Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 8 (1879)
- Issue
- No. 48. (26.11.1879)
- Date
- 1879-11-26
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und Denken entsprechender ist, als eines ▼on Stein oder ßc En es sein würde. Seinen Bemühungen ist es nämlich gelangen, nicht pur eine Stiftung in’8 Leben zu rufen, um das Geburtshaus Mendelssohns in Dessau käuflich!״ an sich zu bringen, um es demnächst zu einem Auf- \ eathaltsort für würdige Männer, welche im Geiste Mendelssohns gewirkt haben, umzuwandeln, sondern der Gemeindebund hat auch durch gleichzeitige. Heraus- 1 gäbe eines trefflich zusammengestellten und äusserst ■ iplendid ausgestatteten ,Lessing-Mendelssohn-Gedenkbuchs“ (worin ausser gedrängten biographischen Scizzen ■» dieser Geistesheroen und einer kurzen BlCtthenlese dahingehöriger Gedanken ans deren Werken eine grosse {': Anzahl werthvoller Beiträge aus der Feder berühmter { Autoren früherer und jetziger Zeit enthalten sind, die ׳ die literarischen, culturgeschichtlichen, nationalen und ifc humanitären Verdienste beider Männer nach allen Seiten : hin beleuchten) dafür gesorgt, dass speciell Mendelssohns Andenken und Bedeutung in immer weitere Kreise getragen wird, was denn wohl in der Verlängerung 3 dieser Linie mit der Zeit auch dazu führen möchte, l: dass der Wunsch Hillere nach einer Statue dieses Weltr weisen dereinst seine Erledigung findet. £ Wenn es somit nach dem Gesagten schon Ehren-, E pflicht aller Stammesangehörigen Mendelssohn's ist, zur Verbreitung eines Buches, weiches sich über das Leben t und Wirken des l>erühmtesten unter ihren Glaubens- [£ genossen in der Neuzeit des Ausführlicheren ergeht I und dem vor Al len unter den Ihrigen sie selbst büry gerliche Gleichstellung und Freiheit verdanken, nach' \ Kräften beizutragen, wenn daneben eine genaue Kenntniss | des Lebens, Denkens, 8trebens und Wirkens eben dieses" P jüdischen Weisen gerade in unseren Tagen am Wirk- 5 sumsten sein dürfte, manchem Vorurtheil ־zu begegnen ״ und dem Stockstöckertbum hier und da den Boden s; auszuschlagen, 80 dürfte auch die sorgsame Auswahl -f] der aufgenommenen Beiträge, die tadellos schöne äussere 1' Ausstattung des Buches und sein billiger Preis*) vollauf ן es rechtfertigen, dasselbe in allen jüdischen und Juden ן zugängigen Kreisen heimisch zu machen. — Wir ent- I; halten uns für heute jedes deiaillirlen Eingehens auf die |L einzelnen Beiträge selbst und bemerken nur noch für r eine hoffentlich recht bald erforderlich werdende zweite C Auflage des Buches, dass neben dem trefflichen Wünsche- [ל •eben Aufsatz Uber den Ursprung der Fabel von den drei t| Ringen auch die ihm lange vorausgegangene T geistreiche, scharfsinnige Studie des Historikers Dr, M. i Wiener in Hannover hierüber,f) wohl gleichfalls der Aufix ■ahme werth wäre, dass sodann neben den angezogenen |>;Arbeiten und Excerpten über Lessing’s ״Nathan“ (S. 350 V, f. des Buches) auch die abfällige Schrift Bohlz ״Les- £aing’• Protestantismus und Nathan der Weise* £u befeftteksichtigen sein möchte, und dass endlich den Apho- MBnen aus den Schriften M/s eine etwas grössere HKüsdehnnng und Durchsicht zu geben sein dürfte ^- *) Da* Bach ist in der Banmgürtner'schen Buchhdlg. in Leipzig Kpnehienen and eignet sich besonders za Chaunkaa Confirmations- Hjksebeaken. Es kostet in höchst elegantem Einbande nur 3 M. BTT f) Vgl. dessensAufsatz in Nr. 49 des Jüd. LiteratarbL 1878. Mohammed1» Arzneikunde. | Von Dr. Isaac Gastfrennd in Wien. (Schluss.) Wenn es also erwiesen ist, dass Mohammed von den Jud/en entlehnte, so ist es in der Ordnung, dass er den Werth, den er der Medicin überhaupt und dem praktischen Arzte insbesondere beilegte, auch nach jüd. Aussprüchen gebildet habe. Er empfahl, den Arzt stets zu cousultiren (Mis’kat II. p. 373), und als er einst die Brust eines Kranken untersuchte und die Krankheit als ein Herzleiden erklärte, rieth er dem Kranken, auch den Arzt N. N. zu befragen (ibid. p. 325), dem talm. Befehle nämlich gemäss, dass man an einem Orte nicht wohnen dürfe, wo kein Arzt sich beiinde (Jerusch. Kidduschin c. 4, 12 t, und dass dem Arzte die völlige Berechtigung zur Heilung zustehe (B. Kama 85a; Mechilta . ed. Friedinann S. 83). Mohammed gestattete dem Arzte,!Belohnung für die Heilung za nehmen—wie ausdrücklieh ein späterer jüd. Lehrer lehrte (Sepher Chassidiin § 295) — und nur jener Arzt begehe eine Sünde, der für seine Stümperei noch Bezahlung beanspruche (Mis’kat II. p. 53); dem talm. Ausspruche ungefähr gemäss, dass ein ‘Arzt, del• ohne Bezahlung heilen wolle, auch keinen Werth habe (B. Kama 85a). Mohammed gab sich auch selbst Mühe, ehe er seine Recepte verschrieb, das Wesen der Krankheit genau zu erspähen; er legte zu diesem Behufe seine Hand auf die Stirne des Kranken, um dessen innern körperlichen Zustand zu erforschen (Mis’kat II. p. 404) und sagte, dass der beste Arzt derjenige sei, der viele Erfahrung in der Ausübung seines Berufes habe (ibid. II. p. 467), wie es der Talmud längst so ausdrückt, dassselbst ein gelehrter Arzt, wenn ihm diegebührende Praxis abgehe, der Hölle werth sei (Jerusch. ' Kidduschin c. 4, 11). Indessen stellte Mohammed selbst bei medicinischen Operationen seinen angeblichen Nimbus als Aushängeschild in den Vordergrund, wozu vielleicht jüd. Anschauungen beitrugen. Es ist nämlich eine alle und häufig wiederholte jüd. Ansicht, dass man seine Hülfe nicht unmittelbar von der Medicin allein erwarten und auf sie allein bauen dürfe, sondern mit der Zuversicht zu ihr auch sein Herz zu Gott im Gebete erheben müsse, und ein späterer Frommer lehrte, dass man jede Krankheit nicht etwa einer Speise oder einem Tranke, sondern der Fügung Gottes zuschreiben solle (Sepher Chassidim § 751). Diesen Gedanken festhaltend, bemerken bereits die Talmudlehrer, dass nicht etwa die kupferne Schlange an und für sich zu tödten oder wieder zu beleben vermochte, sondern: wenn Israel sein Herz Gott zuwandte, ward es geheilt, widrigenfalls wurde es leidend, bis endlich der Tod dem Leiden ein Ende machte (Rosch- Haschana 29a). In diesem Sinne sagte nun Mohammed, dass Gott keinen Schmerz veranlasse, ohne dass er nicht dafür schon von früherher ein Heilmittel geschaffen hätte (Mis’kat II. p. 375), welche Behauptung eigentlich dem Talmud angehört (vgl. Mohammed nach Talmud und Midrasch I. Abth. S. 13). Da nun schon der Talmud folgendes Gebet, welches man bei jeder Heilung zu verrichten habe, bestimmre: ״Möge der Herr die Medicamente zum Heile segnen“ (Berachot 60b), 60 betete auch Mohammed beim Besuche eines Kranken für denselben, indem er ihn ermunterte, selbst Gott anzufleheu (Mis’kat I. p. 598; vgl. p. 341—42), welche letztere Belehrung ist wiederum offenbar dem Talmud entnommen, demzufolge ja das eigene Beten eines jeglichen Kranken für sich selber unvergleichlich vortheilhafter als das eines Andern für ihn sei (Rab. Gen. c. 53). Aber bei seinem diesfallsigen humanitären Wirken verleugnete Mohammed nicht seinen prophetischen Charakter, indem er seine religiöse Skrupulosität auch bei