freilich bezweifeln. Sohrau. Dr. Immanuel Deutsch. הערוך השלם. Talmudisches, llabbinisches Lexicon von Dr. Kohut in Fünfkirchen. II. Abtheil. 2. Heft. Unter Bezugnahme auf meine jüngste Recension (in Nr. 44. d. Bl.) über das erste Heft der zweiten Abtheilung dieses ״vervollkommneten Lexicons'׳‘ kann ich. hinsichtlich des jüngst erschienenen zweiten Heftes nur bemerken, dass auch in diesem mehrere Artikel sich befinden, welche von der eminenten Gelehrsamkeit des Verf. in der betreffenden Literatur zeugen. Ich möchte vorläufig nur auf die beiden Artikel |ב סטדא und בן פנדירא hinweisen, worüber in den meisten der bisherigen Talmud-Ausgaben wegen der früheren christlichen Censur die Mittheilung inhibirt war, die nunmehr der gelehrte Vf. veröffentlicht; und zwar vollkom inner als es das vor einigen Jahren (ohne Angabe eines Druckortes, aber mit Empfehlung des vormaligen berühmten Rabbiners .1. G. Mecklenburg in Königsberg) herausgegebenen Schriftchen: קבוצות ההשמטות mittheilt. — Aus der betreffenden Talmud- und Midraschstellen hat ehedem der Vf. des romanhaften Schriftchen תולדות ישו — wovon ich durch meinen ehemaligen Zögling, den jetzigen Dr. S. Baer in Biebrich, eine correcte A bschrift aus einem auf Pergament geschrieben Manuscripte besitze — diese nie durch den Druck veröffentlichte Biographie gleichsam zusammengestoppelt! ודי לחכימא ברמיוא! Sehr richti״ ist es vom Vf. dieses Aruch, die mei- ל ס sten fremdsprachlichen Wörter aus dem Persischen abzuleiten, da ja die Talmud- und Gaonäer-Schulen auf persischem Boden blühten. Nur ist zu wünsehen, dass in der Folge die arabisch-persischen, 80wie auch die chaldäischen Typen kräftiger und deutlicher werden. Bad Ems. Rabb Dr. Hochstaedter Literarische Anzeigen. ,BIBLIOTHECA RABBINICA Eine Sammlung der ältesten Midraschim. Zum ersten Male in deutscher Uebersetzung herausgegeben von Dr. August Wünsche. Oie talmuriisch-midraschische Literatur ist für die allgemeine Culturgescliichte von grossem Werth. Insbesondere erfährt die biblische Wissenschaft in fast allen ihren Disciplinen*durch sie vielftcbe־־־Bereicberung. Bis jetzt sind jedoch nur wenige Theile dieser Literatur durch.Uebersetznng den verschiedenen Wissenschaftskreisen sogänglich gemacht worden. Während vom Talmud doch nach and nach einige Traetate Übertragen worden sind, haben die veraehledenen Mid raschwerke, wie der Midrasch Rabboth, der Midrasch Tanehnma. (Jelamdena) and die Pe.,ikta des Rab Kahana noch keinen Uebersetzer gefunden Und doch sind gerade die genannten 'jWerke, weil sie das halachiscbe (gesetzliche) Element ־fast gänzlich .:*aehliessen nnd dafür die Haggada (den moralisch religiöseu und era1nfe1eu(]ea Vortrag) betonen, von hohem Interesse. Ausser der Vater-isch moralischen Sehriftanslegnng enthält der Midrasch viele )pMtücke wirklich gehaltener Predigten, poetische AnsschmQckan- - biblischer Begebenheiten, Umschreibungen und Erweiterungen einfachen Schriltwörtes, eine grosse Anzahl von anmnthigrn ־ ein, Fabeln und Sagen, zahlreiche treffliche Sentenzen nnd _ nige Sittenjprftcbe. 8ehon Herder, der 8cböpfer' der- Poesie der Völker, machte in der ersten Vorrede zn den jüdischen Dichtungen, nnd Fabeln auf den grossen Reichthum der Haggada mit den Worten aufmerksam : ״Es tliäte mir leid, wenn man nicht etwas Scharfsinniges, etwas Feines in diesen Dichtungen lande; sehr lieb wäre mir's, wenn ich einen Weisen, einen Gelehrten der Nation selbst versnlasste, die Perlen aus dein Grunde des Meeres, die Goldkörner aus dem schlechten Staube hervorzuziehen “ Wir glauben deshalb nicht blos Theologen, Culturhistorikef und Literatoren, sondern auch das gebildete Publikum in Wahrheit zu interessiren, wenn wir in unserer Bibliothek» roh— binien eine Reihe alter Midraschwerke in messender deutscher Uebersetzung vorfuhren. Zunächst werden wir den Midrasch Rabboth bringen welcher in sich die Midraschim 1) zu den fünf BUchern Moses und 2) zu den fünf Megilloth (Hohes Lied, Klagelieder, Prediger Salomonis, Ruth und Esther) enthält Und zwar sollen zuerst erscheinen : Midrasch Beresahith, 1> ימדר^ט בראשית. i. die allegorisch moralische Auslegung zur Genesis, in ungefähr 5 und Midrasch Koheleth, ימדר׳ט קהלת d. i. die allegorisch moralische Auslegung zum Prediger Salomonis, in 2 Lieferungen, an die sich dann die Übrigen Midrdschim in ungefähr 12 Lieferungen reihen. Preis jeder Lieferung (deren alle 2 Monate eine in der Stärke von 6—7 Druckbogen erscheinen soll) ist 2 M. Die Verlagshandlutig behält sich später eintretenden Subscribenten gegenüber eine Preiserhöhung vor und wird der Preis derfertiggestellten Bände, deren jeder einen Midrasch enthalten 8011, wesentlich erhöht werden. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass unsere Bibliotheca rabbinica bei dem hohen Interesse, w elches der jüdischen Literatur gezollt wird, Anklaug und durch entsprechende Subscription Unter- Stützung finden werde. Btto Sebmlz«. Dr. Ad(. W&nsehe. Die Verlagshandlnng. Redaeteor Dr. Rahner in Magdebnrg. Druck von M. Horbach in Barby. Verlag von Robert Friese in Leipzig"

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